Ende 2005 ging ein Ruck durch die eSport-Szene: Aus dem Nichts entstand mit der eSport-Bundesliga eine neue Liga, die mit hohen Preisgeldern lockte und sich trotz der in der Branche unbekannten Gesichter schnellstens zu etablieren versuchte. Zunächst wurde dieses Unterfangen noch von vielen belächelt, mit der Zeit wurde aber klar, dass die ESBL es ernst meinte. So verstärkte man sich mit einigen eSport-erfahreneren Mitarbeitern, die das Konzept optimieren und den reibungslosen Saisonablauf gewährleisten sollten. Gespielt wurden zunächst Counter-Strike und FIFA. Die Liga erfreute sich trotz einer Teilnahmegebühr einer durchaus großen Beliebtheit, was nicht zuletzt an den hohen Preisgeldern gelegen haben dürfte. Die benötigten Summen wurden zum Teil durch Investoren finanziert und ausgezahlt – so weit so gut.
In der zweiten Saison wollte die ESBL wohl aus dem Schatten der ESL heraustreten: Es begann eine Zusammenarbeit mit dem DSF. Hier stellt sich die Frage, ob das DSF wirklich Interesse hatte, den eSport zu fördern oder ob die ESBL nicht wie andere Sendungen einfach einen Sendeplatz gekauft hatte. Doch Einschränkungen wurden vom Sender gestellt: Counter-Strike musste aus dem Programm. Dies wurde auch auf dem eSport-Forum 2006 von DSF-Verantwortlichen nochmals klar gesagt. Dort zeigte sich auch, wie uninformiert das DSF in Sachen eSport wirklich ist, da die Vertreter mehrere Falschaussagen getroffen und unter anderem gerne mit dem Begriff „Killerspiele“ um sich geworfen haben, was wenig erstaunlich für eine angespannte Atmosphäre unter den Zuschauern gesorgt hatte.
Also beschränkte sich die ESBL ausschließlich auf FIFA, schließlich konnte man durch die TV-Präsenz deutlich an Attraktivität gewinnen. Und tatsächlich: Mit einem derart starken Mediapartner gelang es der ESBL, weitere Sponsoren an Bord zu holen, unter anderem Arcor als Hauptsponsor. Man ging aber noch eine Stufe weiter: Die eSport-Bundesliga entschied sich dafür, ihre Spieler selbst zu vermarkten, wobei die Spielervermarktung genau genommen über eine eigene GmbH lief. Für die erste und zweite Bundesliga galt, dass alle Spieler exklusiv in der ESBL spielen mussten. Um ein hochkarätiges Teilnehmerfeld gewährleisten zu können, wurde dabei auch versucht, Spieler aus ihren laufenden Verträgen herauszukaufen oder sogar Vertragsstrafen in Kauf zu nehmen. Es entstanden Werksteams; so wurde mit Alex ‚gamerno1‘ Holzhammer auch eine eigene (Ein-Mann-)Mannschaft unter dem Namen Arcor Electric Eleven gegründet, ebenso wie es mit vielen der anderen Liga-Sponsoren der Fall war. Dabei bekamen die Spieler direkt von ihren Werksteams ein monatliches Gehalt, dessen Summe bis zu 2500€ betragen haben soll.
Als Clan konnte man auch ein eigenes Werksteam für die eSport-Bundesliga stellen, jedoch nur gegen eine nicht gerade geringe Summe Geld: Neben einigen tausend Euro Startgebühr für Clans ohne Sponsoren im Namen und über 17.000 Euro für Clans, die in ihrem Namen ein Unternehmen bewerben mochten, mussten auch die wöchentlichen Anreisekosten nach Berlin, wo die Matches ausgespielt wurden, übernommen werden. Wer jedoch nun denkt, dass mTw, der einzige Clan, der in der ESBL vertreten war bzw. ist, gerade zu viel Geld über hatte, der irrt sich: Es heißt nämlich, die Partizipation sei für mTw kostenlos gewesen, so lange der Clan im Gegenzug über die TV-Liga berichtet und die Spieler, die sie selbst noch unter Vertrag hatten, zur ESBL ziehen lässt. Anders verlief es bei SK Gaming; Vorzeigespieler hero zog seine Teilnahme nach kurzer Zeit zurück. Jedenfalls auch mit mTw als Undercover-Partner lief die Sendung zunächst eher mit mäßigem Erfolg an. Gerade Playmate Jana Ina kam bei der Mehrzahl der Zuschauer nicht gut an, weshalb sie das Feld nach kurzer Zeit räumen musste, einhergehend mit diversen kleineren Veränderungen am Konzept. Nach der vierten Sendung erreichte die ESBL auf DSF schließlich eine gute Qualität und damit verbunden auch gute Einschaltquoten – eSport im TV schien zu funktionieren!
Doch ganz so rosig war die Situation der eSport-Bundesliga in Wirklichkeit nicht. Im Dezember traten erste Zahlungsschwierigkeiten auf, Spieler mussten eine Zeit lang auf die Erstattung ihrer Reisekosten warten und auch der Games-Convention-Auftritt dürfte das Budget wohl gesprengt haben. Konstant häuften sich immer mehr Schulden an, zum Ende der Saison handelte es sich angeblich um Summen im hohen sechsstelligen Bereich. Keine guten Aussichten für die Zukunft, aber die Firma Gate Marketing, die wahrscheinlich durch Arcor in das Geschehen eingeweiht wurde, nahm sich vor, die eSport-Bundesliga vor dem Niedergang zu retten.
