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Interview mit cogu und vesslan

cogu und vesslan im Finale der shgOpen

cogu und vesslan im Finale der shgOpen


Mit ihrem Sieg auf den shgOpen überraschten die Spieler von Made in Brazil die gesamte eSport-Welt. Immer in der Nähe des Teams war die schwedische CS-Legende vesslan, der bis 2004 aktiv spielte und anschließend Made in Brazil trainierte. Direkt nach der Siegerehrung setzte sich readmore.de mit Johan ‚vesslan‘ Ryman und MiBRs Teamkapitän Raphael ‚cogu‘ Camargo in eine ruhige Ecke und sprach mit beiden über das vergangene Wochenende und den eSport in Brasilien.

readmore.de: Herzlichen Glückwunsch zum Sieg der shgOpen! Wie hast du das gerade zu Ende gegangene Finale gegen Pentagram gesehen? War es das erwartete schwere Spiel?

cogu: Um ehrlich zu sein, habe ich das Finale schwieriger erwartet, als es tatsächlich war. Die Map de_inferno konnten wir ja klar für uns entscheiden. Auf de_nuke wurde es dann deutlich härter, obwohl dies eigentlich unsere Mapwahl war, de_inferno dagegen eigentlich unsere schwächste Map. Doch obwohl wir auf de_nuke beide Pistolenrunden verloren, haben wir es trotzdem geschafft, was mich sehr glücklich macht.

readmore.de: Mit welchen Erwartungen seid ihr in das Turnier gegangen?

cogu: Wenn wir Counter-Strike spielen, dann wollen wir auch gewinnen, das ist doch klar. Aber das sollte auch das Ziel von jedem Team sein, welches CS spielt und an einem Turnier teilnimmt. Dass ein Sieg schwer sein würde, war uns natürlich klar. Aber um erfolgreich zu sein, muss man sich auch hohe Ziele setzen.

readmore.de: Wie habt ihr euch auf das Finale vorbereitet?

cogu: Vor dem Spiel war es natürlich zu spät, noch spezielle Taktiken zu entwickeln. Wir haben aber noch schnell ein paar Demos angeschaut und vor allem viel miteinander gesprochen, wie wir das Spiel angehen wollen.

vesslan: Wichtig ist meiner Meinung nach gar nicht, dass ein Team die besseren Taktiken hat oder vom Skill her dem Gegner haushoch überlegen ist. Am Ende entscheidet einzig und allein die Einstellung, wie man in eine Partie geht. Und da ist es besonders wichtig, viel mit einander zu sprechen. Der unbedingte Wille zum Sieg ist es, was ein Topteam auch wirklich zum Titel führt.

readmore.de: Wie würdest du euren Spielstil beschreiben?

cogu: Grundsätzlich spielen wir sehr ruhig. Das bedeutet aber nicht, dass wir in jeder Runde und in jeder Situation abwarten und auf den Gegner reagieren wollen. Wenn es notwendig ist, können wir auch agressiv spielen und den Gegner unter Druck setzen. Es ist also ein gemixter Stil, den wir spielen. Wir haben uns auf das Turnier mit einem zweiwöchigen Bootcamp in Stockholm vorbereitet und dort natürlich auch etwas von unseren Strategien offenbaren müssen. Deshalb haben wir hier in Kopenhagen noch ein paar Dinge verändert, die zu diesem Stil geführt haben.

readmore.de: Was war der Schlüssel zum Erfolg?

vesslan: Auf de_inferno war es meiner Meinung nach ganz klar die Defensive. Durch cogus starke AWP, in meinen Augen ist er der beste AWP-Spieler der Welt, konnte er quasi alleine den kleinen Spot decken und die anderen Vier konnten sich auf den großen Spot konzentrieren. So war es uns in vielen Situationen möglich, den kleinen Spot zurückzuerobern, weil cogu zuvor mehrere Gegner aus dem Spiel nahm.

readmore.de: Wie sieht euer Trainingsalltag in Brasilien aus?

cogu: Das ist nicht so einfach. Dadurch, dass wir das bekannteste und erfolgreichste Team Brasiliens sind, wollen die anderen Teams nicht mit uns trainieren und gegen uns spielen. Das ist sehr eigenartig, denn bis auf die Qualifikationen zu den großen Turnieren gibt es ja in Brasilien gar keine nennenswerten Wettbewerbe, in denen wir gegen sie spielen könnten. So kommt es, dass wir in Brasilien nicht richtig trainieren, sondern dafür fast immer nach Europa fliegen.

readmore.de: vesslan ist euch während dem Turnier nur selten von der Seite gewichen. Wie ist euer Verhältnis zueinander?

cogu: vesslan ist ein sehr guter Freund von uns, der uns während der Zeit in Europa mit Rat und Tat zur Seite steht, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Während unseres Bootcamps in Schweden war er quasi unser Trainer, auch wenn er das nicht mehr hauptberuflich macht, so wie es in der Vergangenheit schon der Fall war.

readmore.de: Du steckst also nach wie vor mit Leib und Seele im Spiel?

vesslan: Ich habe vier Jahre lang acht Stunden täglich Counter-Strike gespielt, da bleibt schon etwas hängen (grinst). Aber im Ernst, ich gebe den Spielern ja nich in erster Linie Tipps, wie sie ihr Movement verbessern. Da kann ich ihnen ohnehin nichts mehr vormachen. Vielmehr spreche ich mit den Jungs über die grundsätzlichen Dinge, die in meinen Augen ganz entscheidend sind.

readmore.de: Wie wichtig ist zum Beispiel die Einstellung der Spieler?

