Erst die Niederlande – dann die ganze Welt? Diesen oder einen ähnlichen Titel könnte ein internes Konzeptpapier bei fnatic tragen.
Jede Geschichte hat einen Anfang
Das im Mai 2004 gegründete Team verpflichtete zuerst UT-Legenden wie lauke und R0X und konkurriert seitdem in UT um internationale Spitzenpositionen in Turnieren wie dem ESWC oder der WCG. Mit Ankündigung und voranschreitendem Verlauf der CPL World Tour baute man schließlich ein internationales PK-Team rund um Vo0 auf, das im Rest der Welt seinesgleichen vergeblich sucht. Schritt für Schritt ergänzte fnatic weiterhin ihre Standbeine im eSport Geschehen. So kam es Anfang Juni 2005 zur Verpflichtung eines Warcraft III-Teams. Das erste große Event unter neuem Namen wird dabei der ESWC darstellen, auf dem man mit gleich vier Spielern im Bereich WC3 vertreten sein wird. Der vorerst letzte große Coup gelang dem Management durch die Verpflichtung des CS-Teams: Die drei schwedischen ex-Lehnitz-Spieler Magix, solido und MegatoN, der finnische diGitaL von astralis und XeqtR (als Übergangsspieler). Diese Formation war zweifelsfrei eine der heißesten des Spielermarktes. Mit einem CS und PK-Team auf den CPL Summer Championships und dem WC3 und UT-Team für den ESWC in Paris heißt es jetzt für alle potentiellen Gegner anschnallen.
fnatic auf den Spuren von SK Gaming?
Auch wenn man durch ein nicht rein schwedisches Team in Schweden bei CS keine nationale Hausmacht wird, haben sie dennoch genug Potenzial, mit dem neuen SK.swe Team oder den Ninjas mitzuhalten. Ebenfalls im Zweikampf mit SK befindet sich fnatic im sammeln von World Tour Preisgeld, diesmal jedoch mit Vorteil zu ihren Gunsten. Ein noch offener Schlagabtausch bietet sich in Warcraft III, dort werden erst der ESWC und die kommende WC3L-Saison zeigen, wer das bessere Team aufgestellt hat.
In einem mit „Fnatic’s not SK“ benanntem Interview zwischen Clangründer zr0 und Carmac von der GGL geht es, wenn auch eher indirekt, genau um den Vergleich zwischen SK und fnatic. Eine Antwort wird dabei jedoch nicht gegeben, der Leser muss also seine eigenen Rückschlüsse ziehen.
Die Firma fnatic
Bei näherer Betrachtung von fnatic trifft man direkt auf die im August 2004 in Australien gegründete fnatic limited. Im Management dieser befinden sich Samuel Mathews (Managing Director), Anne Mathews (Finance Director) und Joris van Laerhoven (Technical Director). Während Samuel u.a. in Australien aufgewachsen ist, arbeitet seine Mutter Anne noch heute dort, was auch den australischen Firmensitz erklärt.
Anders als bei anderen Teams, bei denen die Firma im Hintergrund steht, ist sie bei fnatic überaus präsent und das wohl scheinbare Ziel aller Bestrebungen. Managing Director zr0 sagt selbst, dass er nicht glaubt mit den Spielern Geld verdienen zu können. Sie bekommen was sie gewinnen und sind gut für die Publicity, so sein Fazit. Während die Spieler größtenteils mit Sponsorengeldern von NVIDIA auf die Events geschickt wurden, mussten die Ausgaben für Management und Staff über Darlehen im Zusammenhang mit der Firmengründung gedeckt werden – ein gewagter Schritt der sich auszuzahlen scheint.
Zukunft
Wohl nicht nur in meinen Augen wirkt fnatic jünger, dynamischer und erfolgshungriger als andere große Multigaming-Namen. Der nächste große Schlag wird mit Erweiterung der Page um den „Club Fnatic“ und einem „File- und Mediadepot“ getätigt, doch schon jetzt hebt man sich z.B. mit Spielerblogs positiv aus der Masse ab. Ziel ist es nach eigenen Aussagen eine neue Marke zu prägen und das „fnatic-Lebensgefühl“ auch anderen außerhalb des Clans zu vermitteln, womit laut zr0 auch die Frage nach einem zweiten SK zumindest aus seiner Sicht geklärt wäre.
Die am Anfang genannte These „erst die Niederlande – dann die ganze Welt“ ist gerade unter dem Gesichtspunkt der World Tour und den bevorstehenden großen internationalen Turnieren bereits Wirklichkeit geworden. Was die Zukunft der Firma fnatic angeht, wird auf ihrer Homepage und in Interviews gerne mit großen Schlagwörtern und Visionen um sich geworfen, wie diese jedoch konkret aussehen sollen bleibt – ob gewollt oder nicht anders gekonnt – offen.