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Interview mit TheSlash über die WLES – Teil I

Alexander T. ‚TheSlash‘ Müller ist der Managing Director von SK Gaming, einem der seit Jahren erfolgreichsten Clans weltweit. Neben Spieler in Counter-Strike und WarCraft 3 beherbergt SK Gaming auch den letzten EPS-Gewinner in FIFA. Die beiden FIFA-Twins Daniel ‚hero‘ Schellhase und Dennis ’styla‘ Schellhase sind selbst in der konventionellen Presse durch ihre weltweiten Erfolge bekannt geworden und gehören zu den führenden Medienfiguren im eSport. Entsprechend misstrauisch verfolgte TheSlash die Entwicklung der WLES und die Ankündigung, die Spieler direkt an die Liga zu binden. Im Interview mit readmore.de äußert TheSlash ausführlich seine Meinung über WLES.

readmore.de: Was hältst du generell davon, dass eSport (wieder) im Kabelfernsehen übertragen wird?

TheSlash:Wenn die Begleitumstände nicht so unsäglich wären, würde ich es begrüßen. So aber bin ich extrem skeptisch. Zudem hat das in meinen Augen wenig mit eSport zu tun. Im Gegenteil, hier soll ein Teil der deutschen eSport-Kultur vereinnahmt und abgekapselt werden. Davon halte ich sehr wenig. Vor allem der Beigeschmack ist doch sehr unangenehm und ich denke es ist eher kontraproduktiv, als das es wirklich etwas bringt.

readmore.de: D:SF, ein Sportsender im Kabelfernsehen, und FIFA, ein eSport-Spiel – sind wir damit nicht einer Anerkennung von eSport als Sport näher gerückt?

TheSlash: Nein, keinen Schritt. Wie gesagt, es findet eine Abkapselung statt und man darf auch nicht die Augen davor verschließen, dass der Mediawert, der mit diesem Format erzielt wird, pro Woche oder Monat gerechnet, völlig egal, deutlich unter dem liegen wird, was derzeit mit FIFA generiert wird. Wir dürfen ja eins nicht vergessen, im Moment wird regelmäßig FIFA auf GIGA gezeigt oder darüber berichtet. In einer sehr komischen Aktion versucht die ESBL nun krampfhaft Spieler exklusiv an die ESBL zu binden und darüber von anderen attraktiven Wettbewerben auszuschließen. Das wird nicht ohne Konsequenzen bleiben und die werden nicht allen Beteiligten schmecken.

Kurzum, der Vorstoß der ESBL, so vielversprechend er zu Beginn ausgesehen hat, so sehr hat er sich ins Gegenteil umgekehrt und darf so nicht umgesetzt werden. Die ESBL betreibt eine Spaltung des eSport und hat dazu keinerlei Berechtigung.

readmore.de: Wäre es für SK nicht attraktiv, im Kabelfernsehen vertreten zu sein oder sind die 2500 € zu teuer?

TheSlash: Es sind 17.500 €, wenn wir mit Sponsoren antreten wollen würden und dafür erhalten wir weniger Mediawert, als wir ihn mit der Pro Series und der Champions League haben. Das nenne ich einen schlechten Tausch und wirtschaftlich völlig unsinning. Ich weiß nicht, wer da die Rechenschieber bei der ESBL in die Hand genommen hat, aber das ist schon ein starkes Stück. Offensichtlich hat die ESBL es nicht geschafft, die Liga richtig zu vermarkten und nun ist man auf die Vermarktung der Spieler angewiesen. Frech nur, dass die Teams hier nicht mit einbezogen wurden, sondern einfach vollendete Tatsachen geschaffen wurden. Ich sage es noch mal und betone es: der Mediawert eines jeden einzelnen Spielers, wenn er nur ESBL und WCG spielen darf, ist deutlich geringer als der, den ein Spieler mit ESL und Champions League und eventuellen weiteren Konzepten in diese Richtung hat. Das bedeutet doch langfristig sinkende Einnahmen, wenn der Mediawert sinkt und als Krönung soll man der ESBL für diese Wohltat noch Geld geben. Das ist schon ein sehr komisches Konstrukt! Vergessen wir nicht, die ESBL lebt von ihrem Content und den liefern die Spieler! Die Spieler sollen bei der ESBL aber dafür bezahlen, dass sie das tun. Sehr suspekt ist das!

