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The League of Extraordinary Gentlemen

Kaum hat sich mit der Auflösung von pro-Gaming das Streitthema der letzten Wochen erledigt, landet das nächste auf der Tagesordnung. Eine neue Liga platziert sich in der Szene und sorgt für Diskussionsstoff. Einem Preisgeld von 92.000€ stehen Teilnahmegebühren von bis zu 300€ pro Team gegenüber. Ein in Gesprächen überzeugend auftretender Geschäftsführer wird konterkariert durch eine amateurhafte Webseite.

Die drei großen deutschen Szeneseiten äußern sich durchaus unterschiedlich zu dem neuen Projekt. Mousesports verzichtet darauf, die ESBL zu einem journalistischen Thema zu machen und beschränkt sich auf die Mitteilung, dass das CS-Team an der Liga teilnehmen wird. readmore.de hält sich auch stark zurück und benennt in einer Analyse lediglich ein paar neue Aspekte des Themas und weitere Fakten.

Wesentlich spannender ist es, sich die Berichterstattung auf rushed genauer zu Gemüte zu führen. Leicht könnte der Eindruck entstehen, rushed habe ein Interviewmonopol im Fall ESBL. Einem Interview mit Geschäftsführer Alexander Anhuth letzten Donnerstag folgte gestern ein weiteres. Auch abseits von Interviews scheinen sich die Herren Anhuth und Scharping (Oberdichtcaker) gut zu verstehen, so unter Geschäftsführern, schließlich kooperiert man mit der „neuen Liga am Himmel des eSports“ bei einem FIFA Turnier, wenn man nicht gerade zusammen über readmore ablästert. Zwischenzeitlich ließ man noch begeisterte Clanorgas zu Wort kommen.

Herrn Anhuth kann die Aufmerksamkeit von rushed nur Recht sein. Dort scheint man sich über den Entdeckungscoup so sehr zu freuen, dass man jedes journalistische Feingespür über Bord wirft. Rudi und ich beobachten die ESBL schon seit Anfang September. Durch die noch deutlich amateurhaftere erste Webpräsenz und die instinktiv als zu hoch angesehenen Teilnahmegebühren fühlte ich mich spontan an den eSport-Verein erinnert, der letztes Jahr zuerst durchs Planetquake-Forum geisterte und schließlich als Kolumne von mir auf mymTw landete, die älteren Jahrgänge werden sich erinnern. Ich spielte sofort mit dem Gedanken, das Projekt im selben Stile auf die Schippe zu nehmen. Doch der omnipräsente Hinweis auf die Rechtsabteilung behob ein paar Gedächtnislücken. Der E-Sport-Verein wollte mymTw verklagen, der Artikel wurde offline genommen. Keine drei Monate später war die ESV Webseite offline, vom Projekt oder den zuvor eSport-unerfahrenen Verantwortlichen hat man nie wieder etwas gehört. Aus dem Plan, einen Clan mit 100.000 Mitgliedern bei 6€ Monatsbeitrag zu gründen, wurde nichts.

Aber den Kopf einziehen wollten wir dann doch nicht, von daher haben wir mit den Jungs von der ESBL Mitte September Kontakt aufgenommen. Schnell einigten wir uns auf ein Interview, ich schickte einen Fragenkatalog, der nur einen Bruchteil unserer kritischen Fragen enthielt, um ihnen keine Angst einzujagen. Das Interview, das zurück kam, war völlig unbrauchbar, alle Antworten waren in kunterbuntem Werbeton formuliert. Durch meine Signatur kam ein anschließender Telefonkontakt zustande. Kritischere Fragen besprachen wir also nun am Telefon. Da Alex ziemlich überzeugend rüberkam, habe ich ihn nun wirklich ernst genommen und mit meinen Bedenken konfrontiert. Selbiges gilt für die Gespräche die Rudi mit ihm geführt hat. Aufgrund von Rudis Anmerkungen wurden die AGB erst gründlich überarbeitet, auch wenn man das jetzt gerne anders darstellt.

