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Interview mit TheSlash über die WLES – Teil II

readmore.de: Wäre es vermessen zu sagen, dass dir die WLES durchaus Kopfzerbrechen bereitet, gerade hinsichtlich der Zukunft eures FIFA-Teams?

TheSlash: Ich mache mir stets Gedanken zu solchen Themen, so auch hier, aber es gibt ein schönes Sprichwort: Was juckt es eine preußische Eiche, wenn sich eine bayerische Wildsau daran kratzt. Das umschreibt meine Stimmungslage ganz gut. Ich habe zu dem Thema eine Meinung und auch kein Problem diese zu artikulieren. Wenn das Ende der Ära FIFA so eingeleitet werden soll, dann ist das so, manchmal müssen Dinge auch vor die Wand klatschen, damit andere aufwachen.

Ich denke aber hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Tür ist noch nicht zu. Die WLES/ESBL kann sich noch bewegen und hat in meinen Augen auch allen Grund dazu. Partner wie Arcor werden vor dem tatsächlichen Geschehen nicht die Augen verschließen.

readmore.de: Was macht dich so sicher, dass Arcor die gleiche Sicht auf die Geschehnisse bekommen wird wie du?

TheSlash: Arcor lebt nicht abgeschottet in einem Elfenbeinturm. Einschaltquoten kann man einsehen. Es gibt auch andere mögliche Sponsorships und dort wird es auch Kontakte geben. Diese werden Arcor auch ihre Sicht der Dinge mit auf den Weg geben. Zudem spricht auch Arcor sicherlich mit anderen Partnern. Ein Wort von Adidas, Intel oder anderen Schwergewichten aus dem Bereich bringt sicher jeden schnell zum Nachdenken. Lügen haben eben kurze Beine…

readmore.de: Gerüchten zufolge sollen große Konzerne, die nicht aus der Computerbranche stammen, daran interessiert sein, die Spieler in der WLES zu unterstützen und die Werbemöglichkeiten zu nutzen. Wäre ihr Einstieg nicht ein großer Fortschritt für den eSport?

TheSlash: Das bezweifle ich doch sehr stark. Zunächst die Tatsache als solche. Es gibt eine Menge große Firmen. Jetzt reden wir hier über Gerüchte, Großkonzerne, aber wir bewegen uns in Deutschland. Diese Liga strahlt einzig und allein auf den deutschen Markt ab. Also frage ich, wen gibt es da alles und wer könnte sich engagieren? Die Anzahl der „Großkonzerne“ ist doch eher gering und ich halte das für reine Gerüchte. Sicherlich wird der eine oder andere Brand dabei sein, den man nicht auf der Rechnung hatte. Aber hier soll doch ein abgekapseltes System entstehen.

Das hat auf den echten eSport nur wenig Strahlkraft, wenn diese „Großkonzerne“ nach einer möglichen Fehlinvestition nicht eher abgeschreckt reagieren und sich diesem Bereich verschließen. Somit sehe ich auch das eher skeptisch. Seit 1998 habe ich in verschiedenen Funktionen Partner und Sponsoren in den eSport geholt und dort gehalten. Ich glaube, die Gesetze dieses Marktes sind mir durchaus geläufig. Das heißt aber nicht, dass es nicht anders sein kann.

readmore.de: Kritiker sagen, dass die Gebühren und das Exklusivrecht der WLES nur die Clanstruktur sprengen und die ESL verdrängen sollen. Stimmt das oder ist das Exklusivrecht der WLES gerechtfertigt?

TheSlash: Es stimmt. Der Satz hätte von mir sein können. Die WLES soll ihre Liga vermarkten und damit Geld verdienen. Eine Liga vermarktet nicht ihre eigenen Spieler. Das ist völliger Unsinn und aus medienwirtschaftlicher Sicht ein Unding. Wer es nicht glaubt, kann sich dazu gerne tiefergehend informieren. Eine Liga und ihre Teilnehmer müssen weitestgehend wirtschaftlich getrennt voneinander agieren. Eine Tochterfirma der WLES aufzubauen und dort die eigenen Spieler unter Vertrag zu nehmen, um sie zu vermarkten, läuft völlig gegen diese Gesetzmäßigkeit. Ich denke, die WLES hat es einfach nicht geschafft, das Geld herbei zu schaffen und muss nun auch die Spieler vermarkten. Es wirkt schon sehr Hals über Kopf alles.

Dazu die Exklusivität. Wozu? Warum das Argument, nur so könne man den Betrieb der Liga gewährleisten? Die Spiele sollen ausschließlich samstags stattfinden und da gibt es einen einzigen Termin, der damit kollidieren würde, die EPS Finals, wenn ich es richtig im Kopf habe. Da hätte man eine Einigung gefunden, da bin ich mir sicher. Dieses Argument zählt also nicht, denn es ist schlichtweg keins. Vielmehr sieht man daran den Charakter der Liga und ihrer Betreiber. Hier versucht jemand alles, was aufgebaut wurde, zu sprengen und sich selber die Taschen zu füllen.

Mit der WCG wird schnell noch ein mögliches Sprachrohr glücklich gemacht und den Spielern somit die Option gelassen die Welt- und Europameisterschaft auszuspielen. Kluger Schachzug aus Sicht der WLES, aber ich denke die Community ist zu clever, um das nicht zu durchschauen.

