„Denn ich hab ja auch 100 Prozent Geschmack und zero Prozent Zucker!“ So begründet ein junger Mann in einem wirren Werbespot seine Forderungen nach einem Wochenende, das schon am Mittwoch beginnt oder danach, dass Liebesfilme bei Frauen realistische Erwartungen erwecken. Spätestens, als er sich so unrealistisch wie in einem schlechten Film auf das Dach eines Linienbusses schwingt, fragt sich der Zuschauer unweigerlich: Wen zum Teufel wollen die mit dieser Werbung eigentlich ansprechen?
Eine berechtigte Frage, gibt es doch seit einer Ewigkeit Coke light und damit ein Frauengetränk allererster Güte, welches sich hoher Beliebtheit erfreut. Warum also überhaupt Coke zero? Und seit wann beschäftigt weibliche Kalorienzählerei den eSportler? Dass es jetzt auch kalorienfreie Cola für das starke Geschlecht gibt, ist zumindest eine Vorstellung, die der Gewöhnung bedarf. Bislang galt doch seit jeher der Grundsatz: Echte Coke für den echten Mann, was sonst? Oder etwa nicht?
Man könnte sich denken, Coke zero sei die Antwort der Getränkeindustrie auf die ewigen Vorwürfe, Cola mache dick und zu viel Zucker sei zweifelsfrei ungesund. Da aber Coke light seit jeher unwiderruflich als Frauengetränk gebrandmarkt ist, dessen Genuss jeden Mann sofort in den Bereich der Metrosexualität drängt und ihn dem Vorwurf des Schwulseins auszusetzen droht, bedurfte es eben eines neuen Produkts. Etwas, das im Prinzip nichts anderes als Coke light ist, aber ein besseres Image hat.
Dieses Image versuchte Coca Cola offenbar am Wochenende in Dänemark auf der shgOpen bei einem Teil der Zielgruppe nachhaltig zu manifestieren. Tonnenweise Coke zero wurde auf die LAN-Party gekarrt und dort von nett gekleideten Damen sogar bis an den Spielplatz der Gamer gebracht. Coke zero auf dem Silbertablett quasi. Schon nach kurzer Zeit türmten sich auf allen Tischreihen der LAN die leeren Dosen und immer wieder beobachtete man, wie Spieler mit ganzen Vorratsladungen unter dem Arm vom Messebereich Richtung Computer gingen.Also sah man sie irgendwann auch vor sich selbst stehen, die erste Dose Coke zero. Na gut, probieren geht über studieren und eine extra Portion Koffein gegen die Müdigkeit kann ja auch nicht schaden, waren die Hauptargumente, die für das Probieren den Ausschlag gaben. So ganz bedenkenfrei durfte man sich ja schließlich nicht von Werbung umpolen lassen. Doch die Erkenntnis kam ebenso rasch wie überraschend: Ordentlich gekühlt schmeckt Coke zero gar nicht schlecht, wie „echte“ Coke quasi. Erstaunlich, wie schnell man sich hiervon überzeugen lässt.
Diese Erkenntnis schien sich nicht nur auf readmore.de-Redakteure zu beschränken. Egal wohin man am Wochenende schaute, überall türmten sich auf der shgOpen leere Coke-zero-Dosen. Die Werbestrategie von Coca Cola scheint voll aufgegangen zu sein, das neue Produkt von den anwesenden Spielern angenommen. Auch wenn die Reichweite der Aktion natürlich nicht so groß ist wie Fernsehwerbung, Aufwand und Nutzen scheinen sich in den Augen des Getränkeherstellers durchaus gelohnt zu haben. Der eSportler als werberelevante Zielgruppe scheint sich somit immer mehr in das Bewusstsein eSport-ferner Firmen zu rücken. Und der Selbstversuch gibt ihnen sogar recht.