Meine Bedenken hinsichtlich Organisation eines laufenden Ligabetriebs und vor allem bezüglich einem weitestgehend vollautomatischen Webinterface konnte er nicht ausräumen, aber er überzeugte mich davon, mit einer Story darüber zu warten, bis sie ein wenig mehr Feintuning betreiben konnten. Damals hieß es, man habe „momentan einige Angebote von renommierten Werbeagenturen aus ganz Deutschland, um für uns […] eine hochprofessionelle Page zu entwickeln.“ Das Resultat ist derzeit unter www.esbl.de zu begutachten. Die Werbeagentur, die offenbar den Zuschlag erhielt, gehört rein zufällig Alex‘ Bruder in Hamburg, wie wir seit dem gestrigen rushed Interview wissen.

Für diese Perle deutscher Webdesignkunst bot er mir zwei Tage vor Launch am Telefon exklusiven Betatester-Zugang an. Circa fünfzehn von Lobeshymnen auf die ESBL geprägte Minuten später rückte er dann mit seiner Bedingung raus. Wir sollten uns verpflichten, zum Launch einen Artikel auf readmore.de zu veröffentlichen. Der Nutzen für ihn lag auf der Hand, aber wo ist der Nutzen für uns? Wenn es was interessantes zu sehen gibt, berichten wir. Wenn nicht, dann nicht. Ich verzichtete also dankend, ging aber gerne auf sein Angebot ein, ihm nach Launch nochmal einen neuen Fragenkatalog zu schicken. Den bekam er dann auch zum Launch am 1. Oktober. Eine Antwort kam nicht, genausowenig wie auf die Telefonanrufe. Offenbar hatte man einen angenehmeren Weg in die deutsche eSport Presse gefunden.

  1. aaaRt #1
    Sehr interessanter Artikel, leider haben wir als Leser auch hier nur schweren Einblick, aber ich vertrau dem ganzen mal, da ich rm bisher als sehr seriös kennenlernen durfte. Ich fände es gut, wenn ihr eurer Linie weiterhin treu bleiben würdet, denn wir wissen alle, wie käuflich Presse ist und v.a. die freiwillige Presse, die ohnehin nicht entlohnt wird.

    mfg aaaRt
    otacon #2
    der artikel ist weltklasse

    musste herzhaft lachen

    steh zu deiner meinung, du bist nicht alleine!
    ceRone #3
    das mit dem iview auf rushed stimmt, von journalistischer objektivität ist da nichts zu sehen und das lästern über readmore wird bei rushed.de wohl auch bald standard werden...
    snach #4
    bissig :D , aba die esbl is der größte quatsch. eine liga muss reifen siehe esl.
    snach #5
    i.gaming > alle :D
    Cartman1 #6
    da habts euch anscheinend keine freunde gemacht^^

    aber schöner artikel..(die ironie fand ich sehr gelungen z.B) endlich mal wieder was anderes als pG

    das sein Bruder die seite gemacht hat würd ich ja ok finden, wenn sie wirklich gut wäre und das ist sie nun mal nicht. zu rushed steht ja alles im artikel..
    aaaRt #7
    Auch wenn das Geld real existieren würde, wäre eine Teilnahme für mich persönlich ausgeschlossen, da in den unteren Ligen die Cheatproblematik einfach zu gravierend wäre. Wenn es online um Geld geht, dann fangen sehr viele schnell an zu Cheaten. Nichtmal die ESL mit 9 Jahren Erfahrung und einem dazugehörigen guten AC-Team schafft es die Ligen sauber zu halten. Ich will gar nicht wissen, wieviele in der EAS cheaten ... allein, dass Teams wie Rhenium Gaming immer noch nicht aufgeflogen sind, finde ich schon übel! Was mich bei rushed wirklich gewundert hat, war, dass wirklich kein sog. "Manager" nichts Negatives sagen würde.

    mfg aaaRt
    BlindGuardian #8
    Wo lästern wir? Ich will genau die Wort von uns die über euch lästern. Go!
    #9
    Ich find diesen "kalten" Krieg zwischen readmore.de und rushed.de so sinnlos
    r4p #10
    kann ich nur zustimmen...teilnahmegebueren sind vll gerechtfertigt.. aber die seedings nicht!
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