Hat ja jetzt doch noch geklappt, die Tour hierher. Ich weiß langsam auch nicht mehr, was jetzt der wahre Grund für die Verschiebung war und vor allem, was ich darüber jetzt schreiben darf. Klar, ich krieg hier jetzt mehr mit als zu Hause, aber manches ist dann wieder angeblich noch höchst intern und ich muss daher alle bitten, mit Fragen in diese Richtung zurückhaltend zu sein. Fakt ist nur, WEG findet statt, hier in Hanghzou und bis auf natu von 4Kings werden auch alle anwesend sein.
Kurzer Einschub während des Schreibens: Alter, wie bsl rumschreit, wie soll man so arbeiten.
Okay, zum Hinflug: Alle meine Leser, die jetzt mal wieder eine Craven-Chaos-Story erwarten, muss ich leider enttäuschen. Ich hatte diesmal genug Zeit zum Umsteigen in Amsterdam und auch sonst alles ganz problemlos. Bei der nächsten Planung sollte ich mir weniger Mühe geben, damit ich wenigstens was zu erzählen habe. Ganz generell ist es sowieso so: Was Interessantes hat man vor allem immer dann zu erzählen, wenn irgendwas schief läuft. Dank meiner Tollpatschigkeit passiert mir das ja auch oft genug, wartet einfach ab.
Nach meiner Ankunft muss ich sagen: Hui, ja, China, toll. Aber irgendwie bin ich leider nicht so geflasht, wie ich ob der Gelegenheit, die mir mit dieser Tour gegeben wurde, sein sollte. Ich weiß, mein erster Artikel spricht da eine andere Sprache. Das war wohl einfach das übliche „Was man nicht haben kann ist geil“-Syndrom.
Jetzt wo ich hier bin, ist dann doch alles nicht mehr so toll. Vesslan, der mit mir im Bus vom Flughafen nach Hangzhou sitzt, ist da nochmal deutlich abgebrühter: Während ich mir wenigstens die Landschaft angucke, legt er sich sofort auf die letzte Bank hinten im Bus und schläft. Dem ist inzwischen wohl auch egal, wo er wegen eSport hinreisen darf. Hauptsache die Chicks sehen gut aus. Die Landschaft ist im Grunde, wie man sich das von China so vorstellt: Alles eher trostlos, aber überall ragen Baukräne in den Himmel und man merkt, hier geht’s voran. Wirtschaftswunder hautnah.Rechts neben der Autobahn ist die Trasse für das Prunkstück deutscher Ingenieurskunst: Der Transrapid. Während wir in Deutschland nur die inzwischen vermooste Teststrecke im Emsland haben, hat man hier das Ding einfach hingesetzt. Und das in einem Zeitraum, den man in Deutschland schon für das „Planfeststellungsverfahren“ benötigt. Ich will das jetzt nicht idealisieren. Mir ist durchaus bewusst, dass die chinesische Bevölkerung sicher ihre Opfer dafür bringen musste, aber ein bisschen weniger Behäbigkeit würde Deutschland sicher gut tun. Nirgendwo sieht man das so deutlich wie hier. Ich hoffe, ich kann davon noch ein wenig mehr einfangen, Shanghai wird da sicher eine ganz andere Kategorie.
Im Hotel treffe ich dann die Herren von NoA. xione kenne ich ja glücklicherweise schon recht gut aus Korea und ich schließe mich den Jungs einfach an, die gerade was essen gehen wollen. Dort sammel ich dann erstmal ein paar Informationen, die teilweise schon in den Artikel über den ersten Spieltag geflossen sind. Wir gehen in ein recht vornehmes Restaurant und essen, zu meiner Schande, Spaghetti Bolognese. Vier Stunden in China und schon zwäng ich mir europäisches Essen rein. Wie peinlich. Ansonsten wirken die Jungs alle extrem verkatert. Sind sie allerdings nicht. Eher eine, wie soll ich sagen, „Null-Bock“-Stimmung. Sie wissen, dass project_kr in Korea gerade munter 12-14 Stunden am Tag trainiert, während sie hier fern von der Heimat in einem schlechten Internetcafé spielen müssen. Ansonsten reden sie fröhlich Skandinavisch, irgendwie haben die ja inzwischen ihre eigene NoA-Sprache, mit der die Dänen und Norweger offenbar ohne Probleme kommunizieren können. prb isst im Übrigen in slow motion. Wären wir nicht so höflich, hätten wir das Restaurant 20 Minuten früher verlassen können. Dabei spricht er nichtmal groß.
