Einer der Punkte des readmore-Talk am Montag war die Jugendarbeit der Clans und Teams. Alex ‚MadDog‘ Albrecht, Sven ‚Ferwoehner‘ Jakat und Peter ‚Chucky‘ Schlosser stritten und diskutierten. Am Ende hatten sie sich fast lieb.
readmore.de: MadDog, würde es Sinn machen eine zweite Liga zu integrieren, die unterhalb der EPS und über der EAS angeordnet ist, damit sich vermeintliche Aufsteiger schon mal an die Umgebung der EPS gewöhnen können und sich nicht nur für die heiße Phase zusammenfinden?
MadDog: Ich glaube, dass wir mit der ESL Amateur Series einen sehr soliden Unterbau für die ESL Pro Series haben. Hier können wir sicherlich in Zusammenarbeit mit den Teams noch Finetunings vornehmen, aber die geforderte Umgebung für den ESL Pro Series Nachwuchs sehe ich eigentlich schon geschaffen. Das Problem bei der Nachwuchsfrage sind aus meiner Sicht die Teams. Die Verantwortung kann nicht einzig bei der Liga gesucht werden.ID’Ferwoehner: Ich denke, wir haben schon gezeigt, dass wir unerfahrenen Spielern eine Chance geben und sie aufnehmen, wenn wir Potential sehen. Nehmen wir als Beispiel MuKuh, der letzte Saison gegen den Abstieg gespielt hat und nun die Chance hat, die oberen Tabellenregionen kennen zu lernen. Aber Alex hat im Großen und Ganzen Recht. Du hast immer das Risiko, mit einem jungem Team oder Spieler eine Niete zu ziehen.
MadDog: Sicherlich werden die Rohdiamanten abgegriffen und sind für Teams, die nicht die finanzielle Schlagkraft eines Alternate oder eines mousesports haben, interessant, aber eine konzeptionierte Jugendarbeit – und da sind wir uns, glaube ich, einig – existiert nicht mal auf dem Papier.
ID’Ferwoehner: Jo, das stimmt. Aber das CS-Geschäft ist meiner Meinung nach auch viel zu schnelllebig.
attax|chucky: Solange die ESL es uns nicht gestattet, ein Team jeweils in der EPS und EAS zu haben, sehe ich keine Möglichkeit, dass die etablierten Clans Nachwuchs fördern können. Außerdem bräuchte die EAS dann einen größeren Ansporn, denn ein Aufstieg des EAS Teams ist ja nicht möglich.MadDog: Ich bemühe das Beispiel Fußball ungern, aber die Jugendmannschaft des FC Bayern darf selbstverständlich auch nicht in die zweite Liga aufsteigen. Insofern erübrigt sich meiner Meinung nach die Forderung nach Zweitteams in der ESL Amateur Series, schon allein weil die Clanlandschaft in Deutschland dadurch nachhaltig beschädigt würde – meiner Meinung nach. Aber Nachwuchsteams zu kreieren und dann in Zusammenarbeit mit der Liga einen geeigneten Spielbetrieb für diese zu finden, das ist selbstverständlich möglich. Nur ich wiederhole mich, wenn ich sage: Der Ball wurde von keinem Team bisher ins Rollen gebracht und wir werden sicherlich keinem Team vorschreiben, eine Jugendmannschaft zu unterhalten.
ID’Ferwoehner: Ich glaube nicht, dass eine Jugendliga zustande kommen würde, da ich momentan einfach nicht die Qualität dafür sehe. Selbst wenn jedes EPS Team gewillt wäre, sowas zu stellen, halte ich es doch für sehr utopisch.
MadDog: Ich sag nur Rom und einen Tag und so 😉
attax|chucky: Erstes Problem einer Jugendmannschaft ist definitiv das Alter. Man müsste sich fünf 14-Jährige schnappen und sie regelmäßig trainieren, damit es wirklich effektiv ist.
Aber das geht in Deutschland ja leider nicht. Mit 16 möchten die meisten wohl schon in richtigen EPS-Teams spielen und haben einfach schon zu viel gespielt, um ihnen wirklich noch etwas beizubringen.
ID’Ferwoehner: Es gab doch auch dieses Projekt in Schweden, welches ins Wasser gefallen ist. (gemeint ist eine Jugendmannschaft aus 12-14-jährigen, die von einem erfahrenen Spieler trainiert werden sollte. Anm. d. R. )
MadDog: Naja, ich sehe das anders. Man kann genauso 16 als Startalter in den Raum werfen und dann hat er immer noch 8 Jahre bis er wahrscheinlich aufhört.
attax|chucky: Bis er aufhört, ja, aber die Meisten haben wohl mit 16 schon vier Jahre gespielt. Ich habe zumindestens mit 12 angefangen.
MadDog: Ja, aber ich glaube, es ist kein Hindernis, dann halt eine Ü16 zu machen.
ID’Ferwoehner: Jo!
MadDog: Wenn wir an eSport als Sport glauben und eine Nachhaltigkeit wünschen, kommen wir um dieses Thema nicht herum. Selbst wenn es keine einfachen Lösungen gibt.
attax|chucky: Aber du kannst keine Ü16 Spieler langfristig an einen Clan binden, wenn er keine Chance hat, irgendwas zu erreichen. Ist genauso mit einem deutschen Top-Team, wenn ein internationales Team im selben Clan ist.
MadDog: Und da sage ich, müssten sich Liga und Teams hinsetzen und gemeinsam sehen, was hier von Nöten wäre und wie man sich arrangiert. Man kann doch nicht warten, dass die Liga einfach mal das gemachte Nest hinlegt und den Teams die Gedanken aus den Köpfen entnimmt. Aber der Stein des Anstoßes muss doch das Team bringen, hier liegt der Großteil der Arbeit.
ID’Ferwoehner: Hm, es müsste einfach eine Initiative von Teams geben, die auf sowas Wert legen.
MadDog: Ich hoffe, es legen alle Wert darauf, eSport auch noch in 10 Jahren erleben zu dürfen und das geht ohne Nachwuchs nicht.
ID’Ferwoehner: Yep!
MadDog: Und um auf Zufälle zu hoffen, sind die Teams eigentlich schon zu weit. Hier muss konsequent geplant und gearbeitet werden.

