Der 17-jährige Amerikaner Jonathan ‚Hunter‘ Newsham aus Citrus Heights ist ohne Zweifel der Star des amerikanischen WarCraft-3-Squads von verGe Gaming. Nachdem er im Vorjahr als Kandidat für den MVP-Titel der WC3L nominiert wurde, war er in dieser Saison bislang an elf von 20 Punkten der Nordamerikaner beteiligt und ist somit Leistungsträger von verGe. Vor der Begegnung gegen NiP-Gaming stand der Random-Spieler readmore.de zu einem Interview zur Verfügung, in dem er über den bisherigen Saisonverlauf, seine Rolle im Team und eventuelle Ambitionen für einen Wechsel spricht.
readmore.de: Mit 17 Punkten liegt verGe derzeit auf dem neunten Platz. Bist du mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?
Jonathan ‚Hunter‘ Newsham: Wenn ich meine eigene Leistung betrachte, bin ich eigentlich ganz zufrieden, auch wenn ich vielleicht einige Spiele/BO3s mehr hätte gewinnen können und lieber einen 2on2-Partner hätte mit dem man mehr trainieren kann (grinst). Von unserer bisherigen Punkteausbeute bin ich auch recht angetan. Ehrlich gesagt habe ich vor der Saison sowieso nicht damit gerechnet, dass verGe in dieser Saison einen der Top6-Plätze belegen kann, vor allem bei Gegnern wie 4K, mYm, SK, usw. Schließlich besteht unser Team aus Spielern, die ihren Zenit noch lange nicht erreicht haben. Mit mehr Erfahrung in Liga-Spielen sollten wir, meiner Einschätzung nach, in der Zukunft besser abschneiden können.
readmore.de: Ihr konntet in dieser Saison einige überraschende Siege erringen, wie beispielsweise gegen mousesports und vor allem gegen play.it. Wart ihr selber überrascht, dass ihr das – bis dato – Überraschungsteam der Saison, schlagen konntet? Wie hat das Team auf dieses Ergebnis reagiert?
Hunter: Na ja, wir waren natürlich glücklich über den Sieg, was wir, meiner Meinung nach, bei jedem Sieg sein sollten. In das Spiel gegen play.it gingen wir lediglich mit der Hoffnung so viele Punkte wie möglich erreichen zu können, und gingen vor allem nach plays Sieg über 4K(ohne Grubby) als Außenseiter ins Spiel. Aber ich denke, dass dieser Sieg uns aufgeweckt hat, und uns zeigte, dass nichts unmöglich ist. Wir müssen nur weiter trainieren und an unseren Schwachpunkten arbeiten.
readmore.de: Mit NiP, fnatic und SK warten am Saisonende drei schwere Gegner auf euch. Wo siehst du verGe am Ende der Saison?
Hunter: Wir hatten eigentlich gehofft uns am Ende den sechsten Platz holen zu können, aber momentan sieht es so aus, als würde es dafür nicht reichen. Ich denke wir werden versuchen so viele Punkte wie möglich zusammen zu sammeln, um einen respektablen Platz und eine gute Ausgangposition für die Playdowns zu erreichen. Aber man weiß nie was noch passieren könnte.
readmore.de: Denkst du ihr könnt die Playdowns erfolgreich überstehen?
Hunter: Ja, da bin ich recht zuversichtlich. Ich denke wir können jedes Team, auf das wir in den Playdowns treffen würden, besiegen.
readmore.de: Reden wir über dich persönlich. Nachdem du im Vorjahr für den Titel des MVP nominiert wurdest und in dieser Saison neun von 17 Punkte für verGe gesammelt hast, sollte es nicht übertrieben sein, dich als Leistungsträger von verGe darzustellen. Siehst du dich selbst als Star des Teams?
Hunter: Ehrlich gesagt, und ohne überheblich klingen zu wollen: Ja ich sehe mich in der Tat als Leistungsträger von verGe, ohne den anderen Spielern irgendetwas absprechen zu wollen. Meiner Meinung nach brauchen unsere Spieler einfach mehr Liga-Erfahrung und dabei hilft diese WC3L-Saison natürlich. Da wir nebenbei zudem in der AHL und WPL aktiv sind, werden sie sich weiterentwickeln können. Ich bin nur hier um ihnen den Weg aufzuzeigen (grinst). Ich sehe verGe als ein Team, dass das Potential hat, in Zukunft wirklich großes zu leisten und bin mit den bisherigen Leistungen durchaus einverstanden (speziell mit Phreaks/Rainmans)
readmore.de: Hast du je darüber nachgedacht das Team zu wechseln? Würdest du zu einem anderen Team wechseln, wenn verGe aus der WC3L absteigt?
