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Shortrounds Vertrag scheinbar rechtsungültig

(We have prepared an English version of this article.) Vor einigen Tagen wurde auf der offiziellen Seite von Four Kings der Wechsel des amerikanischen WC3-Spieler Shortround angekündigt. Die Meldung wurde aber kurz darauf als übereilt eingestuft und zurückgezogen, da der Amerikaner noch bei seinem bisherigen Team mousesports unter Vertrag steht (readmore berichtete). Beide Parteien schienen aber an einer Einigung interessiert zu sein, sodass bereits die ersten Gerüchte um eine mögliche Ablösesumme bekannt wurden. Nun liegen readmore.de neue Informationen vor, welche die Angelegenheit weitaus brisanter erscheinen lassen.

So fehlt in dem readmore.de vorliegenden Vertrag zwischen Spieler und der Freaks4u GmbH der Hinweis auf die Gerichtsbarkeit und den Gerichtsstandort. Da Shortround aus Amerika, Freaks4u aus Deutschland kommt, ist ungeklärt, nach welchem Recht der Vertrag behandelt wird. Ebenfalls fehlt ein Paragraph der eine zustellungsfähige Adresse festlegt, was zur Folge hat, dass Shortround nur bei seiner Freundin einziehen müsste, damit ihn keine Klage erreichen kann. Bei einer zustellungsfähigen Adresse würde Shortround juristisch gesehen die Post auf jeden Fall erhalten, sodass es bei fehlender Antwort zu einem Versäumnisurteil kommen könnte.

Ebenfalls problematisch sind die im Vertrag festgelegten Trainingszeiten. Da ein Spieler von mousesports nach einem bestimmten Zeitplan eine bestimmte Anzahl an Stunden in der Woche trainieren muss, könnte er nicht mehr als freiberuflicher Angestellter der Freaks4u GmbH gelten. Dies hätte zur Folge, dass es sich um einen richtigen Arbeitsvertrag handeln würde, bei dem andere Bedingungen gelten würden. Sozialabgaben müssten jedoch nur gezahlt werden, wenn Shortround hauptsächlich in Deutschland arbeiten würde.

Darüber hinaus ist der Spieler bei einer außerordentlichen Kündigung des Vertrags für sechs Monate gesperrt und darf für kein anderes Team spielen. Verstößt er gegen diese Auflage, hat er mit einer sehr hohen Geldstrafe zu rechnen. Hierbei ist jedoch problematisch, dass die Geldstrafe in keiner Relation mit dem monatlichen Verdienst des Spielers steht und daher von einem Gericht aller Wahrscheinlichkeit neu festgelegt oder ganz entfallen würde. Auch die sechsmonatige Sperre wäre nur dann gültig, wenn die Freaks4u GmbH ein Abfindungsgehalt zahlen würde, das in der Regel zwischen 50% und 75% des monatlichen Verdiensts des Spielers liegt. Dies wird aber an keiner Stelle im Vertrag erwähnt.

Hinzu kommen einige Formulierungsschwächen, fehlende Definitionen oder offene Fragen. So wird im Vertrag oftmals von der Bezahlung der Kosten des Spielers gesprochen, ohne dabei festzulegen, worum es sich dabei handelt. Auch Miet- und Verpflegungskosten könnten hier gemeint sein. Ebenfalls wird erwähnt, dass im Falle eines fehlenden Sponsors, Freaks4u das Recht hat, die monatliche Aufwandsentschädigung zu senken oder gar vollständig auszulassen. Unklar ist dabei wiederum, ob der Spieler im Nachhinein Anspruch auf dieses Geld hat bzw. ob es nachgezahlt wird.

Sinkt das Einkommens des Spielers, so soll der Vertrag aufgelöst werden und ein neuer erstellt werden. Jedoch ist das Einkommen nicht klar genug definiert bzw. unterliegt verschiedenen Faktoren, wie z.B. dem Verkauf von Produkten auf denen der Spielername steht, sodass eine Auflösung des Vertrags fast jeden Monat geschehen könnte. Gemeint ist hier wohl lediglich die monatliche Aufwandsentschädigung, jedoch geht dies nicht aus dem Vertrag klar genug hervor.

Ein von readmore.de hinzugezogener Experte kam zu der Schlussfolgerung, dass der Vertrag aufgrund verschiedener, massiver Versäumnisse rechtsungültig sei. Zu dieser Einschätzung soll nach readmore.de vorliegenden Informationen ebenfalls ein von Four Kings beauftragter Rechtsanwalt gekommen sein. Shortround könnte demnach ohne Probleme und rechtliche Folgen zu Four Kings wechseln. Eine endgültige Entscheidung darüber kann jedoch nur ein Gericht treffen, wenn sich Clans und Spieler nicht anderweitig einig werden.

