Etwas mehr als ein halbes Jahr ist es her, dass in Linden der spätere EPS-Sieger aus dem Hause aTTaX vorgestellt wurde. Nun beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte des Clans und so war das neue Team am letzten Wochenende im Lanhaus, um sich auf die neunte Saison vorzubereiten.
Auch wenn durch die späte Bekanntgabe des Lineups einige anfängliche Schwierigkeiten hervorgerufen werden, haben die Spieler im beschaulichen, hessischen Ort die wohl bestmögliche Trainingsmöglichkeit, die ein EPS Team haben kann. Denn im Gegensatz zu einem normalen Bootcamp ist diese Location zu jedem Zeitpunkt vorhanden und verfügbar. Loomit hatte sich bereits nach dem Spanienaufenthalt mit Team-SL einen kurzen Besuch beim Lanhaus gegönnt und zeigt sich „total begeistert, nun auch hier spielen zu dürfen.“ Internet über die Firmenleitung, drei Schlafzimmer mit mehreren Betten, jeweils zweimal Dusche und WC. Um es mit Chuckys Worten zu beschreiben: „Perfekte Lan-Bedingungen ohne das echte ‚Lan-Feeling‘ mit Schlafsack und -sälen“. Möglichkeiten, sich mit mehr oder weniger nahrhaftem Essen zu versorgen, sind mit dem großen M und der Krone der Burgerbratkunst, einigen großen Discountern und einem Chinesen im Gewerbegebiet von Linden auch mit einem kleinen Fußmarsch sehr komfortabel gelegen. Den Spielern wird somit die Möglichkeit geboten, unter ganz besonderen Bedingungen zu trainieren. Auch wenn mooN es schon sehr lange nutzen darf, so ist es selbst für ihn „immer wieder etwas Besonderes“.mooN: „So effektiv und zugleich ohne dabei die Motivation zu verlieren, kann man nur hier trainieren. Ich denke, wir werden in nächster Zeit öfter in Linden anzutreffen sein, genau so wie es mit dem letzten Team der Fall war. Denn das war einer der Gründe, warum wir so erfolgreich geworden sind. Die Chance, eventuell den gleichen Weg einschlagen zu können, wollen wir natürlich nutzen. Ich denke, dass wir mit dem Team die Möglichkeiten dazu haben, obwohl da noch viel Arbeit vor uns liegt!“
Dies ist vor allem deshalb der Fall, weil das Lineup doch recht lange auf sich warten ließ. Die Mischung der Spieler wurde deshalb auch an einigen Stellen als Notlösung bezeichnet. Nach diversen Absagen trifft dies wohl durchaus zu. Allerdings ist die Lösung in Form von Spielern, die andere Teammitglieder bereits über längere Zeit kennen, nicht die schlechteste. Bastian und Loomit haben sich vor über vier Jahren kennen gelernt. Seit sie in Linden angekommen sind, machen sie Scherze und lachen sehr viel und sind völlig entspannt. CHEF-KOCH und sNej wirken nach ihrer Zeit bei Team64 ebenfalls wieder wie eine Einheit. Diese „Pärchen“ spielen dazu häufig dieselben oder ähnliche Positionen, sprechen sich ab und gehen auch gerne gemeinsam vor. Aber auch die Motivation, mit Leuten zu spielen, mit denen man schon vertraut ist, könnte einer der wichtigen Punkte werden. Nach dem letzten Versuch mit starken Einzelspielern, bildet dieses Team den genauen Gegenpart. Durch die Bekanntschaften untereinander kennen sie größtenteils den Spielstil der Mitspieler. An einigen Punkten muss zwar noch hart gearbeitet werden, aber die Motivation, dies zu tun, ist deutlich spürbar. Auf lange Sicht gesehen kann das Team, ähnlich wie es andere EPS-Teams vorgemacht haben, durch die Verbindungen unter den Spielern besser planen. Eventuelle Streitigkeiten können besser beseitigt oder durch frühzeitige Gespräche sogar gänzlich verhindert werden. Immerhin sollte jeder Spieler von mindestens einem anderen gut eingeschätzt werden können, um zu wissen, wann demjenigen etwas absolut nicht passt.Loomit: „Auch wenn das Team fast komplett neu ist, hat man dennoch das Gefühl, dass die Leute sich schon lange genug kennen, um eine erfolgreiche Mannschaft zu bilden. Mit Bastian habe ich ja nun schon einige Jahre meiner CS-Zeit zusammen verbracht und freue mich nun wieder auf gemeinsame Bootcamps, LANs und Spiele. Hinzu kommt noch, dass Bastian damals mit mooN in einem der ersten aTTaX-Teams eine erfolgreiche Zeit erleben durfte.“
