Inhalt
„The Cheat Report“ ist eine fiktive Dokumentation, im Filmjargon liebevoll Mockumentary genannt. Sprecher Joachim Kerzel, bekannte deutsche Synchronstimme, führt den Zuschauer von der Vergangenheit in die Gegenwart des Cheatens. Er zeichnet das Schreckensbild einer Untergrundbewegung von Cheatern, die die ehrbare Spielerszene unterwandert haben. Anonymisierte Aussteiger, schmierige Cheatverkäufer, finstere Rituale – Kriminelle Machenschaften bis hin zum Satanismus werden aufgedeckt. Zwischen Fiktion gibt es auch viele Fakten, wie eine visuelle Erläuterung der gängigsten Cheats in Counter-Strike. In zahlreichen Interviews wird diese Mischung offenbar, eSportler wie quick oder das CS-Team von plan-B spielen sich selbst, offenbaren aber durchaus Sinn für Humor.
Kurzkritik
Was Regisseur Daniel P. Schenk aus einer sicherlich simplen Idee mit seinem beschränkten Budget herausholt, ist sensationell. Die Laienschauspieler vollbringen unter seiner Leistung kleine Wunder, die Stimme von Joachim Kerzel kann wunderbar als Ersatz für Egon Hoegen (Siebter Sinn, Staplerfahrer Klaus) durchgehen. Durch abwechslungsreiche Locations und zahlreiche, aber unaufdringliche visuelle Spielereien entsteht während den 50 Minuten Laufzeit nie Langeweile, das Ende kommt eher überraschend schnell. Schenk beweist ein gutes Auge für Einstellungen und Schnitt. Dass er sich fleißig in der Filmgeschichte bedient kann man ihm kaum vorwerfen, was der Film erreichen will macht er gut. Da lassen sich auch vereinzelte Peinlichkeiten des Drehbuchs verschmerzen. Wer mit Kurzfilmen von Nachwuchsfilmern vertraut oder offen für filmische Einflüsse aller Art ist, sollte sich „The Cheat Report“ nicht entgehen lassen. Überkritische Geister dürften allerdings keine Freude daran haben.
Allgemeines zum Film
Bevor ich en Detail auf einzelne Szenen eingehe, möchte ich ein paar allgemeine Dinge zum Ausdruck bringen, was auch durch das Vermarktungskonzept des Films bedingt ist. Seinen Film gegen Geld im Internet anzubieten ist keinesfalls eine moderne Form von Raubrittertum, sondern ganz im Gegenteil der neuste Trend in der Filmindustrie. Regisseur Steven Soderbergh (Traffic, Ocean’s Eleven) gilt als Trendsetter, weil er seinen letzten Film „Bubble“ parallel zum Kinostart auch im Internet zum Verkauf anbot. Qualität hat ihren Preis, auch im Internet. Anders als bei Soderbergh, der eine große Diskussion auslöste, sollte der Faktor Vertrieb bei der Beurteilung dieses Films keine Rolle spielen, denn ein Pilotprojekt ist „The Cheat Report“ in einer ganz anderen Hinsicht.
Der Film macht vor, wie man eSport-Thematiken in klassische Filmgenres einbetten kann, ohne dass das Ergebnis billig oder übermäßig peinlich wirkt. Über die komplette Laufzeit werden der Grundidee Cheaterdoku immer neue Aspekte entlockt. Am laufenden Band wird Gamersprache verwendet, das zeugt von Selbstbewusstsein. Der Film versucht nicht seine Herkunft zu verschleiern und greift wissentlich running gags oder Szenewörter auf. Das gelingt meistens, auch wenn sich die älteren Schauspieler bei allzu zungenbrecherischem CS-Slang sichtlich schwer tun. Und so gelingt das gewagte Experiment, einen echten Kurzfilm zu drehen, der sich eben – fast zufällig – um Counter-Strike dreht.
Das liegt auch daran, dass sich Daniel Schenk eng an Genrekonventionen orientiert. Die Form der Mockumentary erlaubt viel Gestaltungsspielräume, bedarf aber auch Liebe und großen Zeitaufwand in der Ausschmückung der fiktiven Welt. Je realistischer eine noch so absurde Szene rüberkommt, desto größer ist der Spaß beim wissenden Zuschauer. Dabei hilft auch die Unterfütterung mit Fakten, die parallel zu ausgespielten Szenen in Animationen und Skizzen erfolgt. Die Grenze zwischen Fakt und Fiktion verschwimmt zunehmend, während das eigentliche Geschehen immer surrealer wird. Die Welt, die Schenk zeichnet, ist reich an Details und bietet erstaunliche Akuratesse in der Ausgestaltung. Die allen Filmklischees entsprechende Darstellung eines „Cheatdealers“ enthält trotz ihrer Absurdität erstaunliche Tiefe, zumindest ein Funken Realität ist immer dabei, meistens wesentlich – und erschreckend – mehr. Das trifft vor allem auf die Visualisierung der Cheats zu, die perfekt in die laufende Handlung eingebettet ist. Schenk folgt den Konventionen konsequent bis zum frenetischen Ende, das einen im Stile von „Mann beißt Hund“ oder „Staplerfahrer Klaus“ verstört und durchaus fragend zurücklässt.
Auch dank der guten schauspielerischen Leistungen und der zahlreichen handwerklichen Meriten hat „The Cheat Report“ es sich verdient, als Kurzfilm ernst genommen zu werden. Wer Interesse hat, sollte die 3,50€ auf www.thecheatreport.com investieren. Man muss es wie einen Kinobesuch nehmen, man schaut sich den Film nicht nur an, weil er gut ist, sondern auch damit man mitreden kann. Und es gibt genug Gesprächsstoff, der eine ausführliche Kritik rechtfertigt.
Ausführliche Filmkritik von „The Cheat Report“ (enthält Spoiler)