Danach fahren wir in besagtes Internetcafé, wo im Erdgeschoss die chinesischen Kunden fröhlich die merkwürdigsten Tanzsimulationen, aber auch WoW, CS und WC3 spielen.
Anmerkung zwischendurch: ALTER BSL HALT DEIN … der nennt das vermutlich „Motivation“, ich nenne es „am Spieß“.
Oben ist dann die Hälfte des LAN-Centers abgetrennt, wo die Spieler ihre Rechner haben. Auf der anderen Seite sitzen die WEG-Akteure, auf der anderen Seite weitere normale Kunden des LAN-Centers. An der Abtrennung ist jedoch immer reges Treiben: Fotohandys werden mit Bildern der Stars bestückt und darauf gewartet, dass jemand wie ToD sich aus seinem Reservat herauswagt. Dann darf er sofort posieren und Autogramme geben.
Später gehe ich dann mit ihm, JakziE, Zacard und einem der Chinesen Essen. Wir fahren in Einkaufszentrum, wo es ein koreanisches Restaurant gibt, wo Zacard dann auch auf Koreanisch das übliche Barbecue bestellt.
Gute Erinnerungen an leckere Tage während WEG 05 werden wach… Jakzie und Zacard albern dabei die ganze Zeit rum und haben viel Spaß, ich schaue mir das Treiben ein wenig an und bin amüsiert. Danach entdeckt Zacard auf der Suche nach Speiseeis das Arcade-Center ein Stockwerk höher, wo ich ihn zu einer Runde Air-Hockey herausfordere. Bald hat sich eine Menschentraube um uns gebildet, die offenbar von unseren Skillz zutiefst beeindruckt ist. Oder einfach schon lange keinen großen, schwitzenden Weißen mehr gesehen hat, der sich nach Kräften abmüht. Ich verliere 2-0.Wo wir grad von meiner Körpergröße sprachen: Wer mich mal gesehen hat, weiß, dass ich knapp 1,90 m groß bin. Das ist für China eindeutig zuviel. Bestes Beispiel: Mein Spiegel im Hotel ist so aufgehängt, dass ich mir bestenfalls die Nase frisieren kann. Auch mein körpereigenes Reisegepäck für schlechte Zeiten sorgte schon für Probleme. Merke: Immer langsam auf chinesischem Mobiliar niederlassen!
Nach dem Match gegen Zacard spiele ich gegen ToD in so einem Rennautomaten. Die erste Runde schlägt er mich, die nächste gewinne ich. Als ich ihn dann zum „Best-of-Three“ auffordere, hat er auf einmal keine Lust mehr. Manner where?
Zurück im LAN-Center fordere ich Jakzie zu einer Partie Warcraft heraus. Im Human-Mirror auf Twisted Meadows erlange ich einen ruhmreichen zweiten Platz, Jakzie wird vorletzte. Danach fahren wir auch alle bald ins Hotel zurück, wo ich nach vierzig Stunden in mein recht hart gefedertes Bett falle (falls man das noch „gefedert“ nennen kann). Ein wenig Fernsehen zum Einschlafen. Meine Favoriten: US-Actionfilme aus den Achtzigern, König der Löwen und Shopping-TV für Trainingsgeräte. Die Komik liegt dabei – wie könnte es anders sein – in der äußerst liebevoll gemachten Synchronisation. Hat schon einen Grund, warum in Korea nicht synchronisiert wird. Gute Nacht, bis morgen.