Ein solcher Präzedenzfall könnte schwerwiegende Folgen haben, sofern andere Spielerverträge bei Freaks4u dem uns vorliegenden gleichen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wäre dann kein Spieler von mousesports rechtlich an die Freaks4u GmbH gebunden, sondern könnte jederzeit das Team wechseln, ohne sich Sorgen um eine Klage machen zu müssen.

Update 1: Soeben kam die Bestätigung, dass ein französischer, ein amerikanischer und ein deutscher Anwalt, alle beauftragt von Four Kings, den Vertrag zwischen Freaks4u und Shortround als rechtswidrig bezeichnet haben sollen. Am morgigen Tag wird ein offizielles Statement von Freaks4u folgen.

Update 2: Inzwischen liegt eine Stellungnahme seitens Freaks 4U und mousesports vor.

  1. Nasty_1364 #1
    nice Artikel. In der Zukunft wird sich zeigen, wie es mit den Verträgen weitergeht bzw. welches Ende das Ganze hat!
    bamz0r #2
    ahja, jetzt wirds auch noch interessant. verträge sind zwar schön und gut, jedoch sollte man sich in dem heutigen "gesetzesjungel" auch zurecht finden können. Leicht ist sowas auf jeden Fall nicht, jedoch erwartet man doch von einem unternehmen wie f4u, dass sie auch in diesem bereich professionalität zeigen.

    naja ich lass mich mal überrraschen
    `kUh #3
    interesting :) Wir nehmen alle :p
    chris_1180 #4
    Krass! Naja Freaks4u scheint ja nicht so der BombenVerein(keine Terroristische Äußerung) zu sein nach dem Statement von aLeXa. Aber nach dem Artikel stellt sich mir die Frage, ob es richtig ist, dass die Freaks4u GmbH als eine der Aushängefirmen des deutschen eSports gezählt wird. Wer noch nichtmal im Stande ist, einen Vernünftigen Arbeitsvertrag auf die Beine zu stellen, hat nicht das Recht eine Firma zu führen

    btw: Wer ist der von readmore.de zugezogene Experte?

    //e: Hui, was ist das denn? Keine freaks4u- und auch keine catz-Seite mehr \o/!
    anarchotic #5
    Also das ist ja wirklich ein starkes Stück. Dass einige Verträge von den Gamging-Giganten-Teams nicht den Rechtsstandards entsprechen, habe ich mir schon gedacht, als ich Auszüge eines SK-Vertrags auf eTruth gelesen habe. Dass nun aber solche dicken Schnitzer drin sind, die den Vertrag nicht nur in Teilen, sondern im Ganzen, ungültig machen, ist doch unglaublich. Besonders von DEM deutschen Team mit DEM Mangement im Hintergrund hatte ich Professionalität in diesem Bereich erwartet. Nach der Meldung, wie es aleXa auf der ESWC erging, nun der zweite Knaller, der F4u in ein sehr schlechtes Licht taucht. Hoffen wir, dass bei F4u Köpfe rollen, sodass unser Stern am Esports-Himmel bald wieder unbeschmutzt und -belächelt, soweit man das überhaupt noch kann, strahlt.
    Pitcher #6
    ich sag dazu nur "die klaffende kluft" :) benutzt doch mal solche sachen in den nachrichten :)
    daniel #7
    ich weiß nich was ich davon halten soll ... da habt ihr mal exklusiv so einen wisch vorliegen und freut euch so dermaßen über eine solche insiderinfo, dass ihr einen """EXPERTEN""" (gott weiß wer das ist) über die rechtsgültigkeit des vertrags schwafeln lasst.

    ihr seid es doch gewesen, die in einem artikel noch über die mangelnde bindung zwischen clan und spieler gelästert haben. und jetzt verlangt ihr lupenreine, seitenlange vertragskataloge (möglichst noch mit einer seite kleingedrucktem) die am besten noch von 7 sauteuren anwälten abgesegnet sind.

    mein gott, wir reden von einem esport-vertrag. ihr solltet froh sein das sowas überhaupt existiert um das ständige gehoppe etwas zu unterbinden.

    aber wie gesagt, habt ihr euch wohl so über den "vorliegenden vertrag" gefreut, dass ihr daraus ne möglichst dicke geschichte machen musstet.

    gut, man kann sowas zur sprache bringen, aber wie das hier aufgebauscht wird ist bescheiden
    jack_pott #8
    nice artikel

    verträge sind kacka, ich verstehs nich warum man alle paar monate den clan wechselt :-/
    Rudi #9
    wir sind nicht etruth taube
    daniel #10
    so klingts aber?
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