GIGA2 wird ein Jahr alt. Während ein Mensch in dem Alter noch ein gelegentlich schreiender Säugling wäre, hat sich das Projekt nach anfänglichen Kinderkrankheiten inzwischen zu einem der wichtigsten eSport-Berichterstatter entwickelt. Über Rechtsstreitigkeiten, technische Probleme und Preissenkungen führte der Weg und noch immer ist GIGA2 nicht am Ende seiner Möglichkeiten angelangt. readmore.de wirft einen Blick zurück.
GIGA2 startete mit einem Paukenschlag. Der erste Sender mit 24 Stunden eSport und das sieben Tage die Woche. Internationale Events sollten nicht mehr nur noch per HLTV auf den heimischen PC kommen, sondern auch in vollem Umfang per Videoübertragung. Und das nur für einen Beitrag von sechs Euro pro Monat. Mit den EPS-Finals stand direkt das erste Großevent vor der Tür, bei dem jeder eSport-Fan auf seine Kosten kommen sollte. Doch der Bezahl-Sender legte alles andere als einen Traumstart hin: Lags, Disconnects und eine unübersichtliche Seite frustrierten Zuschauer und Moderatoren. GIGA2 zahlte den Zuschauern die Gebühren zurück und ließ sie das nächste Event, die WC3L-Finals, kostenlos schauen.
In der Folgezeit sollten sich zwar viele der Probleme lösen, die Meinung der Community blieb aber gespalten. Viele sahen GIGA2 als Störer, der anderen Mitbewerbern durch Exklusivrechte an Übertragungen die Basis der Existenz nehmen wollte. Durch die Nähe zu Turtle Entertainment und der ESL konnte man sich die Rechte an der ESL Pro Series und den Extreme Masters sichern. Die Zuschauer, die GIGA2 nicht mochten, hatten nur noch die Möglichkeit auf HLTV oder Waaagh!TV umzusteigen. Viele fühlten sich auf die Füße getreten, da sie jetzt für eine Leistung, die es vorher nahezu kostenfrei gab, bezahlen mussten und GIGA2 sich durch die Exklusivrechte nicht mehr mit den Konkurrenten bei gleichen Sendeinhalten duellieren musste.Dennoch konnte GIGA2 auf der Preisseite einige Schritte auf den User zugehen. Von Anfangs 6 Euro wurde der Monatsbeitrag erst auf 4,50 Euro und jetzt auf 2 Euro gesenkt. Damit ist der Sender inzwischen auf einem Niveau, das auch den letzten Skeptikern viel Wind aus den Segeln nimmt. Die Kommentare auf readmore.de waren dementsprechend positiv. Auch der Content wurde verbessert. Die Moderatoren, die teilweise als ehemalige Spieler und Szenekenner das dringend benötigte Wissen mit ins Studio brachten, haben sich im Verhältnis zu ihren Anfängen verbessert und setzen eSport immer besser in Szene. Das WSVG-Finale zum Beispiel. Jeder, der an dem Abend kein GIGA2-Account sein Eigen nennen konnte, verpasste eine spannende Übertragung mit Moderatoren, die Emotionen übermittelt haben und selbst bis ins letzte Haar angespannt waren. Nach dem Sieg des deutschen Mixteams tanzten sie im Studio. Oder die shgOpen mit einem Jan „mooN“ Stolle, der dem Zuschauer ein CS-Spiel von der taktischen Sicht besser näher brachte, als es ein Außenstehender überhaupt könnte. Eine Erfahrung, die man misst, wenn man dem „normalen Programm“ folgt.
Trotzdem blieben die Moderatoren Aufhänger für Kritik. Die eSport-affinen Moderatoren zeigten durchwachsene Leistungen und auch das wirkliche Expertenwissen wurde nicht zuletzt von Gastkolumnist Simon ‚Rudi‘ Wondracek mit der Kolumne „Lernt endlich moderieren!“ angeprangert. Die Kommentare zu Spielen wurden manchmal zu komödiantischen Smalltalks oder emotionslosen Berichten.Anfangs existierte sogar ein „GIGA2-Competence-Team“, das dem Sender den Draht zu den Profis geben sollte. Im Einsatz waren SpawN, Grubby oder AurorA aber eigentlich nie, nach einem halben Jahr verschwand der Bereich dann ohne weitere Ausführungen von der Seite. Die Idee, sich wirkliche Profis ins Studio zu holen, ist dabei nicht falsch. Man kann nicht alles wissen und sollte sich daher Rat holen. Leider brachte die Suche nach Experten dann teilweise eSport-Profis zu Tage, die keine Kameraerfahrung hatten und irgendwelche Sätze stammelten. Die falsche Lösung eines Kompetenzproblems. Dies kann eine ganze Sendung langweilig und nervend machen und hilft keinem Zuschauer. Ein Feature, dass in so einem Artikel nicht unerwähnt bleiben sollte, ist das „Overlay Display“, das durch Einblendungen der Spielernamen, Rundenzeit und Statistiken das Verständnis beim CS-Genuss vereinfachen sollte. Nach mehreren Anläufen auf dem iFNG Stockholm, der EPS-Relegation und im Studio ist das Projekt zwar noch nicht vollendet, zeigt aber, wie hartnäckig GIGA2 versucht, die Qualität der eigenen Inhalte zu steigern. Wenn sie noch weiter an diesen Konzepten basteln, kann dies einen Zuschauer nur noch mehr vom eSport im TV überzeugen.
GIGA2 hat seit einem Jahr das Übertragungsgeschäft im eSport in einen aktiven Wettbewerb verwandelt. Zwar hat dies auch so hässliche Produkte wie den Abmahnungsstreit zwischen GameSports und GIGA hervorgebracht oder die Problematik um CPL-Übertragungsrechte, im Endeffekt musste GIGA2 ihr Angebot aber in Richtung Benutzerfreundlichkeit verbessern und wird auch in Zukunft weiter daran arbeiten müssen, dem Zuschauer zu dienen. An einem solchen Meilenstein, wie dem ersten Geburtstag, soll aber festgehalten werden, dass GIGA2 die Szene bereichert und einen Punkt erreicht hat, an dem man sich den deutschen eSport ohne GIGA2 nur schlecht vorstellen kann. Dies sieht auch GameSports-Projektleiter Micha Haenisch ähnlich: „Ein Produkt wie GIGA // aufzubauen ist mit viel Kapitaleinsatz und vor allem Arbeit und Fleiß verbunden. Das verdient Anerkennung und den Glückwunsch bis zum heutigen Tag ein solch erfolgreiches Sendeformat aufgebaut zu haben.“


