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Das Koreatagebuch – first contact

Um schonmal die in der letzten Ausgabe meines Tagebuchs erzeugte Frage zu beantworten: Nein, ich bin nicht eingeschlafen. Ich bin zwar nicht unnatürlich aufgeregt, so dass das irgendwie ein Problem wäre. Nein, ich kann einfach nicht. Inzwischen ist es Tag geworden. Unter mir liegen die nördlichen Ausläufer des Himalaya mit ihren schneebedeckten Kuppen und schon bald überflattere ich China und das Gelbe Meer kommt in Sicht. Da! Korea! Die ersten, zerklüfteten vorgelagerten Inseln kommen in Sicht und meine Nervosität wächst. Was erwartet mich WIRKLICH hier? Werde ich überhaupt zum Hotel finden? Seoul hat ja nur 12 Millionen Einwohner…

Ein kurzes „Plopp“ später halte ich leider kein frisches Flens in meiner Hand, dafür ist die Maschine aber sicher gelandet und ich wandle durch die Flughafenhallen. Im Gegensatz zu Amsterdam bin ich jetzt so entspannt, dass ich fast das Gehen vergesse. Keiner erwartet mich irgendwann, was ich will zählt. Das ist doch irgendwie die Definition von Freiheit, oder? Der Flughafen ist sehr modern und vor allem unglaublich sauber. Draußen sehe ich einen Angestellten, der mit einer Greifzange ein weggeworfenes Stück Plastik aus den Beeten angelt. Mehr Müll wird er schwerlich finden. Inwieweit so eine sterile Umwelt erstrebenswert ist, sei jedem selbst überlassen.

Vor dem Flughafen finde ich auch sofort den Bus, der mich in die Seouler Innenstadt bringen wird und fahre auf dem Weg dorthin durch In’cheon, die Flughafenstadt. Hier herrscht eine rege Bautätigkeit, eine Bahnlinie mit den dazu passenden Mega-Bahnhöfen wird errichtet. Alles in dem üblichen, modernen Einheitsstil Glas/Stahl. An der Autobahn fallen mir vor allem diese riesigen Werbetafeln auf. Metallkonstruktionen, die anderswo gut als Fernsehturm taugen würden, werden hier nur für Werbezwecke in den Himmel erhoben. Oben kommt ’ne Tafel drauf und gut ist. Sogar eine für die WM 2006.

In den Vororten von Seoul fallen mir sofort die riesigen Mietskasernen ins Auge, aber nicht wie in Hamburg Ostdorfer Born 10 – 20 Stück nebeneinander sondern offenbar hunderte, weiße, hässliche Häuser. Allesamt im Übrigen gebaut von Samsung, die hier neben den auch in Deutschland erhältlichen Laptops, Handys, etc. auch nahezu alles andere herstellen.

Seoul selber ist ebenso riesig, ich fahre 30 Minuten durch die Stadt und alles ist irgendwie neu, aber doch ähnlich wie das zuvor gesehene. Dazu wirken diese riesigen Anzeige- und Werbetafeln mit koreanische Schriftzeichen einfach schon herrlich exotisch. Beim Hotel angekommen, stelle ich zunächst bei der Rezeption fest, dass doch kein Zimmer auf meinen Namen gebucht ist. Anruf bei der WEG, ich soll mit „Kim Hammar“ in ein Zimmer. Mit fnatic\SaSe also. Schaun wir mal, wie der so drauf is‘. Danach treffe ich Malte Wagener und geh‘ mit ihm und einem mir als „John“ vorgestellten Kollegen von ihm essen. Wir gehen in die COEX Mall (bzw. wir fahren mit dem Taxi, das kostet hier lächerlich wenig) und dort zu McDonalds. Ich nehme irgendwie so einen Chickenburger und der dauert erst mal überraschend lange. Meine Verwunderung löst sich, als ich damit ankomme und mir Malte gleich „Haha, bird flu burger“ entgegenruft. Daran hatte ich jetzt nicht gedacht, schmeckt trotzdem. John wird dann erstmal dummdreist gefragt, was er denn so macht hier. Während ich dann fröhlich mit ihm plappere unterbricht Malte mich auf Deutsch mit den Worten „Du weißt, dass das Vesslan ist?“ Ja, äh, natürlich, wer kennt sein Gesicht nicht? *hust* Nevermind….lol….afk….

Meine folgenden Erlebnisse mit den beiden Studios habe ich ja schon festgehalten, dazu kommt die Taxifahrt zurück. Zum Taxifahren braucht man entweder ein Ziel wie die COEX Mall, welches jeder kennt, oder eine kleine Karte, auf der das Ziel nicht nur auf koreanisch steht, sondern auch noch ein kleiner Plan aufgedruckt ist. In Seoul gibt es kein wirklich verlässliches System von Straßennamen und Hausnummern und so muss man es dem Taxifahrer entweder in fließendem Koreanisch beschreiben oder einen Plan reichen. Meine Wahl fiel mir da recht leicht. Als der ältere Taxifahrer dann den Plan jedoch erst sechs Mal in der Hand drehte und irgendwie seltsam planlos wirkte, fragte ich mich ernsthaft, ob man sich in Seoul überhaupt auskennen kann. Letztlich hat er es aber doch irgendwie geschafft und ich sitze nun im Hotel, habe Internet und surfe fröhlich durch die Welt. Mein erstes Laddergame auf Kalimdor war selbst ohne STRG-Taste auf dem Laptop erfolgreich und ich freue mich auf einige weitere Tage Korea. Ich bin nun 30 Stunden wach und gehe langsam schlafen, bis morgen.

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Bisherige Einträge:

Die Anreise

  1. timey #1
    Na das scheint ja ein einziges Kaos zu sein :) Hoffe du kommst auch immer überall an wo du hin willst und findest wenigstens heute abend mal dein Feierabend Bier :)
    terM #2
    Wieder n sehr netter Artikel :)
    s1m #3
    "Während ich dann fröhlich mit ihm plappere unterbricht Malte mich auf Deutsch mit den Worten „Du weißt, dass das Vesslan ist?“ Ja, äh, natürlich, wer kennt sein Gesicht nicht? *hust* Nevermind....lol....afk.... "

    Oh man, wie hammer genial :D
    Nowi #4
    wieder ein super artikel..

    ich glaub ihr habt den absolut richtigen redakteur nach korea geschickt...

    [edit]

    ich bin aber auch nur zufällig auf den artikel gestoßen, ich find ihn jedenfalls sehr schwer zu finden.
    eBunny #5
    „Du weißt, dass das Vesslan ist?“ Erinnert mich an die McDonalds Werbung mit Michael Ballack...
    chazz.de #6
    Tolle Arbeit Craven, macht Spass zu lesen, weiter so!

    #4 der Artikel ist wirklich etwas schwer zu finden.
    Craven #7
    wir wollen nicht jeden tag ne neue news für mein dummes tagebuch machen ;)
    Aktenverwalter #8
    Schließe mich den Lobhuldigungen an. Guter "Flow", usw! ;)
    yoh #9
    Nein, das ist es auch nicht wert. Alle wissen inzwischen wie tolpatschig du bist ; D
    deaLeR #10
    Cool!
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