Tag 4 – Samstag
Es ist Samstag. Unstreitig Höhepunkt der GC. Besuchermassen, eSports-Awards, Players-Party, Turniere. Der Tag beginnt dennoch wie jeder andere: aufstehen, duschen, hinfahren. Diesmal allerdings nicht ohne Grund mit Ersatzshirt und Jackett im Gepäck, die Players Party wirft ihren Schatten voraus. Turniertechnisch legt der Tag mit Dänemark gegen Deutschland im ENC los und der Sieg Deutschlands macht den Weg frei für die Neuauflage des Halbfinales Frankreich – Deutschland. Inzwischen habe ich auch ein paar Fragen für ToD in der Tasche und hoffe, die ihm auch noch stellen zu können. Also lungere ich bei der ENC Stage herum will den französischen Superstar erwischen. Als er kommt zerrt ihn Baschi jedoch sofort vor seinen PC und forderte ihn zum Spielen auf. Später also.
Aber auch einige Zeit danach habe ich kein Glück und so muss ich dann mit ansehen, wie ein freundlicher junger Mann neben ToD steht und ihm kurze Fragen stellt. Dass dieser freundliche junge Mann ein ingame-Shirt trägt, macht die Sache nicht besser und mit ein wenig Menschenkenntnis ist erkenntbar, dass ToD auf Interviews ungefähr soviel Lust hat wie auf eine Amputation seiner Geschlechtsteile. Okay, Interview vertagt. Sonntag ist schließlich noch alles drin.
Nach dem knappen Spiel der deutschen im C-Final des ENC mache ich mich wieder auf den Weg zur NGL, um dort mal nach dem Rechten zu sehen. Dort wird mir allerdings von einem recht bulligen Türsteher der Einlass mit der Begründung verwehrt, hier seien grade Finalspiele, ich dürfe die Spieler nicht stören. Oh schade, ich war doch grade zum Stören erschienen. Was für eine Wurst. Dasselbe Schicksal trifft auch BasH, HasuObs und Rax, die ebenfalls in die Players-Arena wollen, aber nicht dürfen. Auch ihr Hinweis auf die fast schon verwandschaftlichen Beziehungen zu den Spielern in der Arena hilft ihnen nicht weiter. So habe ich wenigstens die Gelegenheit, ein wenig mit Rax und HasuObs über den ENC zu plaudern und daraus einen kleinen Artikel zu schmieden.
Nach einiger Zeit ist der Weg dann frei und ich schnacke noch kurz mit Miou und sehe mir seine Spiele gegen CraftY an. Danach ab nach „Hause“, wo bereits alles im Umbau ist. Die ESL bereitet ihren Stand für die eSport-Awards vor und langsam merke ich eine gewisse Nervosität in mir aufsteigen. Ich hatte im Vorwege einiges an tollkühner Aktion im Falle des Sieges einer Konkurrenzseite angekündigt und hoffe, nun nicht für meine Großmäuligkeit bestraft zu werden.
Zwischen Rumpel (mit Laptop) und Affentod (mit Kamera und Miniaturweinflasche) mache ich es mir im Zuschauerbereich des eSport-Award gemütlich und erwartete den Beginn der Show. Jens Hilgers aka GreatSam führte durch den Abend und hatte lediglich sein Äußeres verändert. Schick im Anzug, aber dennoch mit einer Fäkalsprache, als würde er auf dem Bau moderieren. Nun gut, nicht meine Show. Das auffällig häufig die Namen von Firmen wie Intel oder Shuttle fielen, wird auch keinem entgangen sein. Als in der für mich relevanten Kategorie nicht unser Name, sondern der von mousesports fällt, hält die Enttäuschung nur bis zu dem Moment, in dem mouz|Sigi in seinen Dankesworten das erste Mal „readmore“ sagt. Manner soweit das Auge reicht. Gratz an euch! Das auch bei den eSports-Award wieder die „Tänzer“ der ESL im Einsatz waren, lasse ich an dieser Stelle bewusst unkommentiert.
Ich nutze die Pause für die Tänzer lieber für das Beschaffen gekühlter Getränke und lange ordentlich zu. Der eSport-Award erweist sich als kurzweiliger als gedacht und so ist schon kurze Zeit später die Player’s Party in vollem Gange. Viele hochkarätige Gesprächspartner und Gerstensaft, der nach der entbehrungsreichen Woche so gut schmeckt, wie lange nicht mehr.
Der spätere Verlauf der Party orientiert sich zunehmend in Richtung Playstation Party, wo die Getränke umsonst und die Promis zahlreicher sind. Während meine Redaktionskollegen bereits den Heimweg antreten, verbleibe ich auf der Party. So diskutiere ich mit steigendem Alkoholpegel auch sehr lebhaft mit kookian, der eine andere Sicht auf das 2on2 gegen Frankreich hat, als ich sie in meinem Artikel niedergelegt habe. Auf dem Dancefloor ist außer TaKe kaum jemand bekanntes aus der Szene zu finden, die meisten sind in Gespräche vertieft und durch die Freigetränke von Sony hätte meine Stimmung kaum besser sein können. Mit dieser Einstellung bin ich im übrigen nicht allein, ich werde das Gefühl nicht los, dass sich dort der ganze deutsche eSport kollektiv umbügelt. Irgendwann wollen Toni und Frederik, die auch in meinem Hotel wohnen, dann nach Hause und ich begebe mich mit Ihnen in ein Großraumtaxi. Hier endet meine Geschichte für den Abend. Insgesamt wundere ich mich, dass mein Jackett so sauber geblieben ist, wo ich doch angeblich im Leipziger Bahnhof bei den Dauerdaddlern auf der Treppe geschlafen haben soll.