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Professionelle Verträge unprofessionell?

Waren Verträge zwischen Clans und Spielern früher eher für die Gerüchteküche bestimmt, haben sie heute ihren festen Platz im Alltag des eSports. Ziel dieser Verträge ist es, sowohl dem Spieler Gehalt und finanziellen Support zu gewährleisten als auch dem Clan ein stabiles Team zu sichern. So machte der eSport vor rund ein, zwei Jahren einen deutlichen Sprung in Richtung Professionalität. Dass er dort jedoch noch lange nicht angekommen ist, verdeutlichen die Probleme, die zuletzt durch die herbeigesehnten Verträge entstanden sind.

Es war ein Thema, an dem sich die Szene wunderbar aufreiben konnte: Walle verlässt mTw und bricht damit seinen zwölfmonatigen Vertrag. Auf der offiziellen Homepage von mTw war zu lesen, dass dies rechtliche Folgen für Walle haben wird. Erst einige Zeit später meldete sich Walle zu Wort und erläuterte, dass mTw den Vertrag zuerst gebrochen haben soll, indem sie ihm das versprochene Geld für die WEG nicht rechtzeitig zahlten. Gesetzt den Fall, dass Walle die Wahrheit gesagt hat, wer ist dann im Recht? Darf Walle seinen Vertrag einfach so beenden, weil mTw das Geld nicht rechtzeitig zahlte oder hat mTw Anspruch auf Entschädigung für den Vertragsbruch?

Ein weiterer Fall ergab sich am Wochenende auf der Dreamhack in Schweden. So nahmen dort die ehemaligen NiP-Spieler Spawn, ahl und vilden mit dem Mixteam 1911 am schwedischen ESWC-Qualifier teil. Zumindest wollten sie das. Nach dem gewonnen Prequalifier verließ das Team das Turnier, weil sie noch bei NiP unter Vertrag waren und man ihnen mit einer Klage drohte. Die Spieler glaubten der Vertrag sei aufgehoben, weil sie kein Gehalt mehr erhielten, NiP hingegen argumentierte, dass ohne die vertraglich festgelegte Trainingsleistung der Spieler auch keine Gehälter gezahlt werden würden. Wer ist hier nun im Recht? Sind die Spieler trotz fehlender Gehälter noch NiP verpflichtet oder nicht?

Die Fälle zeigen, dass die eSport-Verträge teilweise sehr schwammig sind. Die Verträge scheinen so formuliert zu sein, dass es immer wieder zu Verwirrungen kommt. Es gibt auch keine Klarheit darüber, wie ein Richter mit solchen Fällen umgehen würde. Es wäre schon allein schwierig, ihm die Thematik des eSports angemessen zu vermitteln.

Sind die professionellen Verträge also unprofessionell? Die mangelnde Transparenz verbietet es der Öffentlichkeit und Presse dies objektiv zu beurteilen. Weiterhin gelten die Inhalte der Verträge als Tabuthema. Weiterhin gibt es keine Klarheit über Gehälter. So wird es auch zukünftig immer wieder kritische Fälle geben, denen die eSport-Presse – genau wie ich heute – mit Ratlosigkeit gegenübersteht.

  1. chris_1180 #1
    Verträge mit Spielern finde ich sehr wichtig, da Sponsoren sicher sein wollen, vernünftig präsentiert/vertreten zu werden. Außerdem möchte man ja auch, seitens des Clans, einen Spieler, in den man durch Reisen, Equipment o.ä. an den Clan zu binden. Seitens des Spielers sind Verträge vernünftig, um die Bezahlung/Belohnung zu sichern.

    So seh ich das!

    MfG fLuffY a.k.a Chris
    m-tK #2
    Totale Verwirrung :)
    tkone #3
    sry aber der artikel steht im dierekten gegensatz zum statment auf der hauptpage :)
    .syL #4
    Vom prinzip her sollte sich die rechtliche Situation bei eSportverträgen nicht von denen bei anderen Sportarten unterscheiden. Was die ganze Situation natürlich rechtlich interessant (und wahrscheinlich) auch problematisch macht sind die starken Bezüge zum internationalen Privatrecht. Würd mich sehr stark interessieren ob die Verträge eine Klausel zum Gerichtsstandort und anwendbarem Recht haben.

