Ein wenig angekratzt war mein Ego schon, als die WEG einst irgendwo, irgendwie einmal fallen ließ, dass ihre Liga doch gar nicht für den europäischen Markt gedacht sei. Es ging ja vielmehr darum, den Heißhunger der Hunderttausende von koreanischen und Millionen von chinesischen Fans auf die Counter-Strike- und WarCraft-Profis aus dem Abendland zu befriedigen. Vielleicht ging es auch darum, den Europäern zu zeigen, dass sie da drüben doch die besseren Gamer haben. In WarCraft 3 hat das geklappt, in Counter-Strike allerdings noch nicht.
Wahrscheinlich ist es eben diese Auslegung auf das hauseigene Publikum, welches das Qualifikationsturnier im schwedischen Stockholm so schmal erscheinen lässt. Lediglich elf Teams von einem gamingtechnisch riesenhaften Kontinent traten an, um einen von fünf WEG Plätze zu gewinnen. Elf Teams für fünf Plätze. Erinnerungen an den Amerikaner BoO werden wach. Er fuhr 11 Stunden mit dem Auto zum amerikanischen WEG-Qualifier, wo er dann direkt den Sieg zugesprochen bekam. BoO war als einziger Spieler angetreten.
Ähnliches Desinteresse zeigen die deutschen Spieler, weder die WarCraft-Elite noch die Counter-Strike-Teams nahmen am europäischen Qualifikationsturnier teil. Grund könnte die wesentlich lukrativere und als auch leichter zu erreichende ESL Pro Series sein. Oder aber die Einbindung vieler Spieler wie einst auch mousesports’Roman in Schule, Ausbildung und Studium. Denn soviel wirft der Markt noch nicht ab, als dass sich die Teams leisten können, fünf Spieler auch für ein Jahr verlorener Zeit zu entschädigen. Ein sechswöchiger Auslandsaufenthalt passt nicht eben in die Herbstferien.
Auffällig ist, dass Teams antraten, die in ihren Heimatländer keine Liga vorfinden, die mit der deutschen EPS vergleichbar ist. x4team, x6tence oder Wings sind Beispiele für Teams auf der Suche nach einer internationalen Herausforderung. Bisher sind sie ein unbeschriebenes Blatt oder schlichtweg erfolglos, so dass wir uns weniger drum kümmern. Lediglich die namentlich etablierten Teams NoA und NiP sind auf einen Sieg unter allen Umständen aus, so dass man hier Spannung erwarten will. Beide Teams sind aber im Grunde unter denselben Umständen auf dem WEG-Qualifier: Sie suchen erste internationale Erfolge oder überhaupt erstmal eine Herausforderung.
Hier beginnt die Langweile, die doch spannend ist. Es mag interessant sein, ob NoA schlagkräftig genug ist, um wieder eine WEG zu gewinnen. Oder ob es Heaton nun geschafft hat, ein Weltklasse-Team zu formen. Doch im Grunde ist ohne deutsche Beteiligung die WEG so interessant, wie die afrikanische Fußballmeisterschaft: nämlich gar nicht. Es fehlt – bei allen Topteams und neuartigen Matchkonstellationen – doch ein Identifikationsfaktor. Der ESWC und die WCG sind spannender, weil immer ein deutscher Vertreter für uns ins Rennen geht. Wären also deutsche Gamer in Korea, könnten die Zuschauerzahlen hierzulande doch ziemlich in die Höhe schnellen. Für unsere Teams muss die WEG allerdings erst noch einen Anreiz schaffen, beispielsweise mit einer kürzeren Aufenthaltsdauer. Bis dahin langweile ich mich also weiter, in der Hoffnung, beim nächsten Event mit unseren Spielern mitzufiebern.