Nur noch wenige Schüsse hallten durch den Komplex. Der Angriff der unbekannten Truppen kam überraschend und rasend schnell. Seit einer Stunde hatte ich keinen anderen lebenden Marine mehr gesehen. War ich wirklich der einzige Überlebende? Von einem Wissenschaftler, der im Sterben lag, erfuhr ich, dass ein Fehler in der Sicherheitsabsperrung des Dimensiontores aufgetreten ist. Er meinte, dass der Feind sehr wahrscheinlich durch dieses Tor in die Basis gelangt sei. Ich musste sie aufhalten und versuchen das Tor wieder zu verschließen. Der Eingang zur Testzone des Dimensiontores lag am anderen Ende des Ganges im Schatten. Ich hatte nur noch ein Dutzend Patronen für die Shotgun und eine rostige Holzfälleraxt aus der Werkstatt. Ich rückte meinen Helm zurecht und betätigte den Öffnungsmechanismus der Tür. Es gab kein Zurück…
Ein weiteres Mal musste die Gemeinschaft der Computerspieler herhalten und die Menschheit retten. Wir schreiben das Jahr 1996. Es war die Zeit von Warcraft 2, Command & Conquer: Red Alert, Duke Nukem 3d, Need for Speed und Privateer 2 als id-Software die Spieleszene umkrempelte. Quake setzte neue Maßstäbe was Grafik und Gameplay anging. Es war düsterer, schneller und brutaler als die vorhergegangenen DOOM Teile. Der letzte Aspekt führte unweigerlich zur Indizierung von Quake in Deutschland, was uns aber nicht wirklich davon abhielt der internationalen Gemeinschaft der Quakespieler beizutreten.
Quake war zukunftsweisend mit seiner vollständigen 3d Darstellung und überraschte mit Gegnern und Geschossen in drei Dimensionen. Der größte Konkurrenz, Duke Nukem 3d setzte derzeit noch auf Bitmapgegner, denen jedoch die räumliche Tiefe fehlte und somit grafisch Quake hinterherhinkte.
Die totale 3d Umsetzung ließ auch zum ersten mal den sogenannten Mouselook zu. Was heute in jeden 3d-Shooter für selbstverständlich erachtet wird, fand in Quake seinen Auftakt. Zuerst spielte man Quake wie die Vorgänger DOOM 1+2 nur mit Tastatur. Spätestens im Internet traf man auf andere Spieler die nicht nur in der Horizontale kämpften, sondern auch in der Lage waren Geschosse nach oben oder unten zu richten. Man hörte von dem Konsolenbefehl „+mlook“ was einem diese neue Kampfweise ermöglichte. Irritiert nahmen man eine Hand von der Tastatur und legten sie auf die ansonsten so unwichtige Maus. Dies führte auch zu einem Schritt der Skill-Erweiterung, die in diesem Artikel näher besprochen wird.
Der Singleplayer:
Die Story kann man mit einem einfachen und leicht verständlichen Satz beschreiben: „Nur du kannst die Menschheit retten.“ Dieser Buchtitel von Terry Pratchett lässt sich sicherlich auf 95% aller 3d-Shooter anwenden und ist somit auch für die Story von Quake aussagekräftig genug.
Der Singleplayer Teil ist in vier Episoden unterteilt, die man in einer beliebigen Reihenfolge durchspielen kann. Da sich jedoch die Rätsel und der Schwierigkeitsgrad der Level in späteren Episoden jeweils erhöht, wird im Handbuch geraten sie in der vorgegebenen Reihenfolge durchzuspielen. Insgesamt gibt es 32 Level durchzuspielen die für damaliges Maß aufwendig konzipiert und ausgearbeitet wurden. Es gibt jede Menge geheime Verstecke zu entdecken, in denen z.B. das bekannte Quaddamage, Munition oder Waffen lagern. Insgesamt gibt es acht verschiedene Waffen in Quake:
Die Axt: Hierbei handelt es sich um die simple Nahkampfwaffe in Quake. Sie kommt zum Einsatz wenn die Munition ausgeht. Sie lässt sich recht schnell schwingen und ihr Schaden ist nicht unerheblich.