vesslan: In den entscheidenden Spielen, wie zum Beispiel dem Finale gerade, ist die mentale Stärke ein Faktor, den man gar nicht überschätzen kann. Der Anteil beträgt in so einem Spiel, das auf einer Bühne stattfindet, meiner Meinung nach sogar 50%. Andere Teams denken viel zu viel über Details nach, wollen jede Aktion im Spiel vorher planen. Der Schlüssel aber ist die Mentalität der Spieler, das hat MiBR zumindest einen echten Vorteil verschafft.

readmore.de: Welchen Teams hattet ihr vor dem Turnier noch gute Chancen eingeräumt?

cogu: Pentagram war im vergangenen Jahr sehr stark, von denen haben wir eine Menge erwartet. Aber auch die schwedischen Teams wie fnatic oder Begrip waren auf unserer Rechnung. Gerade fnatic ist ein großartiges Team mit sehr starken Spielern.

vesslan: Das größte Problem von fnatic ist die Tatsache, dass sie zu wenig verändern. Ihr Spiel ist immer gleich und nicht variabel genug. Das können sie zwar durch die starken Einzelspieler oft kompensieren, wenn sie aber mehr verändern würden, wären sie noch stärker.

readmore.de: Wie sieht der eSport im Allgemeinen in Brasilien aus?

cogu: Nun ja, er unterscheidet sich schon stark von dem in Europa. Das liegt wohl an der Mentalität, die hier einfach anders ist. Die brasilianischen Jugendlichen denken in erster Linie an andere Dinge, folglich ist eSport hier eher eine Randerscheinung, die man wenn überhaupt als Hobby bezeichnen kann. Dazu kommt halt noch, dass es hier nur sehr wenige Turniere gibt, die dann meist nur eine Qualifikation zu einem großen Turnier darstellen.

readmore.de: Wie trainiert ihr dann in Brasilien?

cogu: In Brasilien trainieren wir nicht wirklich ernsthaft, sondern spielen eigentlich nur zum Spaß. Wir reisen viel und sind oft in Europa. Dort wird dann sehr viel traniert, im Normalfall mehr als sieben Stunden am Tag und der Aufenthalt beträgt meist zwei Monate oder länger, bis wir wieder nach Brasilien fliegen.

readmore.de: Kann man also davon ausgehen, dass ihr Vollzeit-Spieler seid?

cogu: Ja, ein Studium nebenher zu machen, ist so nicht möglich. Dafür sind wir zu lange von Brasilien weg. Auch wenn unser Gehalt sicher nicht so hoch ist wie das europäischer Topspieler, leben wir vom eSport, dafür ist das Preisgeld in Brasilien ja auch mehr wert als in Europa.

readmore.de: Nach dem ESWC wurden bei euch etliche Veränderungen vorgenommen. Was waren hierfür die Gründe?

cogu: Das war eigentlich ein ganz normaler Vorgang. Durch unseren Sieg beim ESWC ging unsere Motivation erheblich verloren, aus diesem Grund mussten wir Veränderungen vornehmen. Wir haben aber wie ich finde guten Ersatz gefunden und sind nun wieder voll motiviert, große Erfolge zu feiern.

readmore.de: Wer steht hinter Made in Brazil? Es gibt hierüber ja genügend Gerüchte.

vesslan: Der Mann hinter MIBR, ist jemand, den ich gerne als „Firesoul“ bezeichne. Jemand, der mit Leib und Seele hinter dem eSport steht, an sein Potenzial glaubt und hinter den Spielern steht. Er steckt viel Geld und Arbeit in das Team, was natürlich auch zu einer hohen Verantwortung für die Spieler führt.

readmore.de: Glaubst du, dass es einen Unterschied zwischen dem europäischen und brasilianischen Spielstil gibt?

cogu: Den gibt es mit Sicherheit, bei uns kommt aber auch hinzu, dass wir viele junge Spieler im Team haben. Die denken oft gar nicht richtig darüber nach, ob sie in einer bestimmten Situation nun besser dies oder jenes machen sollten. Vielmehr handeln sie instinktiv, lassen sich von ihrem Gefühl leiten. Das finde ich sehr positiv.

readmore.de: Was werdet ihr nun in den nächsten Wochen tun?

cogu: Wir fliegen nicht sofort nach Brasilien zurück, sondern spielen als nächstes eine LAN in Schweden. Anschließend ist noch die digiLab in Norwegen geplant, ehe es zurück nach Brasilien geht. Danach folgt dann wieder ein Bootcamp in Schweden, um uns auf die großen Turniere vorzubereiten.

readmore.de: Vielen Dank für das Gespräch.

Links

  1. eNmety #1
    4 Jahre lang, acht stunden täglich CS zu spielen ist schon hart :)

    Naja man sieht ja was aus ihm geworden ist
    Magiczet #3
    nettes interview
    sL1De #5
    schönes interview....
    radde_1727 #7
    Studium haben sie also nicht, aber was machen die dann? Arbeit/Ausbildung wohl auch kaum, oder welcher Arbeitgeber gibt einfach mal 2 Monate Urlaub. Was wird mit denen, wenn sie aus dem eSports-Alter rauswachsen? :/
    mrklf #8
    er hat in den 4 jahren 11392 Stunden CS gespielt :D
    ner0 #9
    was ein leben die haben krass :D
    1337|Insid0r #10
    Am Ende entscheidet einzig und allein die Einstellung, wie man in eine Partie geht. Und da ist es besonders wichtig, viel mit einander zu sprechen. Der unbedingte Wille zum Sieg ist es, was ein Topteam auch wirklich zum Titel führt.

    Hat man ja auch bei attax06 gesehen und irgendwie vermisst man das zur Zeit bei den deutschen Teams.
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