Die ersten Folgen: Heinrich Bergen verabschiedete sich aus dem operativen Geschäft, blieb aber weiterhin Geschäftsführer. Stattdessen übernahm Alexander Anhuth das operative Geschäft; mit Toni Kaiser verabschiedete sich eine im eSport gut bekannte Persönlichkeit aus dem Projekt, andere Mitarbeiter gingen ebenfalls – wahrscheinlich ahnten sie schon Böses. Das verbliebene Personal musste unter den weitreichenden Veränderungen bei der ESBL leiden: Mit vielen Mitarbeitern wurden Auflösungsverträge vereinbart oder es wurde einfach gekündigt. Unter den Gekündigten befanden sich auch Azubis, denen in der Probezeit einfach fristlos gekündigt wurde.
Des Weiteren wurden die Büroräume im Opel-Building in Eschborn bei Frankfurt am Main, wo die ESBL in zwei ganzen Stockwerken untergebracht war, gekündigt. Die GmbH zog nach Gießen um. Zu guter Letzt sollte das Programm optimiert werden: Ab sofort sollten die Spieler nur noch alle zwei Wochen nach Berlin reisen, an Ausstrahlungszeit und -ort sollte sich jedoch nichts ändern. Es wurden neue Verträge zwischen der ESBL GmbH und den Spielern gemacht.
Aufgrund bekannter Fristen, deren Verstreichen wahrscheinlich ein Verfahren wegen Insolvenzverschleppung zur Folge gehabt hätte, musste Heinrich Bergen am 19. Februar 2007 Insolvenz anmelden. Eine Insolvenzbeauftragte wurde vorläufig mit der Verwaltung, Sichtung und Sicherung des Vermögens der ESBL beauftragt. Man kann vermutlich immer noch mit Schulden im sechsstelligen Bereich rechnen.
Zusammen mit Gate Marketing wurde nun eine neue GmbH gegründet, die den Namen „eSport Bundesligen Betriebs- und Vermarktungs-GmbH“ trägt. Der Ligabetrieb sollte fortgeführt werden, eine neue Saison wurde mit einem Kickoff-Event im CineStar eingeläutet. Dieses wurde bereits komplett mit neuen Logos, Trikots und unter dem neuen Namen ausgetragen, es darf nämlich nichts an die alte GmbH erinnern, deren Rechte bei der Insolvenzbeauftragten liegen. Einige Tage später wurde eine neue Homepage online gestellt, schließlich gehören die alte Website und die Domains auch der alten, insolventen ESBL GmbH und sollten folglich in Kapital umgewandelt werden.
Die Spieler wurden bei der neuen Firma wieder unter Vertrag genommen. Doch nun gibt es ein Problem: Die Spielerverträge, die mit der alten ESBL GmbH unterzeichnet wurden, liegen wohl bei der Insolvenzbeauftragten, und falls diese ihre Gültigkeit nicht verloren haben, könnte die Teilnahme an einer anderen Liga wie der neuen eSport-Bundesliga verboten werden, was einen kompletten Stillstand des Spielbetriebs zur Folge hätte. Mit ähnlichen Problemen dürften sich auch viele Spieler ärgern, die in der letzten Saison versucht haben, sich in den unteren Ligen hochzuspielen und darin viel Geld und Zeit investiert haben. Denn inwieweit dies für die neue GmbH verwendet werden wird, ist mehr als fraglich, da die Rechte an diesen Daten weiterhin bei der alten Firma und deren Insolvenzverwalterin liegen. Somit müssten sich wohl alle Spieler neu anmelden und von Neuem beginnen, wobei sich viele sicherlich die Frage stellen werden, ob sie der neuen Liga wiederum ihr Vertrauen schenken.
Es ist fraglich, inwiefern es gegenüber den Gläubigern rechtens ist, die Konzepte und die Ideen der insolventen Firma weiter zu verwenden und die Schuldner zurückzulassen, denn die Ideen, Konzepte und Partner waren scheinbar das einzige noch Wertvolle an der ESBL GmbH. Diese hätten von der neuen GmbH herausgekauft werden müssen, um so zumindest einen Teil der Schulden zu decken. Denn so viel steht fest: Es gibt Schulden, und diese sind gar nicht mal so gering. Im Moment wird seitens der Insolvenzverwaltung erwogen, wie das weitere Vorgehen aussehen soll. Alles ist möglich, selbst eine Klage.
Die eSport-Bundesliga befindet sich aktuell also auf sehr dünnem Eis. Wie es mit ihr weitergehen wird, bleibt abzuwarten. Die neue Saison ist jedenfalls bereits in vollem Gange, wenn auch mit einem neuen Erscheinungsbild. Ein neuer Sendeplatz ist jedoch bisher noch nicht veröffentlicht worden. Es bleibt abzuwarten, ob die Sendung weiterhin auf DSF gesendet wird oder man gezwungen sein wird, einen neuen Partner zu finden. Es ist zwar nicht die Art eSport, die man als eingefleischter eSport-Fan gerne vorbehaltslos unterstützen möchte, aber das Produkt „eSport-Bundesliga“ ist an sich nicht schlecht. Dies macht sich auch darin bemerkbar, dass angeblich Pro7 und MTV Interesse an der Sendung gezeigt haben sollen.
Ob weitere geplante Projekte, wie z.B. das Integrieren anderer Sportarten (American Sports) und das Implementieren einer europäischen Champions League weiterhin unter der neuen Firma durchgeführt werden, ist unklar. Hier spielt mit Sicherheit auch der weitere Verlauf des Insolvenzverfahrens eine wichtige Rolle.