Hunter: Ehrlich gesagt habe ich durchaus darüber nachgedacht das Team zu wechseln, auch wenn es mir schwer fallen würde, da ich mich mit meinen Teamkameraden sehr gut verstehe und zudem ein guter Real-Life-Freund von mir ebenfalls im Team ist. Wenn mir ein bekanntes Team jedoch ein gutes Angebot machen würde, würde mich das durchaus sehr nachdenklich machen.
Ich muss außerdem sagen, dass das einzige was mich bei WarCraft 3 hält die WC3L ist. Würde verGe aus der WC3L ausscheiden, würde ich absolut keine Motivation mehr finden zu spielen und müsste mir dementsprechend ein neues WC3L-Team suchen.
readmore.de: Hast du denn bisher Angebote erhalten?
Hunter: Ja, mir wurden durchaus einige Angebote von anderen Teams unterbreitet, bislang war jedoch nichts dabei, dass mich dazu bewegen könnte verGe zu verlassen.
readmore.de: Eine weitere Tatsache, die dich zu etwas besonderem macht, ist deine Fähigkeit mit allen Rassen auf Top-Niveau zu spielen. Wie kam es dazu?
Hunter: Beim spielen und zu beginn von TFT wechselte ich ständig die Rasse. Ich hasse es einfach, dass jede Rasse einige extrem schwache Matchups hat. Deshalb tat ich das einzige, was ich tun konnte um dieses Problem zu umgehen: Ich trainierte mit alle Rassen. Welche Rasse ich spiele hängt also davon ab, welche Rasse mein Gegner spielt und auf welcher Map das Match stattfindet.
readmore.de: Man sieht dich jedoch eher selten als Nachtelf. Kommst du mit dieser Rasse nicht so gut klar, oder hast du sie bislang nicht „gebraucht“?
Hunter: Ich bin ehrlich gesagt nicht zu 100 Prozent zufrieden damit, wie ich die Rasse Nachtelf beherrsche. Gegen Menschen-Spieler komme ich zwar ganz gut klar, und logischerweise funktioniert es auch gegen Orcs ganz anständig. Für die WC3L reicht mein Nachtelf-Skill meiner Meinung nach aber noch nicht aus. Sowohl mit Menschen als auch mit den Orcs komme ich sehr gut klar und auch mit den Untoten kann ich – Hero-Nuke imbalance sei Dank – einige Matches gewinnen, aber bei den Nachtelfen bin ich mir da nicht so sicher.
readmore.de: Als Mitglied eines von nur zwei amerikanischen Teams in der WC3L, sollte dir das Thema „lag“ durchaus bekannt sein. Wie stehst du den Verbindungs-Problemen mit Amerikanern, Europäern und Asiaten gegenüber?
Hunter: Naja, in der WC3L läuft das mit dem Hosten recht fair ab, und auch die Möglichkeit den GG-Client zu nutzen hat in dieser Saison einige Probleme behoben. Gegen koreanische/chinesische Spieler kann ich mit geschickter Host-Auswahl nahezu lagfrei spielen. Auch gegen Europäer läuft es mittlerweile ziemlich gut, da es eine Menge guter Hosts gibt. Beim Match gegen ToD am Mittwoch war der Host beispielsweise aus Europa, aber ich hatte maximal eine Sekunde lag – was meiner Ansicht nach durchaus gut spielbar ist.
readmore.de: Denkst du also, dass der GG-Client überhaupt notwendig ist? Wie stehst du diesem Programm grundsätzlich gegenüber?
Hunter: Es ist eine gute Sache, den GG-Client nutzen zu können, wenn es Not tut (WENN ER DENN FUNKTIONIERT), aber bislang ist das Programm einfach noch viel zu unzuverlässig. Wenn sie ihn 100-prozentig stabil hinbekommen, und Bugs, wie das Abstürzen von Spielen beim Disconnect eines Zuschauers beheben, wird es vermutlich viel besser laufen. Mein drittes Spiel gegen ReMinD (Details) lief zum Beispiel eigentlich ziemlich gut: Ich hatte früh im Spiel einen Tower Rush versucht, der ziemlich erfolgreich verlief – bis ein Observer disconnected ist und damit ein Regame erforderlich machte, welches den Ausgang des Spiels komplett veränderte.
readmore.de: Würdest du sagen, dass manche solche Abstürze mit Absicht herbeirufen um ein verlorenes Match noch zu gewinnen, oder vertraust du allen Gegnern, dass sie in keinster Art und Weise cheaten?