Die Shotgun: Das Standardwerkzeug eines jeden Marines. Durch das recht geringe Streufeld ist sie auch über mittlere Distanzen einsetzbar. Die Durchschlagskraft ist leider nicht die Beste, so dass man schon einige Ladungen benötigt um größere Gegner zu bezwingen.
Die Zweiläufige Shotgun: Hierbei handelt es sich um eine wirklich Nahkampfwaffe. Ihre Feuerrate entspricht der der Shotgun und der zweite Lauf sorgt für eine stark erhöhte Feuerkraft. Durch die große Streuung ist es empfehlenswert sie nur auf kurzer Distanz einzusetzen.
Die Nailgun: Sie besteht aus zwei Läufen aus denen abwechselnd Neunzollnägel abgeschossen werden. Sie besitzt eine hohe Reichweite und ist sehr zielgenau. Die hohe Schußfrequenz fordert jedoch ihren Tribut, so dass die Munition schnell verschossen und somit rar ist.
Der Perforator: Hierbei handelt es sich um eine Art Gatling Nailgun. Er besitzt vier quadratisch zueinander angeordnete Läufe, die beim Betätigen des Abzugs rotieren und Nägel verschießen. Die Kadenz des Perforators ist größer als die der Nailgun und macht ihn, ausgestattet mit den selben Eigenschaften der Nailgun, zu einer starken und gefährlichen Waffe. Auch hier gilt es die Munition im Auge zu behalten.
Der Granatwerfer: Durch seine starke Feuerkraft und Flächenwirkung ist er sehr gut geeignet um größere Gegneransammlungen zu dezimieren. Die typische ballistische Bahn, mit der die Geschosse abgefeuert werden, eignet sich hervorragend um Gegner an unzugänglichen Stellen zu erreichen, wie zum Beispiel auf erhöhten Plateaus oder durch Tür- und Fensteröffnungen anderer Räume.
Der Raketenwerfer: Er ist eine der stärksten und beliebtesten Waffen in Quake. Durch die hohe Geschwindigkeit seiner Geschosse und der kurzen Nachladezeit, ist die Reichweite sehr groß und die Schußfrequenz etwas länger als bei der Shotgun. Auf kurze Distanzen ist es nicht zu empfehlen den Raketenwerfer einzusetzen, da die Geschosse einen recht großen Explosionsradius besitzen.
Der Thunderbolt: Fälschlicherweise wird er oft als „Shaft“ bezeichnet was sicherlich auf den Nachfolger in Quake 3 zurückzuführen ist. Der Thunderbolt verschießt einen fokussierten Blitzstrahl der durch starke Batterien in der Waffe erzeugt wird. Jedoch werden die Batterien beim längeren Gebrauch sehr schnell entladen. Durch die baulich begrenzten Möglichkeiten viel Energie in eine tragbaren Waffe unterzubringen, ist er, was die Reichweite anbelangt, dem Raketenwerfer unterlegen.
In den verschiedenen Level begegnet man bis zu 13 verschiedenen Feindtypen die einem das Leben schwer machen wollen. Angefangen bei einem Grunt, über den schwer bewaffneten Oger mit Kettensäge, bis zur pervertierten Version eines Eisbärs: den Shambler.
Von einem ungeübten Spieler kann Quake in 4-6 Stunden bewältigt werden. Bei wirklich kampferprobten Spielern mit einem ausgefeilten Plan kann es sich aber auch nur um Minuten handeln. Solche sogenannten Speeddemos sind beeindruckende Zeugnisse von allumfassendem Spielwissen über Quake. Hier werden Strafejumps auf scheinbar unmöglichste Weise mit Grenade- und Rocketjumps kombiniert um möglichst hohe Geschwindigkeiten zu erzielen und störende Hindernisse zu umgehen. Am intressantesten sind die 100% Done Demos. Hier gilt es alle, ja wirklich alle Gegner auszuschalten und jedes Geheimversteck zu finden und das so schnell wie möglich. Anschauungsmaterial befindet sich unter den Links.


