Name: Michael Haenisch
Nick: Micha
Alter: 25
Firma: Freaks 4U
Aufgaben: Projektleiter Gamesports, ehemaliger Projektleiter NGL, Turnierleiter ESWC-Qualifikation Deutschland
readmore.de: Wie ist dein Fazit nach dem ersten Online-Qualifikationsturnier zur ESWC-Qualifikation?
[F4U]Micha: Der erste Onlinequalifier des ESWC Germany 2006 verlief zu unserer Zufriedenheit. Die Turniere waren gut gefüllt, aber bis auf das Pro Evolution Soccer Turnier nicht ausgebucht. Die Schiedsrichter haben die Turniere sehr fair, aber auch sehr streng geführt. So konnten wir die Zeitpläne mit wenigen Ausnahmen einhalten, wie sie angesetzt waren. Leider kam bei einigen Spielern häufiger der Eindruck auf, dass sie das ESWC-Regelwerk nicht gelesen hatten. Ich denke, dass gerade auch deshalb so viele Ermahnungen ausgesprochen werden mussten.Für das erste Turnier sind wir jedoch mit dem Gesamtergebnis sehr zufrieden und glauben auch, dass der Großteil der Teilnehmer auf seine Kosten kam.
readmore.de: Ihr habt für das Turnier das Reglement des ESWC angewandt. Eine Besonderheit hieran sind Verwarnungen, die von den Schiedsrichtern ausgesprochen werden können. Wie läuft dies genau ab?
[F4U]Micha: Artikel 7 der ESWC Regelwerke beschäftigt sich mit Regelverstößen. Verwarnungen können entsprechend Artikel 7.04 beispielsweise ausgesprochen werden, wenn Teilnehmer Aufforderungen der Turnieroffiziellen nicht nachkommen, sich herablassend verhalten, beleidigend gegenüber Turnierbeteiligten werden oder sich unsportlich Verhalten. Gemäß Artikel 7.05 wird festgelegt, wann ein Spieler vom Turnier ausgeschlossen werden kann.
Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn Teilnehmer mehr als einmal verwarnt werden, wenn sie des Betrugs oder der Übervorteilung schuldig sind, Turnieroffizielle täuschen oder hinters Licht führen, nicht gemäß des Turnierzeitplans anwesend sind oder gegen einzelne Punkte des Regelwerks verstoßen. Wir haben uns deshalb für den Onlinequalifier dazu entschieden, für die Teams bzw. Spieler ähnlich dem Fußball gelbe, gelb-rote und rote Karten zu vergeben, falls sie gemäß den genannten Punkten einen Regelverstoß begehen würden. Da es sich hierbei um die Qualifikation zur Weltmeisterschaft der Computer- und Konsolenspiele geht, haben wir im Vorfeld zudem angekündigt, die Regeln hart durchzusetzen und gerade Beleidigungen gegenüber Mitspielern und Turnieroffiziellen direkt zu ahnden.
readmore.de: Die Anwendung dieser Regeln führte zu einigen Protesten, die mehr oder weniger Erfolg hatten. Worauf führst du diese Häufung zurück?
[F4U]Micha: Proteste gehören für die meisten Schiedsrichter wohl zum Ligageschehen. Man sollte dazu sagen, dass es diese Proteste nur im Counter-Strike-Turnier gab. Wir haben am Anfang eine Grundsatzentscheidung fällen müssen, ob sich der ESWC Germany auf Entscheidungen anderer Ligen beruft und so z.B. in anderen Ligen gesperrte Spieler nicht zum Turnier zulässt.
An der Stelle wurde entschieden, dass man sich nicht auf einzelne Organisationen berufen sollte, da es leider keine gemeinsame Datenbank gibt. So wurden besonders viele Proteste deshalb laut, weil sich Teams in Spielen betrogen fühlten und der Meinung waren gegen cheatende Teilnehmer angetreten zu sein.Die Vorwürfe haben wir alle auf der Seite des ESWC Germany aufgelistet, wie auch alle getroffenen Entscheidungen, da wir einen transparenten Ablauf gewährleisten wollen.
Solch eine Häufung erlebt man selten, wenn man nur mit eingeladenen Teams spielt. Ich denke, dass die professioneller spielenden Teams sich zum einen nicht so schnell dazu hinreißen lassen Protest einzulegen und zum anderen auch viel mehr Turnierroutine haben, an solchen großen Events teilzunehmen. Veranstaltet man ein für alle Teams kostenfrei zugängliches Turnier bei dem es um so viel geht, sind die Erwartungen und der Druck meist sehr hoch. Ist man daran nicht gewöhnt, versucht man seinen Gefühlen und seinem Unmut schneller freien Lauf zu lassen, in der Regel über unüberlegte Äußerungen und Proteste. Beides hat uns an diesem Wochenende viel Arbeit bereitet.
Hinzu kommt, dass man in der Erwartung gegen ein Team zu spielen, welches in einer anderen Liga gesperrt ist, natürlich auch sehr viele Situationen anders einschätzt als ein unbedarfter Mitstreiter, der seinen Gegner nicht kennt. So waren die meisten Proteste nicht von Fakten, sondern von Geschichten und Vorwürfen geprägt, die mit dem Turnierablauf wenig zu tun hatten.
readmore.de: Das Team klimax fiel durch diverse Proteste auf. Worum ging es da im einzelnen und wie waren eure Reaktionen darauf?
