„Jungs, hört mal auf mit TFC, ich hab hier was neues!“ – So oder so ähnlich haben wahrscheinlich viele CS Spieler Mitte 1999 mit diesem Spiel angefangen. Zwar gab es zu diesem Zeitpunkt schon einige Clans, OCRANA zum Beispiel ist älter, doch gerade CS-Clans mit Kultcharakter wurden eben in dieser Zeit gegründet. Aber wem sagen Clans wie „Kampfgruppe Hersfeld“, „Factor X“ oder „Essen auf Rädern“, um nur einige zu nennen, wirklich noch etwas?
Ein Problem ist der Wechsel und Wandel der Ligen. Zwar stehen in Deutschland, damals wie heute, noch CB und ESL nebeneinander, doch nur die alten Clanbase Daten sind noch vorhanden. Die ESL entwickelte sich ständig weiter, von der DECL zur ESPL, von dort zur heutigen ESL. So sind einige Jahre „CS Geschichte“ einfach verschwunden – und viele Clans haben quasi nie existiert.
Also was tun gegen das Vergessen werden? Ich kam gegen Ende der ESPL-Zeit zu „Essen auf Rädern“ – das ist ca. 4 1/2 Jahre her. Meine Stationen? Newsposter 😉 -> Spieler -> Teamchef 2nd -> Teamchef 1st -> Clanleader, um das kurz zu halten. Ich durfte also in die großen Fußstapfen meiner Vorgänger treten, die auch heute gerne nochmal einen „netten“ Spruch zum Clangeschehen äußern und deren Meinung immer noch zählt. Unser Ältestenrat ist allerdings in erster Linie froh, dass der Clan überhaupt noch existiert und dass jemand diese Aufgabe übernommen hat.
Doch wie hält man einen solch alten Clan am Leben? Leider haben sich nur wenige andere Clans aus dieser Zeit gehalten. Sie sind einfach aus dem Rampenlicht verschwunden!
Warum? Viele Clans wollten den Weg ins „pro-gaming“ nicht gehen. So sind nach und nach Spieler abgewandert, oft die Leistungsträger. Entweder konnte man die Spieler nicht halten, oder man wollte es einfach nicht. Heinerfest oder auch wir waren Fundgruben für die führenden Clans. So belieferten wir faculty einige Male, nebenbei gründeten ehemalige EaR-Ohren Clans wie fairlight und EFF. Wer sich trotzdem halten konnte hatte mit anderen Problemen zu kämpfen: Ein sich veränderndes CS.
Macmans Kolume beschreibt diese Veränderung eigentlich sehr gut, deswegen muss ich nicht weiter darauf eingehen. Wir sind also im „Heute“ angekommen. Und die Probleme hören nicht auf. Ich habe mir mindestens fünf mal gesagt, dieses Team wird das letzte für Essen auf Rädern, ich habe keinen Bock mehr. Allerdings war unser letztes Team das erste, das wirklich mangels Support wechselte. Die vergangenen Teams wurden eher durch WoW, Zeitmangel, oder einfach Differenzen in den Zielen des Teams geschlossen. Zum Glück gewöhnt man sich an alles, und der Druck durch die GameStar-Liga – wir schaffen es einfach nicht abzusteigen – ist dabei sehr hilfreich.
Nur wer spielt für einen oldschool Clan? Auch das ist ein großes Problem! Theoretisch will man, wie jeder Clan, starke, bekannte Spieler. Als oldschool Clan schöpft man aber auch gerne aus dem Pool der ehemaligen Spieler. INET Kiddies? Ein Tabu. Doch nach fast 7 Jahren hat sich der Name aufgebraucht. Zwar hatten wir selten einen Missgriff in der Teamwahl, doch unser Name kam nie zurück.
But the show must go on, und mittlerweile ist der Tabubruch perfekt. Wir versuchen den Spagat zwischen oldschool und newschool. Nicht nur, aber auch, durch Mangel an Interesse bekannter Spieler haben wir uns an jungen wilden Spielern bedient, manche mit fraglicher Vergangenheit. Jeder hat eine zweite Chance verdient, grade ein gefestiger Clan sollte auch darüber mal nachdenken.
Oldschool? Das sind wir immer noch. Aber man muss mit der Zeit gehen, das steht außer Frage. Man merkt es wunderbar am Ältestenrat, allesamt über 30. Founder und Leader. Ihr müsst wissen, unser Interner umfasst heute noch alle ehemaligen, die da drin sein möchten. Manchmal schmunzelt man schon, wenn sich die ältere Generation einem Gespräch anschließt:
AAZ|zoiss’na: und wenn du von der esl geboostet wirst, is das also nix gutes? ;]
Die Stimmung stimmt – und das ist nun mal extrem wichtig. Und damit die nicht sinkt, grade bei unseren CS-Kiddies, braucht man auch noch ein wenig mehr. Ich will ehrlich gesagt gar nicht wissen, wie lange ich hausieren gehen müsste, um einen Sponsor zu finden, der uns auch das gibt, was wir brauchen. Mal ehrlich, Bouncer sind schön, Webspace, nun ja, hat man, nur der Server ist wirklich zwingend notwendig. LAN Kosten, naja – elegante Lösung: Google Adsense – die Chance, dass das klappt ist zwar gering, aber wenn ja, dann fließt das Geld sofort zurück ans Team. Das wirklich nervige: Jeder Clan, gegen den wir in der EAS spielten – und verloren – hatte zumindest einen eigenen Server. Keiner dieser Clans existiert noch. Nicht einer. Und wir haben immer noch keinen Sponsor.
Allerdings hatte eine Firma jetzt Mitleid, ein bisserl betteln, ein wenig handeln und schon ist zumindest der Grundbedarf für den Spielbetrieb hergestellt, wenn auch nicht ganz umsonst. Das stimmt mich ein wenig hoffnungsvoll, dass wir die zehn Jahre noch voll bekommen. Vielleicht überleben wir ja sogar Counter-Strike.