Hunter: Auch wenn ich mir sicher bin, dass solche Dinge wie das absichtliche Abstürzen-lassen von Spielen oder Ventrilo-vorsagen leicht machbar sind, vertraue ich diesbezüglich allen WC3L-Spielern. .
readmore.de: Lass uns zum Abschluss noch auf den Zwischenfall im Spiel zwischen mTw und verGe zu sprechen kommen: Die deutsche Community war ziemlich unzufrieden mit dem dritten Match zwischen Virus und Protois, bei dem es zu einem Regame kam, nachdem Protois sich einige Vorteile erarbeitet hatte. Nachdem mTw die Chance hatte sich dazu zu äußern: Was ist deiner Meinung nach geschehen?
Hunter: Okay, meiner Meinung nach kann man, wenn man bedenkt, dass der Lag begann, als der finale Kampf startete, die Vorkommnisse während dieser Schlacht quasi komplett außen vor lassen. Zur grundsätzlichen Situation während des Spiels: Virus hatte vier Spirit-Tower und eine ordentliche Armee mit Fiends. Er hätte seine Basis problemlos halten können und danach neue Einheiten nachbauen können, da er 1400 Gold zum Zeitpunkt des Disconnects hatte. Zudem kämpften sie in Virus‘ Basis, wo, wie ich schon sagte, vier Spirit-Tower, die Schwarze Zitardelle und ein Nerubian-Tower standen, die Virus beim Kampf unterstüzt hätten. Protois‘ Kombination von Ghuls und Gargoyles hätte zudem Probleme gegen Virus‘ Fiends mit Web-Upgrade bekommen. Und auch wenn Protois in der Tat mehr Supply hatte als sein Gegner, muss man bedenken, dass er noch einige Einheiten in der Queue hatte, die ja auch zum Food-Count zählen, genau wie seine Worker. Zudem hatte Protois fast kein Gold mehr, während Virus, wie erwähnt, davon mehr als genug hatte und somit in der Lage gewesen wäre, schnell auf die Supply-Zahlen von Protois aufzuschließen, zum Beispiel mit einer Armee aus Fiends und Destroyern. Die Fiends hätten hierbei die Gargoyles webben können, während die Destroyer leichtes Spiel gegen die Ghuls gehabt hätten. Meiner Meinung nach war das Spiel noch nicht vollkommen entschieden, und die Admins sahen es genauso, da sie für ein Regame sorgten. Ich weiß, dass Virus nicht viel davon hält Default-Wins zu kassieren und ein Regame wollte. Meiner Meinung nach war es dann einfach ein Fehler von Protois im Wiederholungsspiel die Menschen zu wählen, da diese gegen Untote doch enorme Probleme haben. So sehe ich die Geschichte, nachdem ich mir das Replay fünf oder sechs Mal angesehen habe.
readmore.de: Kannst du mTws Ärger über den Vorfall und ihre Sicht der Dinge denn verstehen?
Hunter: Ich verstehe zwar mTws Ärger, aber man muss einfach sagen, dass das Spiel noch nicht zu 100 % sicher entschieden war, was bei einem Disconnect ja nötig ist um einen Default-Win zu erhalten. Und deshalb finde ich es schwachsinnig, dass alle deutschen Fans sagen, dass verGe ‚bad mannered‘ sei, weil sie Protois nicht den Sieg geschenkt haben. Wenn Virus mir sagt, dass er glaubte das Spiel noch gewinnen zu können, dann unterstütze ich ihn, denn ich habe ihn schon so manch verloren geglaubtes Spiel noch gewinnen sehen.
readmore.de: Wie hat dieser Vorfall euer Verhältnis zu mTw beeinflusst?
Hunter: Ehrlich gesagt unterhalte ich mich mit den meisten Teams nur wenn ich gerade gegen sie spiele oder sie während anderer Matches online sehe. Ich habe allerdings ein wenig Respekt für Tak3r verloren, nachdem er sich so benommen hat, wobei ich absolut verstehen kann, wieso er so verärgert war.