rushed ist wieder mymTw und mTw ist wieder Deutsch. Selbst JanThePig hat sich zurückgemeldet, um mTw wieder in die WC3L zu führen. Zurück in die guten alten Zeiten möchte man meinen. Schließlich soll durch die Zusammenführung von rushed und mTw eine neue (oder vielmehr eine alte) Ära eingeleitet werden. Zweifelsohne beginnt etwas mit der Wiederbelebung von mymTw.de, nur was bloß? Die Seite wirkt wie ein Ausdruck der eigenen Identitätslosigkeit und dem Mangel an einer einheitlichen Vorstellung von der Zukunft.
Obwohl die Seite im Vergleich zu ihrem Vorgänger deutlich an Farbe verloren hat, ist sie dennoch kunterbunt gemischt. Die Startseite gibt den Eindruck, dass es sich um eine Newsseite handelt, die mit Coverages, Specials und einem Match-Ticker die aktuellen Geschehnisse der eSport-Szene abhandelt. Ob man sich nicht nur beim Match-Ticker an readmore.de orientiert hat, sondern auch bei der Schlichtheit des Designs, mag spekulativ, aber nicht abwegig sein. Hängen bleibt jedenfalls der Eindruck einer schlanken Seite, die ihren Schwerpunkt auf Inhalte, statt auf Grafik und Präsentation legt.
Gerade diese Präsentation wäre für den Clan mTw von Bedeutung. Auch wenn mTw eine eigene Newskategorie auf der Startseite erhält und ebenfalls einen Reiter in der Navigation besitzt, geht er doch ein wenig unter. Sofern man die Matches nicht eingeklappt hat, muss man ordentlich runterscrollen, bis man mit der MTW-Box das erste optische Anzeichen von einer Clanseite erhält.
Wo wir schon beim Thema runterscrollen sind, direkt unter der MTW-Box befinden sich die „Letzten Beiträge“. Ein Klick auf einen der Titel verrät, dass es sich dabei um ein Forum handelt – und was für eins. Man konnte sich über die Inhalte auf rushed streiten, aber das Forum blieb in seiner Größe immer unantastbar in der eSport-Szene. Trotz dieser Größe erhält das Forum nur eine sehr geringe Aufmerksamkeit auf der Seite. In Richtung einer Communityseite wird hier zumindest nicht konzentriert gearbeitet, obwohl viele der Benutzer schon längst keine aktiven Nachrichtenleser oder mTw-Fans mehr sind.
Zusammengefasst besteht mymTw.de also aus drei Teilen: Berichterstattung, Clan und Community, wobei die Reihenfolge durchaus die Prioritäten auf der Seite widerspiegelt. Diese drei Elemente sind in ihrem aktuellen Stadium schwer zu verbinden. Den Versuch sie zu verknüpfen, unternimmt man aber auch nicht. Der Hauptteil der Redaktion konzentriert sich weder auf den Clan, noch auf die Community, sondern auf das allgemeine Geschehen in der Szene. Die Community nimmt seit längerer Zeit mehr Abstand zu dem Newsgeschehen, ja gar vom eSport und behandelt Themen aus dem alltäglichen Leben. Interaktionen zwischen Clan und Community werden wohl eher zufällig, als bewusst forciert sein.
Nicht nur bei der Zusammensetzung der Seite zeigt sich der Spagat im Hause mTw, sondern auch bei den Ansprüchen. Mit der PR-Abteilung hat der Clan einen großen Schritt in Richtung Professionalität vollzogen. Nur dieser Anspruch widerspricht sich mit dem eher kumpelhaften Schreibstil der Redaktion oder Kolumnen wie „Die Bierbrille“. Es mag letztlich eine Geschmacksache sein, ob man manche Inhalte als lustig und locker empfindet. Den Anspruch auf Professionalität wird man dort jedoch nicht hinein interpretieren können.
Dass damals eine Trennung von mymTw und mTw vollzogen wurde, hatte seine guten Gründe. Die Redaktion wollte Unabhängigkeit, weil der Hauptteil ihrer Arbeit im allgemeinen Szenegeschehen lag und weil der Clan die Glaubwürdigkeit dieser Arbeit in Frage stellte. Der Clan wollte wiederum eine eigene Seite, um sich angemessen und professionell präsentieren zu können. readmore.de ging vor knapp einem Jahr noch einen Schritt weiter, weil es auf umfangreiche Community-Features verzichtete und sich auf redaktionelle Inhalte spezialisierte. Dank des riesigen Erfolges habe ich diese Spezialisierung nie bereut.
Den vielzitierten Synergieeffekt zwischen mTw und mymTw.de gab es nur, als der Fokus der Redaktion noch auf dem Clan lag. Durch die eigenständige Entwicklung von mymTw.de wurden Clan und Newsseite einander hinderlich. Zusätzlich verlor die Community mit ihrer Größe die Verknüpfung zum Clan und dem Newsgeschehen.
Da dieser Synergieeffekt in seiner alten Wirkung nicht wieder herzustellen ist, liegt das größte Potenzial in einer getrennten Entwicklung. Ein Clan, der sich in der deutschen Szene engagiert und auf eine aktive Fanarbeit setzt, könnte sehr erfolgreich sein. Eine Communityseite, die eSport gezielt mit allgemeinen Interessen von Jugendlichen kombiniert, würde innovativ wirken. Eine Newsseite, die mit einfachen News, Artikeln und einem kumpelhaften Stil den Hobbyspieler informiert, hätte durchaus eine Daseinsberechtigung.
So ist mymTw.de für mich aber nur ein lieblos zusammen gewürfeltes, orientierungsloses Projekt, was sich nach den alten, erfolgreichen Zeiten sehnt und dabei einen riskanten Spagat über den eigenen Abgrund wagt. Eine Besinnung auf die eigentlichen Stärken fehlt, leider.