Die shgOpen steht an, so richtig viel weiß man ja nicht gerade über das Turnier. Irgendwo in Dänemark ist es, ordentlich Asche, viele Topteams und achja letztes Jahr gabs auch schon eine. Nicht wirklich viel; über die CPL weiß der Otto-Normal-eSportler da schon deutlich mehr.
Gründe dafür gibt es viele. Im Gegensatz zur CPL, bei der Gründer Angel Munoz sein Konterfei in jede nur erdenkliche Kamera hält und die größten Töne spuckt, richtet sich die shgOpen direkter an Spieler und nicht an Zuschauer. Frei von ablenkenden Nebenevents soll der Besucher in allererster Linie eSportler sein.
Dafür, dass auch den unbegabten Teams nach dem Ausscheiden nicht langweilig wird, sorgt ein hierzulande kaum bekannter Modus. Um weiterhin die Motivation der Ausgeschiedenen der ersten Gruppenphase aufrecht zu erhalten, wird für sie ein eigenes Turnier, das sogenannte B-Turnier, ausgetragen, in dem salopp formuliert der Einäugige unter den Blinden gesucht wird. Hinzu kommt die doch recht junge Geschichte des dänischen LAN-Turniers, 2005 feierte die shgOpen Premiere. Den Grundstein legte der dänische Computerversand shg.dk A/S, vergleichbar hierzulande mit Alternate, schon im Jahr zuvor. Die seit 1997 bestehende Firma wollte mit diesem Konzept ihren Kunden etwas zurückgeben und das tat sie: Schon auf dem ersten Event wurden 7.000€ an die Teilnehmer verteilt. Nicht aber etwa in Form von Sachpreisen, wie man es von vielen deutschen Lans kennt, sondern in Geldpreisen. Dennoch fanden nur dänische Teams den Weg nach Aarhus. Gewonnen hat schlussendlich ein Mixteam, größtenteils bestehend aus dem noch taufrischen SK Gaming.dk. Wahrgenommen hat das außerhalb Dänemark kaum einer, selbst der Jubel des Gewinners fiel eher mau aus.Im Jahr darauf war dann schon deutlich mehr los. Zwar blieb es bei etwa 400 Teilnehmern, aber es häuften sich Anmeldungen aus dem europäischen Ausland.
Die Aufstockung des Preisgelds auf 46.000€ lockte die Teams an wie Motten das Licht. Ein weiterer Grund für die Beliebtheit ist, dass den Teams die Siegprämie unmittelbar nach dem Turnier ausgezahlt wird. Selbst nach den obligatorischen Absagen, die die CS-Szene mit sich bringt, blieb ein beachtliches Teilnehmerfeld zurück. Diese Umstände sorgten auch dafür, dass die shgOpen nun in aller Munde waren. So gut wie alle Szeneseiten berichteten vorab und während des Turniers, auch readmore.de war vor Ort. Von den vier Teams aus Deutschland kam aTTaX mit dem sechsten Platz noch am weitesten, NoA gewann vor fnatic und Serious Gaming.Für die dänischen Teams hat die shgOpen ab sofort noch eine ganz andere Bedeutung. Ende letzten Jahres wurde die Dansk eSport Pro Tour ins Leben gerufen, eine LAN-Liga mit derzeit sechs Stops. Die diesjährige shgOpen bildet den krönenden Abschluss. Am Auftakt der Tour nahm sogar ein deutsches Team teil – mTw. Über einen dritten Platz kamen die Deutschen aber auf der auf Battle It getauften Lan nicht hinaus. Gewonnen hatte damals NoA, die Dänen führen, trotz nur vier Teilnahmen an den bisherigen fünf Veranstaltungen, derzeit auch die Gesamtrangliste der Dansk eSport Pro Tour an. mTw ist nicht platziert, das bleibt einzig und allein dänischen Teams vorbehalten. Platzierungen ausländischer Teams werden rausgefiltert und entsprechend der Stärke eines Events werden Punkte verteilt. So gibt es auf der shgOpen fast doppelt so viele Punkte zu holen, wie auf der Battle It. Bisher dient die Rangliste leider nur statistischen Zwecken, Preisgeld für die ersten Teams oder ein Finalevent sind bislang nicht geplant. In allererster Linie soll der Verband und das Ranking der dänischen eSport-Szene Halt und Konstanz geben und dem ständigen Auflösen von Teams entgegenwirken.
2007 scheint die shgOpen vollends im eSportevent-Olymp angekommen zu sein. Noch einmal wurde das Preisgeld um 20.000€ erhöht, mit Enemy Territory, Battlefield 2 und Call of Duty 2 wurden gleich drei neue Disziplinen aufgenommen. 2006 wurde erstmals auch Source gespielt, für das es dieses Jahr auch Preisgeld gibt. Angesichts der Anstürme an hochkarätigen Topteams stellt sich viel eher die Frage, wer den Weg nach Kopenhagen nicht antritt. Zumindest aus Europa lassen sich die Topteams ohne Fahrschein an einer Hand abzählen. War die shgOpen letztes Jahr noch ein willkommenes Pflaster für ein erstes Abtasten der neuen Lineups und ein Warmspielen für die Sommerevents, erwartet uns dieses Wochenende im noch frühen Jahr zweifelsohne das erste absolute Topevent.

