Cheating ist eine Todsünde und wird mit Verachtung, Hohn und Ausschluss aus der Szene geahndet. Man handelt in dem Wissen, dass andere Leute sich durch unfaire Mittel einen Vorteil verschaffen. Diese Annahme ist berechtigt, allerdings ist der Gedankengang, Cheaten wäre einfach, nicht unbedingt richtig.
Will jemand Cheaten, so braucht er zum Anfang seiner kriminellen Laufbahn erstmal den Cheat selbst. Denn ohne Programm kein Vorteil. Dies stellt einen Großteil, der in Frage kommenden Personen, schon mal vor eine kleine Hürde, denn die wirklichen Cheat-Seiten sind nicht so einfach zu finden. Da hilft „mal eben“ googeln auch nicht weiter. Eine Seite, die den meisten Leuten geläufig sein wird, ist cs-***.org. Schaut man in deren Download-Sektion wird man aber nicht von der Qual der Wahl erschlagen, sondern findet eventuell einen einzigen Cheat. Und der kann noch nicht mal wirklich viel. Ein Wallhack, keine Smokes und die Sonnenbrille bei Flashes. Das ist alles was im Anfängerpaket dabei ist.
Will man aber einen „richtigen“ Cheat haben mit allem Extras und Features, muss man schon gründlicher suchen, früher oder später wird man dann aber doch fündig. Der erste ESP mit Wallhack, Aimbot und allen nötigen Extras. Man installiert das Gerät, geht auf den Server, drückt eine Taste und los gehts, meint man zu mindestens. Die Realität sieht allerdings anders aus. Es klappt ein Menü herunter, gefühlt einen halben Meter lang, mit vielen verschiedenen Settings und Einstellungen. Wer jetzt los läuft und die ersten Gegner killen will, wird keine zwei Minuten auf dem Server bleiben. Denn der tolle ESP schießt von alleine, aimt durch alle Wände auf die Gegner und verteilt nur Headshots. Offensichtlicher gehts eigentlich nicht und Spaß kommt auch nicht wirklich auf.
Man muss sich also erstmal mit dem kompletten Menü auseinandersetzen und rausfinden, welche Funktion was bewirkt. Letztendlich vergehen so mehrere Stunden bis der ESP nur noch den vorhandenen Skill unterstützt und nicht alles von alleine übern Haufen schießt. Diese Einstellungen reichen allerdings höchstens für einen Public-Server, wo man nicht all zu sehr auffällt. Wer in einer Liga, wie der ESL, cheaten will, muss erheblich mehr Zeit in das Feintuning investieren, damit es nicht auffällig wird. Genau diese Einstellungen machen die ganze Sache so kompliziert. Wer cheaten will, ohne nach zwei Tagen aufzufliegen, muss sein Werk komplett beherrschen. Man darf nicht durch Wände aimen, nicht mit dem Crosshair wackeln, nicht ausschließlich Headshots verteilen und muss auch ab und zu blind werden. Und um das alles zu beherrschen, bedarf es schon einiges an Können. Einfach anmachen und los gehts? Ist nicht.
Die ganze Sache wird dadurch verkompliziert, dass VAC2 und Aequitas nicht still stehen. Das bedeutet, ein Cheat der heute noch ungesehen funktioniert, kann morgen schon entdeckt werden. Und dann ist entweder der Steamaccount gebannt, oder im schlimmsten Fall der ESL-Account für zwei Jahr gesperrt. Den ersten Fall kann man mit einer 5 bis 10€-Investition wieder wett machen, im zweiten Fall sieht es schlechter aus. Man muss also nicht nur einen Cheat besitzen und ihn beherrschen, sondern auch täglich kontrollieren, ob er weiterhin genutzt werden kann. Sollte dies nicht der Fall sein, muss man sich einen neuen runterladen und eventuell dort wiederum alles einstellen. Anders verhält es sich natürlich mit den Privat-Hacks, welche auf lange Sicht vor VAC2 und Aequitas schützen (sollen). Allerdings ist die Beschaffung dieser persönlichen Hilfsmittel wesentlich schwieriger und in der Regel kostspieliger.
Natürlich gibt es mittlerweile Aimbots, die eine natürliche Handbewegung simulieren und daher fast nicht mehr erkennbar sind. Allerdings ist das ein Beispiel, dass den Otto-Normal-Spieler nicht betrifft. Solche Hacks zu bekommen ist äußerst kompliziert und bedarf natürlich auch einer kleinen Investition. Man muss also schon ein gewisses Können besitzen, um mit einem Hack richtig umzugehen und vorallendingen so zu agieren, dass niemand die Benutzung dessen bemerkt. Außerdem ist ein bestimmter Grad an Aiming und Taktikverständnis Grundvorraussetzung, denn lässt man alles von dem Cheat erledigen wird es schlicht zu aufällig. Das stellt natürlich die Frage in den Raum, ob Cheater insgesamt nicht doch mehr Skill besitzen müssen, um Vorteile aus den Hacks zu ziehen und gleichzeitig unentdeckt zu bleiben.