    Hauptproblem ist wohl auch das sehr krude Rechtsverständnis der Spieler (und vieleicht auch Clans). Nicht jede Verletzung einer vertraglichen Pflicht führt auch gleich zur Nichtigkeit bzw. zur Möglichkeit der fristlosen Kündigung eines Vertrags. Bin mal auf das erste Gerichtsverfahren gespannt, wenns denn mal so weit kommen sollte :)
    .syL #5
    #11

    nordkorea != südkorea
    Rudi #6
    da wäre ich mir nicht so sicher ask, denke, dass es schon mehr sind, als man glaubt.
    Ralea #7
    @ Rudi ich denke da ähnlich wie Ask. Verträge die von Firmen (Turtled Entertaiment GmbH - SK, oder MTW-Gaming Gmbh) oder von Vereinen (OCRANA e.V.) verfasst werden haben ihre rechtswirksamkeit. Dies bedeutet, dass es keine schwammige ausdrucksweise gibt sondern eine genaue formulierung der Pflichten und Rechte.

    Wieviel teams Gehalt bezahlen, sei mal dahin gestellt - jedenfalls müssen diese Teams in deutschland eine offizielle institution sein. dementsprechend kannst du bindende verträge erstellen und diese falls nötig auch vor gericht durchsetzen.

    Gruß

    Mark
    freakzero #8
    Man kann als kleiner Clan ja auch Rat oder Hilfe von einem großen Clan erbitten oder zu Jemand gehen, der sich damit auskennt. Wer einen Vertrag aufsetzt der schwammig formuliert ist oder zweideutig sein kann, den sollte man gar nicht erst unterschreiben.

    Ein Vertrag soll beiden Seiten helfen, damit man weiss was einem geboten und gefordert wird. Wenn mTw gleich einen Vertrag über 12 Monate abschliesst, dann finde ich das etwas gewagt. Man sollte vielleicht mit 6 Monaten anfangen und dann ausbauen.

    Der ESB könnte/sollte sich ev. mal zu diesem Thema äußern, bzw. den Leuten als Info-Stelle dienen, da der Bund ja die Szene presentiert und man sich daher auf den ESB stützen können sollte.
    hug #9
    man muss einfach sagen, dass das problem der vertragsbrüche aufgrund des alters der jeweiligen spieler entstanden ist. man kann nicht erwarten, dass sich werdende erwachsene bewusst sind, zu was sie sich durch schriftliche verträge verpflichten und das beste, was dem eSports passieren könnte, wäre eine verurteilung walles oder eines anderen spielers, der den vertrag bricht. somit würden einige respekt davor haben und verträge würden nichtmehr so leichtfertig abgeschlossen werden
    DrMaHoSSi #10
    @#19

    Ich denke mal das liegt daran, dass sich bis jetzt immer beide Seiten aussergerichtlich einigen konnten. Dass das nicht immer der Fall sein wird ist klar und ich bin sehr gespannt, wie das erste Gerichtverfahren diesbezüglich ausgeht.

    Unsere Verträge sind von einem Rechtsanwalt überprüft worden, insofern sind diese auf jedenfall wasserdicht :-)

    @#17

    Klar kann man sich gerne Tipp`s von einem großen Clan bezüglich der Verträge holen. Es wird allerdings lediglich bei Tipp`s bleiben, da sich kein Verein gerne in die Karten schauen lässt. Es steckt schliesslich auch ein großes Stück Arbeit in jedem Vertrag. Vielleicht sollte man den ESB ins Spiel bringen, indem dieser Standardverträge für den eSport erstellt, die zum einen rechtlich unanfechtbar sind und zum anderen von kleineren Teams genutzt werden können, die nicht das nötige Kleingeld haben, um selber Verträge über einen Rechtsanwalt absichern zu lassen.
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