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ESWC 2006: Wie man Potenzial verschenkt

Es ist noch nicht all zu lang her, dass wir nach den letzten Siegerehrungen und anschließenden Konferenzen im Pressebereich aus eben diesem etwas unsanft heraus gebeten wurden. Doch nicht nur deshalb bleibt bei einem Blick zurück auf das gesamte Wochenende des ESWC 2006 ein fader Beigeschmack. Denn für ein Event, was in den Augen der Organisation eine Weltmeisterschaft sein soll, wurden zu viele Fehler gemacht, über die man trotz allem Glanz nicht hinweg blicken kann.

Nach der Bekanntgabe aller wichtigen Informationen zum diesjährigen ESWC waren sich die meisten einig: Dies könnte ein großer Schritt in Richtung des massentauglichen eSport sein. Viele Plätze, viele Möglichkeiten die Spiele zu verfolgen und eben auch eine Location, die dem sportlichen Aspekt, den die Community schon länger hinter ihrem Hobby sieht, gerecht wird. In der normalerweise für Eishockey verwendeten Halle, dem Palais Omnisport, wurden also die besten Spieler aus den Ländern dieser Welt versammelt, um den oder die Besten der Besten zu finden.

Und in vielerlei Hinsicht war es auch genau dieses eSport Fest, dass man sich erhofft hat. Auch wenn Freitag und Samstag die Ränge eher selten wirklich voll waren, so war es der Sonntag, der jedem Zweifler eine Finalrunde mit richtiger Stadionatmosphäre zeigte. Spiele, bei denen die Fans jede Runde bejubelten, tolle Comebacks feierten und einfach einen Tag zelebrierten, der dem Namen eSport World Cup gerecht wurde. Ein Zeitplan, der mit einer kleinen Ausnahme zu Gunsten des WM Spiels Frankreichs, weitestgehend eingehalten wurde trug auch dazu bei, dass das Event recht reibungslos über die Bühne ging und auch die ein oder andere Overtime oder dritte Map keine großen Probleme hervorrief.

Über Startschwierigkeiten, wie beispielsweise mit der Pass-Austeilung an die Spieler oder der nicht gerechtfertigten gelben Karte an aTTaX.female für angebliches Rauchen auf dem Flur, guckt man ja gerne hinweg, wenn es denn in den darauf folgenden Tagen zu keinerlei größerer Problemen kommt. Leider ist genau dieses „wenn“ nicht eingetreten und es kam zu weiteren Problemen. Das meiste davon lässt sich unter „Ressourcen-Management“ zusammenfassen. Oder man spricht es einfach aus: Die Organisation hätte aus ihren Möglichkeiten einfach viel mehr machen müssen.

Zu aller erst war die Nutzung der Monitore, Leinwände und des Videowürfels schlichtweg lächerlich. Aus den Gruppenphasen der jeweiligen Disziplinen wurden zwar wirklich viele Spiele gezeigt. Allerdings war die Prioritätensetzung eher fragwürdig. Aus der Sicht eines französischen Besuchers, mag es wirklich toll sein, die jeweiligen Spiele der Landesvertreter auf den vier größtmöglichen Flächen sehen zu können. Dabei fielen aber Spiele unter den Tisch, die wohl trotz der nicht französischen Teilnehmer die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätten. Man hatte mit dem Videowürfel und den drei großen Leinwänden alle Möglichkeiten gehabt wirklich vieles so zu zeigen, dass der Zuschauer sich aussuchen kann, was er verfolgen möchte. Doch waren es eben meist die Franzosen, auf denen der Fokus der internen Coverage lag. Eine ausschließlich französische Moderation, tat hier bei ihr übriges. Einzig und alleine die Quake 4 Fans, die mit einer mehr oder minder eigenen Leinwand und einem größeren TFT versorgt waren, bekamen die meisten der wichtigen Spiele zu sehen. In Sachen CS und Warcraft III hatte man meist leider nicht die Möglichkeit die Topspiele wirklich gut zu verfolgen. In den Gruppenphasen war kaum ein Spiel live zu sehen, obwohl wirklich mehr als genug hochklassige Partien zusammengelost worden sind. Wenn das Gegenangebot wirklich dauern zumindest ansatzweise vorhanden gewesen wäre, würde man wohl nicht darüber reden. Allerdings war es stellenweise sogar so, dass während wichtiger CS Partien, bei denen es um alles oder nichts ging, der Videowürfel und die beiden Leinwände lediglich den Ticker des Intranets einblendeten, obwohl schon die fest installierten Monitore der Halle und die Leinwand über die Moderationsbühne dauerhaft für eben dies genutzt wurde. Aus deutscher Sicht war es zwar von den Ergebnissen her alles andere als schlecht, aber jeder, der vor Ort war, wird weniger von den Spielen gesehen haben, als jemand, der Zuhause Livebot, Streams oder sonstiges verfolgt hat.

