Anlass für diese Niederschrift ist der am 18. November 2005 veröffentlichte Artikel von Spiegel ONLINE, dessen Überschrift „Oma Hardcore im God Mode“ sicherlich auch viele zum Lesen bewegt hat.
Dass sich auch Erwachsene ab und an mit einem Computerspiel auseinandersetzen müssen, ist nichts Neues. Der Unterschied liegt hier in der aktiven oder passiven Rolle. Viele Eltern kommen irgendwann in Konflikt mit den virtuellen Schauplätzen, wenn sich diese zwischen sie und ihre Kinder quetschen und diese in ihren Bann ziehen. Viel Streit und Gezeter, um vereinbarte Spielzeiten und Hausaufgaben, die möglichst zuerst erledigt werden sollen, sind oft die Folge. Aber ist es unseren Eltern überhaupt erlaubt, sich eine Meinung über ein Spiel zu bilden, dass sie selbst gar nicht kennen oder aber noch nie selbst gespielt haben? Der Einwand, dass die Computerspiele zuviel Zeit beanspruchen können, ist mit Sicherheit berechtigt. Im besten Fall kommt man zu einem Kompromiss, mit dem beide Seiten leben können. Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Dieser Streitpunkt soll hier aber gar nicht weiter vertieft werden.
Worum es vielmehr geht, ist der Gedanke, dass zunehmend auch Erwachsene aktiv an Computerspielen teilnehmen. Wer hat nicht schon mal ein Familienmitglied, dass nicht Bruder oder Schwester ist, beim Solitär oder Schachspielen am Computer erwischt? Schon hier zeigt sich eine kleine Abhängigkeit, „nur noch diese Runde, dann komm ich runter…“, die aber, sobald sie angesprochen wird, vehement abgestritten wird. „Das ist doch kein Vergleich!“, heißt es dann oft. Also ab welchem Punkt dürfen wir Vaters Schachspiel, mit unseren Computerspielen vergleichen?
Zuerst einmal müssen wir „Erwachsen“ näher definieren. Wenn ich also von Erwachsenen spreche, dann meine ich Personen die über das 35. Lebensjahr weit hinausgehen können. Schließt also das Beispiel aus dem Spiegelartikel mit Rentnern nicht unbedingt aus. In der Counter-Strike Szene werden Spielern die auf die 30 zugehen meist schon Kosenamen wie alter Hase, Opa oder Auslaufmodell verpasst. Selbstverständlich ist ein höheres Alter bei Computerspielern also nicht.
Zurück zu unserem Vergleich. Einfach ist es, wenn sich die betreffenden Personen mit den gleichen Spielbereichen wie wir beschäftigen. Nur dann können sie sich meiner Meinung nach auch ein Urteil zu dem Spiel bilden. Dazu fällt mir ein Beispiel aus dem Bereich „World of Warcraft“ ein. Vater und Sohn spielen beide, in derselben Gilde und sind begeistert davon. Wer WoW selbst spielt, weiß welche Suchtwirkung es auf die Spieler haben kann. Trotzdem wird es von beiden gespielt, ohne das es, nach Außen hin, größere Probleme gibt. Wenn man es richtig anstellt, könnte diese Situation zum positiven Fallbeispiel werden. Der Vater kennt das Spiel und die damit verbundenen, ich nenne sie mal, Risiken und kann die Spielzeit seines Sohnes somit optimal anpassen, sodass sich dieser trotzdem entsprechend auf seine Prüfungen oder anderen Aufgaben im Leben vorbereiten kann. So unternehmen die beiden, fernab vom vielleicht längst vergessenen Bolzplatz wieder jede Menge zusammen und es bereitet ihnen viel Vergnügen. Je nach Verantwortungsbewusstsein der erziehenden Person kann natürlich auch der umgekehrte Fall eintreten.
Aber könnte nicht genau diese Situation dazu führen, dass die Eltern eine größere Kontrolle über das haben, was ihre Kinder spielen? Wenn dem so seien sollte, könnte man in Deutschland vielleicht eine Regelung finden, nach der eine bestimmte Art von Spiel nicht grundsätzlich verboten wird, sondern von den betroffenen Eltern im eigenen Ermessen an ihren Schützlinge gegeben werden kann. Wem sein Kind am Herz liegt, der setzt sich vielleicht auch mal hin und konfrontiert sich selbst mit der Angelegenheit, über die in den Medien stets so negativ berichtet wird. Danach kann das Spiel immer noch in Einzelfällen für die Kinder direkt verboten werden.
Ich persönlich finde es gut, dass sich Menschen des mittleren Alters mit Computerspielen beschäftigen, sie sich ansehen, sie spielen und auch die Freude daran entdecken. Nachempfinden können, warum so viele andere Menschen sich in das gleiche Adventure stürzen und viele Stunden am Computer verbringen. Die Augen offen halten und sich auf die neuen Medien einlassen, anstatt sie zu verschließen und fest an ihrer Meinung anzuhalten. Ich wünsche mir außerdem für die Zukunft, dass der Trend von Menschen, die sich mit zunehmendem Alter trotzdem an Computerspiele heranwagen, weiter in diese Richtung geht und somit diesem Buhthema in Deutschland auf die Beine hilft.