In der sechsten Auflage der ESL Pro Series steht mit plan-B erstmalig ein Team auf dem ersten Platz, welches nicht aus Deutschland kommt – aber genau das könnte ihnen bald zum Verhängnis werden. Laut einer Meldung der Electronic Sports League wird es bald eine Pro Series für die Alpenländer Schweiz und Österreich geben. Die logische Schlussfolgerung, die man daraus ziehen kann: plan-B hat in der deutschen Pro Series nichts mehr zu suchen.
Blicken wir aber einmal auf Tatsachen. Vor nunmehr acht Monaten hat sich das Team rund um plan-B|apathy über die schwierige Qualifikation in der EAS für die sechste Saison qualifiziert. Am Ende stand man sogar als eines von zwei direkt qualifizierten Teams fest und musste nicht einmal die Relegation spielen. Ebenso gut ist man anschließend in die Pro Series gestartet. Dieses frische österreichische Blut bot eine Abwechslung zu dem eintönig gewordenen Spiel zwischen zwei deutschen Spitzenteams; es gab ein Team, das es mit mousesports und Ocrana aufnehmen konnte. Erstere konnten sie in der laufenden Saison noch bezwingen, gegen Letztere mussten sie sich geschlagen geben und haben die Möglichkeit sich im Rahmen der Finals für eine der beiden Niederlagen, die man in der laufenden Saison einstecken musste, zu revanchieren. Eigentlich können alle deutschen Teams von einem weiteren starken Team in der Pro Series, was plan-B wahrlich ist, profitieren. Denn keinem EAS-Team würde es gelingen, den Österreichern auf Dauer gegenhalten zu können – müssen sie gehen, wird es in der nächsten Saison wahrscheinlich wieder um einiges einseitiger werden; meiner Meinung nach ein Rückschritt.
Überhaupt ist das Niveau des Teams hochklassig. Es ist ein Verbund von österreichischen Spielern, der in dieser Konstellation bereits Jahre zusammen spielt. Die einzelnen Spieler kennen sich in- und auswendig und harmonieren auf den deutschen Servern. Anders hätten sie sich womöglich überhaupt nicht für die Finals qualifizieren können – aber sie haben es allen gezeigt und sind mit gewisser Souveränität Erster geworden.
Angenommen ihnen würde der Coup gelingen und sie würden sogar die Finals in Köln gewinnen, bestünde für sie keine Möglichkeit, ihren Titel zu verteidigen. Ein ähnliches Beispiel hat vor einem Monat auch im europäischen Profifußball seine Wellen geschlagen – der Champions-League-Sieger Liverpool hat den Titel gewonnen, hat sich in der nationalen Liga aber nicht für die kommende Saison qualifizieren können. Die UEFA hat aber den ganzen Regeln einen Riegel vorgeschoben und hat dem Titelverteidiger die Chance gegeben, an der nächsten Champions-League teilzunehmen. Diese Lösung würde auch der EPS gut tun, denn es zeugt von Weitsicht, wenn man in einem solchen Fall nicht starr auf seinen Regeln beharrt, sondern einen Kompromiss findet, der es den Spielern von plan-B gestatten würde, an der siebten Auflage der EPS teilzunehmen, sofern sie dies wünschen. Verdient hätten sie es allemal.