Der Paukenschlag geht in Rente, es folgt der Mäuseschlag. Klotzen statt kleckern, zupacken statt einpacken. Mousesports kann sich eine Menge ähnlicher Phrasen auf den Bauch oder auf ihre Autogrammkarten drucken. Das Berliner Label fühlt, dass nun endlich ein Jahr des Durchbruchs nahe ist. Der dritte Platz reicht nicht mehr und wie sie ihre neuen Ziele erreichen wollen, haben sie 2005 deutlich gemacht. Im Frühjahr flogen sie US-Counter-Striker Hare nach Korea, im Sommer brachten sie ihren eigenen Koreaner in die WarCraft-Merc-Debatte und die WC3L ein und nun folgen ganz große Namen. Der hochgelobte Quaker und CPL-Sieger cooller aus Russland, sein Sprößling mikes und Schwede Z4muZ sind große Einkäufe, mit denen sich Mouz nun zum großen internationalen Player im eSport aufschwingen will. Die Anerkennung aus aller Welt verdanken sie vor allem aber ihrem Counter-Strike-Team, dem deutschen Dauerfavoriten und Rekordmeister. Eben jenem Team, dass sie jetzt in seiner Einheit gefährdet haben, wohl um für die Zukunft vorzubauen.
Direkt aus Norwegen kommt einer der bekanntesten Counter-Striker der vergangenen Jahre, Ola Moum, element. Der zuletzt sehr unglücklich umhergewanderte Spieler übernimmt die Ingame-Leitung im taktisch eingerosteten Team und soll nun richten, was Neo und seine nunmehr ehemaligen Kollegen nicht mehr schafften: innovativ, gar überraschend spielen. Doch in Deutschland wie auch im Ausland betrachtet man diesen Schritt mit viel Verwirrung, gar mit Angst um das deutsche Team. Die sonst so stabilen und beliebten Mäuse haben allerdings Blut geleckt und wollen den Erfolg auf Kraft. So nutzen sie die weltweite Anerkennung und stellen ein Roster mit Spielern aus aller Welt auf. Ganz die eSport Profis, die sie sein wollen, oblag diese Personalentscheidung praktisch alleine dem Management, Cengiz Tuylu in Persona. Kritisiert von den Verlierern.
Über Jahre hinweg hat der Erfolg im Innenland als auch die verlässliche Präsenz auf internationalen Events die Fan-Gemeinde von Mousesports wachsen lassen. Der Gewinn des eSport Awards 2005 für die beste deutsche Coverage ist neben der fantastischen Arbeit der Mäuse auch in diesem Kontext zu sehen. Eben so konnten Fanhandtücher, Autogrammkarten und Fernsehauftritte nach nur wenigen Jahren Realität werden. Mousesports ist nach dutzenden Monaten harter Arbeit nun dabei, Professionalität auszuleben. Sie stellen sich kaufkräftig die Teams nach ihrem Belieben zusammen, um so die maximalen Resultate zu erzielen. Die Kosten-Nutzen-Rechnung, populär durch NGL-Entscheidung von Freaks4u im vergangenen Sommer, zeigt sich auch hier. Das Battlefield2-Team, instabil und mit nur einem dritten Platz in der EPS, gibt den Berliner Support auf, ohne dass aus der Zentrale ein großes Murren zu hören ist.
Für den Erfolg entfernt man sich von der deutschen Basis, denn das internationale Konkurrenzfeld ist groß und in anderen Ländern ist man schon früher nicht so zimperlig gewesen. Noch ist man mit den Teams und dem Marketingaufwand tief in Deutschland verwurzelt, doch wenn Mouz auch international eine Rolle spielen will, müssen sie sich auch international orientieren. Was mTw mit ihrer durchgestylten, englisch-sprachigen Internetpräsenz vorleben wollte, muss dann zur Pflicht für sie werden und das kann dann so aussehen wie bei SK, inklusive bezahlpflichtigem Bonusmaterial. Fakt ist, dass der eSport zum Anfassen damit gestorben ist und die deutschen Fans unter den großen internationalen Plänen leiden werden.