Das zu den Verbindungen auf mooNs rechter Seite. Auf seiner Linken sitzen mit CHEF-KOCH und sNej auch zwei, die sich schon über längere Zeit kennen. sNej freute sich sehr darüber, als Cheffo ihn fragte, ob er nicht mit bei aTTaX einsteigen will. Nun will er die Chance „auf jeden Fall nutzen“.sNej: „Die Stimmung im Team ist super und ich denke, so wird es auch bleiben. Durch das Bootcamp konnten wir uns noch besser kennen lernen und einige Sachen besprechen, die uns auf jeden Fall weiterhelfen werden. Der Spaß an der Sache kam nicht zu kurz und es gab viel zu lachen. Auf eine erfolgreiche Saison!“
Später am Abend sagt er noch, dass es ihm viel mehr darum ginge, mit Leute zu spielen, mit denen man auf Events und beim Spielen Spaß haben kann. Reines „auf Erfolg Spielen“ käme für ihn motivationstechnisch nicht in Frage. Doch wie sieht das beim Rest des Teams aus? Grüppchenbildung könnte ja gerade durch diese Art der Zusammenstellung leicht vorkommen. Doch Stimmungsmäßig war dieses Bootcamp ein echter Hochgenuss. Egal, ob gerade bei einem kleinen schwedischen Cup ein „wunderbarer“ Ventrilo-Raum auf einem natürlich schwedischen Server erspielt wurde oder auf einem osteuropäischen Server die Gegner nicht „umfallen wollten“. Irgendjemand überspitzte die Kommentare so, dass wirklich das gesamte Team dem kollegialen Lachflash erlegen ist. Der Faktor „Spaß bei der Sache“, der auch eine wichtige Rolle für das längere Bestehen eines Teams spielen kann, kommt nicht nur aus Bastians Sicht nicht zu kurz.Bastian: „Jeder weiß, was zu tun ist, und auch, dass es nur mit Spaß allein leider nicht getan ist. Unser Ziel sind ganz klar die EPS Finals. Deswegen werden wir auch, wie das vorherige Team es vorgemacht hat, des Öfteren noch in Linden anzutreffen sein. Wir tun unser Bestes, es mit der Stimmung im Team so zu halten und wollen es gar nicht erst zu Streits kommen lassen. Wenn es klappt und wir die Saison so spielen, wie wir es uns vorstellen, dann werden wir uns auch gut gelaunt auf den Finals wieder sehen.“
Doch vor dem gemütlichen Teil des Wochenendes stehen natürlich auch einige Trainingsspiele, Map-Rotationen und auch der wohl wichtigste Part: Die Taktiken. Diese sind immer noch mooNs Ressort. Er leitet die Spieler ruhig, aber bestimmt, durch die entscheidenden Stellen der einzelnen Maps, gibt wichtige Hinweise und spricht die Spieler direkt an, wenn etwas nicht zu seiner Zufriedenheit läuft – egal, ob mitten im Spiel oder nicht. CHEF-KOCH gibt seine Hinweise eher in der gewohnten flapsigen und scherzhaften Art. Aber man merkt trotzdem, dass er sich seiner Rolle im Team bewusst ist und er mooN bei seiner Arbeit tatkräftig unterstützt. Mit seiner gewonnenen Erfahrung im letzten Team kann er auch beim neuen gegenlenken, falls es irgendwelche Probleme gibt, bevor diese zum Bruch führen können.CHEF-KOCH: „Das erste Bootcamp ist sehr erfolgreich verlaufen. Wir konnten uns Stück für Stück verbessern und werden das auch noch weiterhin tun müssen, wenn wir auf die Finals wollen. Ich hoffe, jeder aus dem Team wird an sich arbeiten, so dass wir unser gemeinsames Ziel erreichen können. Hoffentlich können wir auch auf ein paar Events im Ausland glänzen.“
Beim ersten Mal, dass dieses Team so zusammenkam, stimmte schon recht viel. Zwar mangelte es stellenweise noch an der richtigen Absprache oder dem komplett abgestimmten Zusammenspiel und bestechendem Timing, aber dieses Problem lässt sich mit der Zeit auch lösen.
Zum Vorteil kann es ihnen werden, dass auch die meisten anderen Teams mit Finals-Ambitionen umgestellt haben und somit auch noch nicht komplett im Training sind. Mit einigen weiteren Besuchen im Lanhaus, die schon geplant sind, kann hier etwas wachsen, was zwar nicht den sofortigen Höhenflug starten wird, aber dafür über die Konstanz, die diese Zusammenstellung hat, durchaus weit kommen kann. Am Ende wird wohl entscheidend sein, ob die Einzelspieler auch stark genug sind, um den Ansprüche, die nicht nur sie selbst an sich haben, zu genügen. Und wie Chucky es schon am Ende des Bootcamps sagte: „Warten wir mal ab, wie die ersten Spiele ausgehen“.