readmore.de: Nun ja, die Spieler direkt nicht, sondern der Clan. Ist die WLES für einen einzelnen Spieler nicht sogar attraktiver mit dem hohen Gehalt und den Fernsehauftritten?

TheSlash: Das ist sie kurzfristig in jedem Fall. Denken wir das Ganze aber einfach mal bis zum Ende. Die Spieler wechseln in die ESBL und geben damit mehr oder weniger ihr Clantag auf. Der erreichte Mediawert wird sehr gering ausfallen.

An einem Wochentag, zwischen fünf und sechs, eine halbe Stunde Programm im D:SF, bei 18 Spielern, teilen wir das mal auf den einzelnen Spieler auf. Pro Sendung können in 26 Minuten maximal 4 Spieler wirklich in Szene gesetzt werden. Das sind 22% der Gesamtspielerzahl. Als Einzelspieler werde ich also nur alle fünf Wochen einmal wirklich im Rampenlicht stehen und das auf einem höchst fragwürdigen Programmplatz. Wo will man damit langfristig landen?

Diese Sendung wird dabei auch noch inhaltlich auf dem Prüfstein stehen. Es fehlt den handelnden Personen doch massiv an Erfahrung bei der Übertragung von eSport. Die Partner und Sponsoren werden nach einer Zeit realisieren, dass dort nicht viel an Reichweite entsteht und dem Projekt den Rücken kehren.

Quo Vadis ESBL, wohin gehst Du dann? Dann gibt es plötzlich keine ESBL mehr und dann? Wird die ESL es sich bieten lassen und an FIFA festhalten? Wenn die ESL FIFA nicht mehr so stark supportet und zwar in der Breite, dann wird auch die FIFA Community in Schwierigkeiten kommen und eventuell von anderen Spielen abgelöst. Was machen die FIFA Spieler der ESBL dann? Dann gibt es keine Turniere mehr, keine Clans, und so weiter. Ich will das nicht schwarz malen, aber ganz unrealistisch ist das Szenario nicht. Und mit dem Wort „Fernsehauftritt“ würde ich vorsichtig umgehen.

readmore.de: Die FIFA-Twins sollen von der WLES intensiv umworben werden. Kannst du dazu etwas sagen?

TheSlash: Sie wurden nicht umworben, man hat versucht sie zum Vertragsbruch zu überreden. Ein Alex Anuth muss sich schon überlegen, was er macht. Wir behalten uns für dieses Vorgehen rechtliche Schritte vor, ist es doch ein Verstoß gegen den Wettbewerb, so etwas zu versuchen. Dennis und Daniel haben einen Vertrag bei SK und werden diesen auch erfüllen. Unter den jetzigen Bedingungen tue ich mich schwer daran zu glauben, dass wir die beiden in der ESBL sehen werden. Den amtierenden Titelverteidiger und den Weltmeister und Europameister, dazu die CL und EPS Sieger. Da bleibt die Frage wohl offen, ob diese Liga wirklich einen „wahren“ Titel für Deutschland ausspielen kann.

Auch hier frage ich mich, was in den Köpfen der ESBL wohl vorgeht, denn den Betreibern ist es egal, wer in ihrer Liga spielt, sofern ihre Bedingungen akzeptiert werden. Ich habe übrigens selber den Kontakt zu Toni Kaiser gesucht und er wollte sich bei mir melden. Stattdessen dann aber diese Aktion von Alex Anhuth, da muss man sich schon fragen, mit wem man es zu tun hat. Eine glückliche Figur gibt die ESBL jedenfalls nicht dabei ab.

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