Ein wenig unerwartet nahm nicht das schwedische Team vom SSV Lehnitz an den Finalspielen der Revelcell Masters Challenge teil, sondern ein deutsches Mixteam. Nobert Skrobek, besser bekannt als roofman, berichtet im Interview mit readmore.de nicht nur über den Abgang des schwedischen Teams, sondern auch über die Gründe und die Zukunftspläne des SSV Lehnitz.
readmore.de Wie kam es dazu, dass ihr nicht mit dem schwedischen Team antretet?
roofman: Nach dem ACON5-Event kam über unseren Orga legolas die Forderung, dass die Spieler pro Monat 600 Euro Gehalt erhalten wollen. Diese Forderung ist für uns unrealistisch, da dieses Team erst sechs Wochen zusammen spielt und ein Spieler an NiP abgehen wird. Wir haben innerhalb der sechs Wochen diesem Team die Teilnahme an der Rixhack, der ESWC-Quali, der ACON5-Quali und dem CPL World Tour Stop in Brasilien ermöglicht. Nach unserer Meinung sind das mehr Leistungen, als viele andere Organisationen ihren Teams überhaupt bieten können.
readmore.de Welcher Spieler wird denn zu NiP gehen?
roofman: Das wird zet sein. Snajdan wird höchst wahrscheinlich zu den ex-NiPlern wechseln.
readmore.de Wie hoch lag das Spielergehalt denn vorher?
roofman: Die Spieler hatten kein Gehalt bekommen, durften aber ihre Gewinne aus den Events behalten. Zusätzlich brauchten sie keinerlei Kosten, z.B. für Reisen, zu übernehmen.
readmore.de Ist es nicht merkwürdig, dass das Team gerade nach den schlechten Leistungen beim ACON5 eine Gehaltsforderung stellt?
roofman: Es war für uns genauso verwunderlich, dass man gerade jetzt mit dieser Forderung an uns herantritt und die Teilnahme an den Revelcell Masters davon abhängig machen wollte.
readmore.de Ist es nicht eher so, dass das Team einfach nur gehen wollte?
roofman: Das denke ich nicht, weil einzelne Spieler heute noch guten Kontakt zu uns pflegen und eigentlich bleiben wollen. Wir sehen darin zurzeit aber keine Basis.
readmore.de Werdet ihr euch zukünftig wieder ein schwedisches Team besorgen?
roofman: Lehnitz hat sich für die ESWC auf der Dreamhack qualifiziert und wir wollen den Spot auch besetzen. Dementsprechend werden wir vorher noch ein neues Team präsentieren.
readmore.de Die ex-NiPler?
roofman: Die ex-NiPler wären natürlich eine tolle Sache, aber die Verträge laufen bei NiP nach unseren Informationen noch bis zum 17.06. und können daher nicht an der ESWC-Quali teilnehmen, zumal sie eh zu ihrer „alten Heimat“ zurückgehen werden. Wir haben einen ex-Spieler von Lehnitz den Auftrag gegeben ein Team zusammen zu stellen.
readmore.de: Warum beschränkt ihr euch nicht nur auf euer deutsches CS-Team?
roofman: Wir haben ein deutsches CS-Team, welches in der GIGA-LIGA spielt und auch die EPS-Qualifizierung spielen soll. Dieses Team hat noch nicht das internationale Format und von daher sind wir gezwungen, zu diesem Team ein weiteres Team zu führen. In Deutschland ist es derzeit schwer ein Team aufzubauen, welches im internationalen Bereich mithalten kann. Man sieht selbst bei mousesports, dass sie mit zwei österreichischen Spielern spielen müssen, um international konkurrenzfähig zu sein. Sicherlich wäre es nach unserer Meinung wünschenswert und auch für die deutsche eSport-Gemeinschaft positiv ein deutsches Spitzenteam zu haben, aber ich sehe da momentan keine Möglichkeit.
readmore.de: Woran liegt es, dass in Deutschland eine so geringe Auswahl vorhanden ist?
roofman: Nach meiner Meinung sind es drei Faktoren.
Der Erste ist, dass die skandinavischen Teams eine stärkere professionelle Einstellung besitzen und sich auch professioneller präsentieren. Zweitens sind die Internetanbindungen in Skandinavien um Welten besser als in Deutschland. Die Spieler haben die Möglichkeit mit Pings von 5-8 im Internet zu spielen und haben somit fast LAN-Bedingung. Drittens ist die Kommunikation untereinander von Team zu Team wesentlich freundlicher als in Deutschland. Als Beispiel dafür führe ich an, dass man nach LANs oft noch zusammensitzt und zusammen feiert und somit die Gemeinschaft fördert.
readmore.de Du hast mir von einem strukturellen Wandel bei Lehnitz erzählt. Wie wird das zukünftig bei euch aussehen?
roofman: Nach unseren Vorstellungen werden wir auf der Basis eines neuen Vereins als eigenständige Organisation tätig sein. Der Name Lehnitz wird dabei in die neue Organisation einfließen. Die Problematik zurzeit ist, dass man als gemeinnütziger Verein rechtliche Probleme hat Verträge mit Spielern zu schließen. Gleichzeitig sind viele Auflagen einzuhalten, die kontraproduktiv für unser Vorgehen sind.
readmore.de: Wir danken für das Gespräch Nobert Skrobek.