Nachrichten sind langweilig. Diese Sorge, so drängt sich der Gedanke auf, scheinen zumindest die Programmchefs bei GIGA zu haben. Denn auch GIGA hat eine Nachrichtensendung, „GIGA eSports News“, in der die Woche des elektronischen Sports rückblickend betrachtet und für den Zuschauer kompakt, sprich komfortabel, zusammengefasst wird.
Auch der englische Name „News“ kann es nicht ganz vergessen machen: Es handelt sich bei dem Sendeformat um 60 Minuten Nachrichten. Und hier kommt wieder die Angst ins Spiel, die Zielgruppe könnte sich bei einer vollen Stunde Nachrichten zwischendurch entscheiden, zum nächsten Musiksender zu wechseln und somit die Einschaltquote von GIGA zu senken. Eine berechtigte Sorge mag man denken, wenn man die ständigen Notstandsmeldungen über den Zustand der deutschen Jugend berücksichtigt. Das von den Feuilletons der Republik als „Unterschichtenfernsehen“ bezeichnete Programm erfreut sich großer und weiterhin wachsender Beliebtheit, das Wort Nachrichten passt in diesen Fernsehgeschmack nicht wirklich hinein.
Es muss also etwas getan werden, um den Zuschauer über die volle Sendezeit an die Lippen der Moderatoren zu fesseln. Da liegt die Überlegung nahe, das Publikum während der Sendung zu unterhalten und es aktiv einzubinden. Hier werden gleich mehrere Möglichkeiten umgesetzt: Einerseits werden die F-Tasten mit unglaublich lustigen Sounds jeglicher Couleur belegt, zum Beispiel mit einem mitreißenden Filmzitat, einem zu Halloween passenden Schrei oder einer anderen unterhaltsamen Mp3-Datei. Das ständige Wiedergeben im Zusammenspiel mit den passenden Kommentaren sorgt schon einmal für gehörig Abwechslung und vertreibt das Flair der Tagesschau, bevor dieses überhaupt aufkommen kann.
Andererseits eignen sich auch Videos hervorragend, um die Sendung, die ja nur allzu schnell zu trocken wirken könnte, weiter aufzulockern. Auch hier bieten sich wieder verschiedene Möglichkeiten, welchen Bezug die Videos aufweisen können: Zum eSport, zu Computerspielen allgemein oder überhaupt kein virtueller Bezug. Hauptsache ist, sie sind frei auf diversen Internetseiten herunterladbar oder werden auf YouTube.com angeboten.
Nun stellt sich die Frage, welcher Art die Videos, welche GIGA während seiner Sendung zeigt, sein sollen, also bewusst gewählt sind, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Und es stellt sich die Frage, welcher Art sie sein dürfen, also wo die Grenzen zu ziehen sind zwischen Unterhaltung und Unmoralischem.
Bei einer nicht näher identifizierbaren Vogelart, dessen Männchen sein Balzverhalten so zeigt, indem es einen perfekten Moonwalk auf den Ast legt, bei dem selbst Michael Jackson in Hochform den Hut ziehen würde, lässt sich mit einem schmunzelnden Auge eindeutig sagen, dass hier das Ziel der Unterhaltung eindeutig erreicht wird. Stark zu denken aber gibt ein Video, das die Grenzen des guten Geschmacks weit hinter sich lässt. Dort hat sich nämlich ein Spieler von Rollercoaster Tycoon etwas ganz perfides einfallen lassen: Seine Achterbahn ist so konstruiert, dass sie eine Schlange wartender Besucher der Reihe nach überfährt. Der Betrachter hat dabei den fragwürdigen Luxus, das virtuelle Massaker aus allen erdenklichen Kameraperspektiven zu betrachten. Nur die Ineye-Perspektive der Besucher fehlt aus gutem Grund, denn die werden hinterrücks niedergefahren.
Ob man diese Art der Kunst nun lustig findet oder nicht, sollte jedem selbst überlassen sein. Für einen Fernsehsender, der diesen Film aber in seiner Sendung abspielt und dabei auch noch zwischen den „besonders interessanten“ Szenen hin- und herspult, besteht diese Wahlmöglichkeit genau genommen nur bedingt: Wenn er sich auch nur ein kleines bisschen ernst nimmt und auf irgendeine Art wertbildend sein möchte, dann zeigt er dieses Video nicht. Tut er es doch, dann fehlt entweder diese Ernsthaftigkeit, oder die Redakteure, welche die Videos auswählen, machen sich zu wenig Gedanken über ihren persönlichen Geschmack.
Der die Sendung abschließende Satz, man könnte ja auch mal einen ganzen Tag „eSports News“ machen, lässt einen kleinen Schrecken zurück: Welcher Art mögen die Videos erst sein, die den Besucher nicht nur eine, sondern viele Stunden an die Nachrichten des elektronischen Sports fesseln sollen? Nötig hätten sie es nicht, denn die Moderatoren sind eigentlich selbst in der Lage, eine Sendung interessant und angemessen zu gestalten.