Nein, er gibt nicht auf. Er kämpft. Um das Überleben seiner Firma. Um eine im eSport weltweit anerkannte Marke. Um die Vorherrschaft im eSport. Angel Munoz macht mit seiner CPL in den letzten Tagen mit neuen Turnieren rund um den Globus von sich reden.
Ein kurzer Rückblick: Anfang des Jahres schien die Zukunft des weltweit bekanntesten Turnierveranstalters im eSport ungewiss. Zuerst sickerte durch, dass die CPL ihre beiden Hauptsponsoren Intel und Nvidia verliert, anschließend wurden die World Series of Video Games angekündigt, die nun anstelle der CPL eine weltweite Turnierserie in Angriff nehmen. Kurz darauf gab die CPL bekannt, ein offizieller Partner der WSVG zu werden und das Summer-Turnier als ein Stop der World Series bereitzustellen. Als eine bislang beispiellose Partnerschaft im eSport, die einen großen Schritt für die Community bedeutet, beschreibt Angel Munoz höchstpersönlich die neue Kooperation zwischen WSVG und CPL.
In einem Interview mit GotFrag wurde schnell deutlich, wer Senior- und wer Juniorpartner in dieser Partnerschaft ist. Kurz nach der Veröffentlichung wurde das Interview offline und eine halbe Stunde später mit überarbeiteten Antworten wieder online gesetzt. Anstatt wie angekündigt mehr Klarheit zu schaffen, verwies Angel Munoz im zweiten Ansatz lieber darauf, die WSVG direkt zu fragen. Hier schienen dem Seniorpartner die Antworten des Juniors nicht zu schmecken.
Die CPL tat anschließend alles, um seine gesicherte Zukunft unter Beweis zu stellen. So kündigte man prompt die CPL Winter 2006 an, wohlgemerkt in dem Hyatt Regency in Dallas, das man aufgrund des mangelnden Platzes eigentlich nicht mehr nutzen wollte. Abseits der Termine fehlte es vor allem an Preisgeldern und Partnern, die das Turnier mitfinanzieren sollen. Von einer Kooperation mit der WSVG wie bei der CPL Summer war hier bislang nicht die Rede.
In den vergangenen Tagen setzte die CPL zu einer weiteren Pressekampagne an. Anstatt mit einem Mal die neuen CPL-Partner in China, Australien, Chile und Brasilien anzukündigen, veröffentlichte man im fast täglichen Rhythmus eine neue Pressemitteilung. Ziel war offensichtlich, möglichst häufig und hoch frequentiert in die eSport-Schlagzeilen zu kommen – ein Lebenszeichen zu übermitteln.
Hinter dem Ganzen steht offenbar eine neue Lowbudget-Strategie. Die CPL vergibt Lizenzen an lokale Veranstalter, damit diese CPL-Turniere in ihren Heimatländern veranstalten. Das spart vor allem Kosten, selbst wenn dabei ein gewisses Maß an Kontrolle abgegeben werden muss. Anders als bei den früheren CPL-Qualifikationsturnieren besitzen die Lizenzpartner eine größere Selbstständigkeit und veranstalten sowohl Qualifikations- als auch Mainevents. Die Reichweite und Bekanntheit der CPL wird so ausgebaut, ohne dabei immense Kosten zu verursachen. Hilfreich bei diesen Schritten sind mit Sicherheit die umfangreichen Kontakte der CPL, die im Laufe der Jahre weltweit entstanden sind.
Was ist aber nun mit der groß angekündigten Partnerschaft zwischen CPL und WSVG? Die ist mit großer Wahrscheinlichkeit gestorben, bevor sie überhaupt richtig angefangen hat. Die neuen Lizenzpartnerschaften der CPL verdeutlichen, dass sich Angel Munoz erwartungsgemäß nicht der WSVG unterordnet, sondern lieber am Wiederaufbau des eigenen Imperiums bastelt. Ergo scheint die Kooperation bei der CPL Summer nur ein Zwecksbündnis zu sein. Die WSVG brauchte ein attraktives Turnier und die CPL offenbar dringend einen finanzkräftigen Partner. Großspurige Pressemitteilungen sind eben doch nur eine Aussage über den Moment.
Wenn die CPL tatsächlich der WSVG den Kampf ansagen will, dann spielt die Zeit eine besondere Rolle. Denn sofern sich die WSVG in der Szene etablieren können, wird es schwer für die CPL sein, sie wieder vom Markt zu drängen. Die breit gefächerten Ankündigungen über die neuen Partnerschaften passen dabei optimal ins Schema, denn sie erinnern die Szene an die einstige Bedeutung der CPL. Um aber einen Kampf gegen die WSVG und Intel aufnehmen zu können, benötigt die CPL noch einen finanzkräftigen Partner. Und der muss erst einmal gefunden werden.
Sicher bleibt vorerst also nur: Angel fighting!