Sprich, das Streben nach Exklusivität der WLES ist alles andere als gerechtfertigt. Man hat weder das Spiel FIFA, noch die Spieler des Spiels aufgebaut. Jetzt will man ihnen aber die Pro Series verbieten, eine Liga, die es geschafft hat, FIFA vom Randprodukt zu einem sehr interessanten Zuschauersport zu machen.

readmore.de: Die Fußball Bundesliga bindet seine Vereine und erlaubt ihnen nicht, in einer neuen Liga zu spielen. Was ist der Unterschied zur WLES deiner Meinung nach?

TheSlash: Das Konstrukt DFB/DFL mit den Bundesligavereinen ist gemeinsam entstanden. Hier versucht jemand ein bestehendes System einfach zu zerschlagen und sich selber zu installieren. Das ist schon eine gewisse Anmaßung, die man da mit sich bringen muss. Es ist nicht vergleichbar.

readmore.de: Glaubst du, die WLES wird die FIFA-Szene spalten?

TheSlash: Ich hoffe sehr, dass die WLES sich besinnt und die FIFA Community nicht auf die Probe stellt. Ich hoffe auch, dass Spieler, EA und Partner auf die WLES einwirken, um ihnen vor Augen zu führen, was dort gerade geschieht. Auch der ESB ist hier sicherlich gefordert. Er muss sich der Frage stellen, denn er vertritt auch die WLES und es kann nicht im Sinne des ESBs sein, was hier gerade geschieht. Ich bin mir aber sicher, dass die entsprechenden Verantwortlichen bereits nach einer Lösung suchen. SK-Gaming verschließt sich dieser Diskussion nicht. Ich hoffe unser Standpunkt ist klar geworden und man kann ihn nachvollziehen. Die WLES kann eine Chance sein, aber nicht so. So ist sie eine Bedrohung.

readmore.de: Wir danken für das Interview.

  1. gorath #1
    Klasse Interview, genau so sehe ich das auch. Das, was am Ende als Sendeformat herauskommen SOLL, hat nichts mehr mit eSport zu tun.
    BlindGuardian #2
    ist ja nicht das erste projekt, dass grundsaetzlich nur auf geld abschroepfen aus ist. ich frage mich, warum der esb nicht beteiligt ist :>

    die wles wird am ende nur aus zweitklassigen spielern bestehen, fuer die lohnt es sich wahrscheinlich, da deren clans keine gehaelter usw zahlen, und sie wahrscheinlich sonst nicht die chance haben, große preisgelder abzuräumen. alle anderen, eps spieler usw, werden die finger davon lassen. und am ende wird es eh nach 3 sendungen vergessen hehe.
    stuNT_T #3
    ist der esb nicht auch der alte glatzhaarige typ der uns so oft schon SOOO GUT im Fernsehen vertreten hat? Zitat: Ja AEHM Esports AEHM ist AEHM .. :/

    Oder was hat der esb bist jetzt geleistet? oO (nur so ne frage würd mich interessieren :P)
    Airwall #4
    TheSlash is wirklich mal kompetent. Erst der Brief in der GEE dann dieses interview.

    Naja die ESBL gräbt sich selbst ein Grab
    murli #5
    Sehr gutes Interview. Die Frage ist auch, wie lange sich das Format beim D:SF halten wird?
    prophet #6
    ich versteh immer noch nicht, warum soviele leute sich vom tv blenden lassen Oo

    das scheint bei vielen, besonders jungen menschen, immer noch ein zauberwort zu sein.

    und d:sf ist in meinen augen nicht umbedingt DER sportsender schlechthin, ich mein was fällt uns ganz spontan bei d:sf ein? 2. bundesliga, holzfäller wettbewerbe, lkw's ziehen und noch einige "interessante" sportarten ^^

    ginge die ganze diskussion um einen sender wie eurosport, würde es meiner meinung nach viel rosiger für den esports aussehen!
    bond #7
    pokern und sexy sportclips

    vorallem ersteres finde ich sehr interessant

    zum iview:

    bin gespalten...einerseits schön die meinung einer führenden persönlichkeit zu lesen, andererseits zu kritisch und nur von einer seite her betrachtet. ma schaun was die esbl antwortet.
    sc4nsi #8
    ich finde es auch ein gutes interview. allerdings wäre es auch komisch wenn ein clan"owner" was anderes sagen würde, da es auch ein angriff an die clans ist.

    wenn die esbl den schritt nicht zurück nimmt, sehe ich aber auch ein ende in der fifa scene. es geht ja nicht nur ums tv sondern auch ums geld.

    für viele spieler, auch nicht so gute, ist bei der esbl die chance höher mal etwas geld zu gewinnen als bei der esl/eps.

    ich bin zwar nicht komplett im thema drinn, aber so habe ich das aus dem fifaforum etc immer verstanden.
    hellphyte #9
    Der Man weiß wirklich wovon er spricht. Sehr schönes und ausführliches Interview mit klaren Antworten und starken Argumenten.

    Ich denke auch die Community wird ihm zum größten Teil recht geben und so ist die WLES eigentlich schon fast zum Scheitern veruteilt. Was man jedenfalls bisher davon gehört hat lässt nicht darauf hoffen, dass man großartig vom derzeitigen Standpunkt abrücken wird.
    Jan_774 #10
    die ESBL war mir schon immer ein rätsel. ich finde es klasse von alex, dass er so offen darüber spricht, was hintenrum versucht wird! um es mal klar zu sagen: omg, n00bs.

    ps: nichts gegen poker bond!
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