[F4U]Micha: Nachdem am Samstag klimax erst einmal todi von den a-Losers beschuldigt hatte, dass er durch zu seinen Gunsten veränderte Settings nicht sauber gespielt hätte, ging es am Sonntag nur noch um Proteste gegen klimax. Die verschiedensten Spieler von klimax sollen gecheatet haben. Wir haben uns zu den betreffenden Matches Timetables angefordert, damit wir die Spielsituationen nachprüfen können. Die Auswertung der Szenen führte zu keinem eindeutigen Ergebnis, weshalb wir „im Zweifel für den Angeklagten“ entschieden haben und klimax im Turnier ließen. Wir haben daraufhin jedoch das Team klimax stärker beobachtet, so zum Beispiel mindestens einen Schiedsrichter auf den Server geschickt und einen Schiedsrichter im Voicetool von klimax gehabt um die Teamkommunikation mitzubekommen. Unter der verschärften Beobachtung spielte das Team weiterhin so auf, wie auch in den vorhergehenden Spielen. Wir konnten nicht feststellen, dass sich die Spieler durch Cheats einen Vorteil verschafft hätten. Als Schiedsrichter sehen wir uns in der Pflicht neutral aber verantwortungsvoll zu entscheiden und das haben wir nach bestem Wissen und Gewissen im Rahmen unserer Möglichkeiten getan.
readmore.de: Die a-Losers zogen mit einem Default Win aus dem Consolation Finale in das Overall Finale ein. Wie kam es hierzu?
[F4U]Micha: Die Begegnung Klimax gegen role-model hätte eigentlich den Gegner für die a-Losers stellen sollen. Im Spielverlauf zwischen den beiden Teams kam es zuerst zu einem Unentschieden, danach gewann klimax in der Overtime. Nach dem Spiel legte role-model Protest ein, da ein Spieler von klimax in einer 1on1 Situation in das gegnerische Team wechselte.
Deshalb entschieden die Schiedsrichter gemeinschaftlich, dass für einen unerlaubten frühzeitigen Rundenwechsel den Jungs von klimax eine Runde abgezogen wird, die dem Team role-model zugesprochen wurde. Somit lautete das Endergebnis 16:14 für role-model. Auf Basis des Spielergebnisses war klimax also aus dem Turnier ausgeschieden. Das Team role-model bekam im Spiel gegen klimax eine gelbe Karte für beleidigende Ausdrucksweise gegenüber dem gegnerischen Team. Im Protestverfahren erhielt das Team schließlich eine weitere gelbe Karte und somit die gelb-rote Karte. Sie hatten die Kompetenz und Unbefangenheit der Schiedsrichter recht frech in Frage gestellt, was nach der ersten gelben Karte sofort geahndet wurde. Somit schied das Team role-model vor dem Turnierspiel gegen die a-Losers aus und letztere erhielten einen Default Win.
readmore.de: Zum Schluss wurde mit madferret auch ein EPS-Spieler verwarnt. Wie kam es dazu?
[F4U]Micha: Er hatte sich im Spiel gegenüber einem gegnerischen Team in beleidigender Art und Weise geäußert. So etwas gehört nicht in ein Turnier, welches im sportlichen Wettbewerb ausgetragen wird, weshalb wir auch hierfür eine gelbe Karte vergaben.
readmore.de: Das nächste Qualifikationsturnier findet am kommenden Wochenende statt. Wie ist dein Rat gerade an die eher unerfahrenen Teilnehmer?
[F4U]Micha: Ich möchte allen Teilnehmern empfehlen, sich das englische Regelwerk wie auch die in Deutsch gefassten Informationen, Zeitpläne und Regeln auf der Homepage des ESWC Germany durchzulesen. Da sich die Informationen und das Regelwerk ergänzen, muss man beide genau durchlesen.
Wir werden auch weiterhin sehr hart die Regeln und Zeitpläne durchsetzen, an einigen Stelle sogar schärfer auf die Spielzeiten achten. Der Electronic Sports World Cup ist nicht irgendein Turnier, sondern ein Spitzenevent. Dementsprechend sollte das Verhalten der Spieler auch professionell und gemäßigt sein. Es bringt grundsätzlich keine Vorteile, wenn man sich auf andere Ligen oder andere Regelwerke beruft. Ein verlorenes Spiel ist sicherlich ein Ärgernis, aber in einem solchen Turnier sollte man ein guter Verlierer sein können, denn nur wenige deutsche Spieler fliegen nach Frankreich. Verlieren ist also keine Schande in einem so gut besetzten Teilnehmerfeld! Es zählt der Sportsgeist! Wer plant teilzunehmen, sollte also seine Mitstreiter und die Turnieroffiziellen in allen Situationen respektvoll und freundlich behandeln.
readmore.de: Vielen Dank für das Gespräch.
Regeln Online-Qualifikation ESWC 2006
# Counter-Strike
# Quake 4
# Trackmania Nations
# WarCraft III
# Pro Evolution Soccer
Anmerkung: Um die Regeln herunterladen zu können, muss man auf der Homepage des ESWC eingeloggt sein.