Aus Sicht der deutschen Delegation vor Ort war der Sonntag der Tag, der zwar vieles zu feiern bot, aber auch die meiste Entrüstung hervor rief. Die Diskussion über den Flashbug im Spiel aTTaX gegen MiBR mal außen vor gelassen bleibt immer noch offen, dass das Übertragungsmanagement eine Katastrophe war. Das CS Viertel- und Halbfinale waren einfach nirgendwo zu sehen. Es musste sich eben so ein Platz gesucht werden, dass man von der Tribüne die Monitore oder sogar nur das Team im Blick hatte und sich aus den Reaktionen seine Schlüsse zog. Die Krone setzten sich die Orgas allerdings dann mit dem Counter-Strike Spiel um Platz 3 auf. Denn zeitgleich mit dem Spiel um den letzten Platz auf dem Treppchen gab es auf der Hauptbühne und den Leinwänden das Female Finale zwischen den Franzosen von BTB und Les Seules zu sehen, welche von ihren Landsmännern in bester Stadionmanier angefeuert wurden. Lediglich die kleineren Plasmascreens am Spielfeldrand zeigten die überragende Leistung von aTTaX, die als CT auf dust2 gleich 12 Runden holten und damit den Sieg nach der ersten Hälfte schon sicher hatten. Die Siegerehrung wurde dann auch noch während dieses Spiel durchgezogen, wodurch ein wichtiges Match im höchst dotierten Wettbewerb keinerlei Aufmerksamkeit bekam. Als kleinen Scherz am Rande zeigte man dann die zweite Hälfte doch noch auf einer Leinwand. Nur eben nicht auf der hinter aTTaX, wo sich einige Fans versammelt hatten, sondern auf der Gegengeraden.

Auch für die Presse gab es hier den einen oder anderen Stein im Weg, der erst einmal aus dem Weg geräumt werden wollte. So gab es Donnerstag und Freitag einige Probleme mit dem Presse WLAN, Spieler für Interviews mussten immer am Eingang abgeholt werden, da sie sonst keinen Einlass erhielten, und es lief dauerhaft die selbe CD, die mit ca. zehn Liedern aus unterschiedlichsten Genres nicht unbedingt Freudenschrei hervorrief. Allerdings besserten sich die Bedingungen hier wirklich von Tag zu Tag. So war am Sonntag der Punkt erreicht, an dem Spieler einfach zur Presse gehen konnte, die Musik aus war und blieb und sogar noch ein Kühlschrank mit kostenlosen Energy-Drinks aufgestellt wurde, der sogar noch Auffüllungen erhielt. Einzig und alleine die End-Zeit war ein Problem, dass sich eher verschlechterte. Donnerstag wurde man um 22 Uhr daran erinnert, dass in einer halben Stunde alle Leute den Bereich geräumt haben sollten. So hatte man noch wirklich genug Zeit die letzten Bilder ins Netz zu stellen, Artikel fertig zu schreiben und seine sieben Sachen einzupacken. Allerdings machte man hier keine Schritte nach vorne, sondern eher Sprünge zurück. So war am Sonntag kein Hinweis vorhanden, wann der ESWC das Ende im Palais plant, sondern lediglich um halb Zehn die Aufforderung, den Pressebereich sofort zu verlassen. So waren es knappe fünf Minuten, in denen noch das nötigste gemacht werden konnte. Lediglich die hausinterne Presse konnte noch ihre letzten Interviews abhalten.

Von daher bleibt leider ein leicht fader Beigeschmack bei der Abreise von diesem an sich wirklich tollen Event. Mit ein wenig mehr Fingerspitzengefühl in der ein oder anderen Angelegenheit wäre es sicher nicht nur für die französischen Teilnehmer und Besucher ein solches Fest geworden. Man hätte den ESWC am Sonntag einfach nicht auf diese Art und Weise ausklingen lassen müssen.

  1. FloG #1
    Sicher, dasss das ein Artikel ist und keine Meinung?

    Aber gut zu erfahren (aber eigentlich schlecht), dass nicht nur der Flashbug von Mibr und die Qualifikation zum ESWC keinen krassen Gegensatz zur Endrunde boten, sondern sich gewisse Merkwürdigkeiten und grobe Fehler durch die ganze Organisation zogen. Da weiß man wenigstens, was man von der Administration zu halten hat :o
    Rudi #2
    ist eine meinung, war nur falsch geflaggt - sorry
    Torro #3
    Najo in Frankreich denken halt alle, dass ihre Sprache die Wichtigste ist...kein Wunder, dass es dann nur französische Caster gibt, war letztes Jahr auch schon so.
    ShinZu #4
    tja, da wäre wohl nächstes jahr mal ein anderes land dran, um es besser zu machen, obwohl das anscheinend nicht so schwer werden wird...
    dookie #5
    Deutschland ist draußen .)
    ChroniX #6
    Tapion ESWC is immer in frankreich und wird wohl immer in frankreich bleiben... die WCG ändert ihre standpunkte regelmäßig...
    prOud_3511 #7
    warum sollte der französische Organisator das event ins ausland verlagern? Oo es ist SEIN event. die deutschen können wenn sie wollen/können auch ein ähnliches event hochziehen.

    /b2t

    also das die französen ein bissi viel nationalstolz haben weiss man ja. aber das man so wichtige cs-spiele nicht auf leinwänden zeigt ist mir für mehr als schleierhaft :/
    Canadian1980 #8
    Die haben kein Nationalstolz, die sind nur intolerant. Würde sich sowas in Deutschland zutragen dann würd es wieder heissen "jaja die Krautz!"......ESL reisst sich bei den WC3L sogar darum das die einen englischsprachigen Moderator haben der die eine oder andere Top-Partie kmmentiert. Dies war sogar besser gelöst als auf der ach so hoch gelobten ESWC.

    Deutschland sollte wirklich mal gucken ob da nicht was geht in der Richtung "eigenes" ESWC, so können die Franzosen mal erleben was es heisst ein Event RICHTIG zu organisieren. ^^.
    don_benzo #9
    ich denke Ignoranz trifft es besser als Intoleranz. Fände es allerdings auch schön eine deutsche Weltmeisterschaft zu sehen ;)
    Kakarot #10
    jetz fehlt nur noch das die froschfresser weltmeister werden argh ;-)

    naja eswc war diesma wirklich nid so toll :/ naja mal sehn wies weiter geht bei isc oder cpl oder wsvg was auch immer ...
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