Nach einer langen und vor allem feucht fröhlicher Nacht stand ich am Samstagmittag auf. Noch ein bisschen klapprig auf den Beinen startete ich meinen PC und betrat unseren Ventriloserver. Erwartungsgemäß war auch fast niemand da, es war ja auch erst 14 Uhr. Nach kurzem Smalltalk über den gestrigen Abend, schickte mir mein ein alter Kumpel den Battlefield2-Demolink. 550 MB Spielspaß, wie mir gesagt wurde. Den großen Erwartungen folgte die erste Ernüchterung – die Downloadgeschwindigkeit lag bei sensationellen 10 KB/s.
Nach viertelstündigem Suchen hatte ich endlich einen vernünftigen Link gefunden, der mir für meine 5mbit angemessen erschien.
Die Zeit nutzte ich, um zu Duschen und mir noch schnell ein paar Nudeln in die Pfanne zu hauen. Als ich zurück kam war der Download bereits fertig. So, nun sollte dem Spielspaß nichts mehr im Wege stehen.
Warum wollte ich Battlefield2 eigentlich testen? Nun ja, nach nunmehr fast sechs Jahren Counter-Strike sehnte ich mich allmählich nach einem neuen Teamshooter. Andere Spiele hatten mich nie wieder so in ihren Bann gezogen wie das gute alte CS 1.6.
Da ich Battlefield selber noch nie gespielt hatte, und es sonst auch nur im LAN gesehen hatte, besaß ich die idealen Voraussetzungen, um mich richtig verprügeln zu lassen. Alles was ich mitbrachte war mein Counter-Strike-Aim und ein gewisses taktisches Verständnis.
Dementsprechend lief es dann auch, als ich das erste Mal den Server betrat. Ich startete im Angreiferteam und wählte die AK als Waffe, war sie mir doch in den anderen Spielen immer ein guter Gefährte. Irgendwo im Niemandsland rannte ich etwa zwei Minuten über Stock und Stein. Dann war er da, der erste Gegner in meiner Battlefieldkarriere. Vor lauter Aufregung drückte ich ihm mein ganzes Magazin entgegen. Ich hatte es geschafft, meinen ersten Frag.
Doch nur Sekundenbruchteile später fiel es mir wie Schuppen von den Augen – es war mein Teammate. Es dauerte auch nur weitere zwei Sekunden, bis mir mein Teammate verriet, was er von mir und meiner Freund-Feind-Erkennung hielt. Super Anfang meiner Karriere. OK, nun wusste ich schon mal auf welche Gegner ich schießen musste, sicherlich schon ein enormer Gewinn.
Es dauerte aber nicht lange, bis ich meinen ersten „richtigen“ Frag landen konnte. Nach einigen kurzen Feuergefechten war die Zeit abgelaufen und mein Team hatte 143 zu 138 gewonnen. Alles klar, AK geht, versuche ich es mal mit Snipern. Ich stellte mich also in ein kleines Fenster. Schon nach kurzer Zeit kamen auch schon zwei Gegner an mir vorbeigelaufen. Leichte Beute dachte ich mir, war ich doch in anderen Spielen ein sicherer Schütze.
Ich setzte also mit einem leichten Grinsen zum ersten Schuss an. Kurz gesagt, ich traf gar nichts. Ich semmelte den ersten, den zweiten und den dritten Schuss vorbei, danach drückte ich den Rest des Magazins hinterher. Meine beiden Gegner liefen unbeirrt in Richtung meiner Flagge weiter. Ich nahm kurz meine Hände von der Tastatur und überlegte mir, ob es gestern nicht doch ein bisschen viel gewesen sei.
War nicht jeder Schuss voll in meinem Crosshair gewesen? Aber erstaunlicher Weise waren auch meine weiteren Versuche nicht wesentlich erfolgreicher. Ok, dann also nicht Snipern. Mittlerweile füllte sich auch unser Ventriloserver mit spielwilligen Battlefieldlern.
Die dritte Map war mittlerweile vorbei, und ich beschloss mich jetzt mal den Fahrzeugen zu widmen. Nach einem minder erfolgreichen Sprung aus dem Helikopter, bei dem mir schnell bewusst wurde, wie sinnvoll doch die Tastenbelegung für den Fallschirm gewesen wäre, beschloss ich das Ruder nun selbst in die Hand zu nehmen.
Auf zum Flugzeug also. Mein erster Versuch endete kläglich auf der Rollbahn. Mein Teammate war offensichtlich schneller gewesen und überrollte mich.
Übung macht den Meister, also rein in den Helikopter. Ich kam etwa fünf Meter dann drehte ich mich um die eigene Achse…
Mein zweiter Versuch in einem Kampfflugzeug endete nach ca. drei Sekunden. Ich stieg ein und sah nur noch am Himmel die Raketen auf mich zukommen.
Zehn Minuten später konnte ich endlich meinen ersten Helikopter via Bordraketen vom Himmel hohlen. Aber eins war mir an dieser Stelle schon bewusst: Flieger werde ich in diesem Spiel wohl nie!
Auch die Panzer hatten es mir nicht sonderlich angetan, meine neue Liebe galt den schnellen Buggys. Es machte viel Spaß in voller Fahrt in die gegnerischen Stellungen zu preschen, nur um in dem anschließendem wilden Feuergefecht gnadenlos unter zu gehen.
Mit mehreren Leuten macht es wirklich Spaß die eigenen Flaggen zu halten und im nächsten Augenblick einen Ausfall zu wagen. Doch ob es mir mein heiß geliebtes Counter-Strike ablösen wird, daran zweifle ich noch. Vor allem ist es ärgerlich wenn man weit hinter dem Kampfgeschehen startet und erstmal die weiten Wege bis zur Front laufen muss. Außerdem ist auf einem vollen 64-Slot Server wirklich eine Menge los und grade, wenn die Vehikel knapp werden, sind immer einige der Meinung mit einem gezielten Teamkill sich das letzte Fahrzeug unter den Nagel zu reißen.
Ein weiterer großer Nachteil der Demo ist, dass sie auf Systemen mit älteren Grafikkarten nicht läuft. Allgemein scheinen mir die Hardwareanforderungen recht hoch zu sein. Bei mir läuft sie glücklicher Weise, und so werde ich in den nächsten Tagen auch noch so manches Mal auf den Servern anzutreffen sein.