Die Counter-Strike ESL Pro Series wird im Fernsehen ausgestrahlt und auch „eSport zum Anfassen“ dürfen wir dank den intel Friday Night Games in vollen Zügen quer durch Deutschland genießen. Es kommt noch besser. Völlig egal in welcher Stadt man ein iFNG besucht, spannende Begegnungen sind garantiert. Ob mousesports, alternate attax, Team64, SK Gaming oder Team Speed-Link, sobald es freitags dunkel wird steht eine Offline-Partie zwischen den Großen im eSport an.
Doch halt, wie viele Teams gab es noch gleich in der ESL Pro Series VIII? Acht? Zehn? Wenn man nur die Offline-Events vor Publikum sieht, könnte man schnell einen solchen Eindruck erhalten. Auf den zehn iFNGs bekommt man mousesports, alternate attax, Team Speed-Link und mTw nämlich gleich drei mal zu sehen. Auch SK Gaming, a-Losers und Team64 wurden zu zwei Events eingeladen. Aufsteiger und Teams aus dem Mittelfeld sieht man, außer DkH auf dem iFNG in Hamburg und ID Gaming in München, nicht.
„Ist doch klar, sind ja auch die Besten, die jeder sehen will“, denkt man sich ohne über die Situation nach zu denken. Aber ist diese Verteilung auch sportlich fair? Schließlich erhebt die ESL Pro Series den Anspruch ein sportlich fair ausgetragener Wettbewerb zu sein. Doch wie kann es dann möglicherweise zu folgendem Szenario kommen: Aufsteiger und in der Vorsaision im Mittelfeld platzierte Teams erhalten nur wenig Spielpraxis an gestellten Computern auf den fünf Offline-Events im Kölner Studio. Die etablierten Teams hingegen können sich durch die vielen iFNG-Teilnahmen daran gewöhnen, vor Publikum und an gestellten PCs ihr Können zu zeigen. Ohne diese Erfahrung ist es für die neuen Teams schwieriger, direkt maximale Leistung abzurufen, sofern sie es auf die Finals schaffen.
Verständnis für die Verteilung könnte man aufbringen, wenn die iFNGs demokratisch verteilt wurden, also nach Vorjahresplatzierung, wie zum Beispiel in der Fußball-Bundesliga die Fernsehprämien. Doch auch dies kann nicht der Fall sein, denn wie kommt es dann, dass SK Gaming auf zwei iFNGs zu sehen ist und alternate attax zu drei freitäglichen Events reisen darf, obwohl sie in der letzten Sasion schlechter platziert waren? Das ist weder demokratisch noch professionell und genau dafür steht eigentlich das „Pro“ in „ESL Pro Series“.
Nicht nur sportlich, sondern auch finanziell ist die Verteilung durch die 750 Euro Antrittsprämie und nicht bezifferbare zusätzliche Sponsoreneinahmen unfair gelöst. Langfristig führt diese Situation zu unnötig großen finanziellen Unterschieden. Diese würden in Zukunft die Etablierung in der Pro Series für „kleinere“ Clans und Neuaufsteiger schwieriger gestalten. Noch viel schlimmer: Ein einseitiges Teilnehmerfeld könnte die Pro Series in wenigen Saisons langweilig oder sogar inszeniert erscheinen lassen. Ganz zu schweigen von durch Neid hervorgerufene Streiterein, die es verständlicherweise bereits jetzt zwischen einigen Teams gibt.
Vielleicht sollten die Teams ohne iFNGs neue Wege einschlagen und ein paar falsche Cheater-Gerüchte streuen, um so in der nächsten Saison auf mehreren Offline-Events der ESL zu landen. Das wäre allerdings sehr traurig und soweit darf es im Interesse jedes EPS-Teilnehmers und der ESL niemals kommen. Deshalb sollte die zukünftige Verteilung der iFNGs noch einmal überdacht werden, um die sportliche und finanzielle Gleichbehandlung der Teilnehmer zu sichern.