Startseite/Artikel/Gastkolumne: Zwang zum Wandel? – Teil 2

Gastkolumne: Zwang zum Wandel? – Teil 2

Zunächst sollten wir die große Chance erkennen, die im Verkauf von Übertragungsrechten liegt. Allgemein gesehen bieten die Summen, die sich durch den Verkauf von Übertragungsrechten erzielen lassen, exzellente Voraussetzungen für weiteres Wachstum im elektronischen Sport. Es ist kaum zu leugnen, dass die finanzkräftigsten Clans, die über hervorragende Trainingsmöglichkeiten verfügen, am erfolgreichsten sind. Bisher sind allerdings nur sehr wenige Spieler Profis im Sinne der Definition (d.h. sie bestreiten ihren Lebensunterhalt mit eSport). Die erhöhten Einnahmen würden bedeuten, dass mehr Spieler die Chance haben, durch entsprechende Leistung von eSport zu leben, was in Zukunft Voraussetzung für Höchstleistungen sein wird. Diese Entwicklung als Kommerz, Abzocke oder Auswuchs des Kapitalismus zu geißeln ist kontraproduktiv und gehört eher vor die Zäune von Heiligendamm als in eine Diskussion, die ein Konzept für die weitere Entwicklung unseres liebsten Hobbys entwickeln soll.

Die Liga der Zukunft: Zusammenschluss der Teams?

Die Liga der Zukunft: Zusammenschluss der Teams?

Aber wie kann gewährleistet werden, dass die Einnahmen aus dem Verkauf tatsächlich den Teams und Spielern zugute kommen? Ein weiteres Mal lohnt der Blick auf den Fußball. Die erste und zweite Bundesliga wird von der Deutschen Fußball Liga betrieben, die wiederum ist eine Tochtergesellschaft des Verbandes „Die Liga – Fußballverband“. Und diese ist nichts anderes als der Zusammenschluss der Vereine, die in der ersten und zweiten Liga spielen. Sprich: Verkäufer der Rechte an den Spielen und damit auch Nutznießer der dadurch erzielten Einnahmen sind die Vereine selbst. Auf den eSport übertragen bedeutet das, dass mTw, aTTaX, mousesports & Co. sich in einem Verband zusammenschließen müssten, der die Rechte an ihren Spielen verkauft. Der Zusammenschluss der Teams muss Betreiber der Liga und Vermarkter der Rechte an den in der Liga gespielten Matches sein. Mit einer so gestalteten Organisationsstruktur hätten wir das erste Problem gelöst.

Das zweite Problem ist das der bereits erwähnten „dritten Partei“, nämlich den Spieleherstellern, die verständlicherweise ebenfalls mitverdienen wollen. An deren gutes Herz zu appellieren dürfte eher erfolglos bleiben. Als Alternative bietet sich jedoch langfristig folgendes an: Anstelle von kommerziellen Herstellern produzierten und vertriebenen Spielen werden im elektronischen Sport Open-Source- bzw. Freewarespiele verwendet, an denen kein kommerzieller Anbieter Rechte hat – und damit auch über keinen Hebel verfügt, sich die Übertragung von Partien bezahlen zu lassen. Ein wichtiger Schritt in der Hinsicht wäre die Fertigstellung des CSPromods; auch Warsow, das unter der GPL (General Public License) veröffentlicht wurde, geht in diese Richtung. Dass dies derzeit eher unpraktikabel erscheint, ist offensichtlich. Auf lange Sicht gesehen wäre die Verfolgung dieser Strategie jedoch ein probates Mittel, um dem Damoklesschwert zu entgehen, das permanent über dem eSport schwebt, solange wir uns mit kommerziellen Spielen im Würgegriff der Entwickler befinden – auch wenn diese bisher kaum Gebrauch von der Möglichkeit gemacht haben, die Übertragungsrechte an einem gesamten Spiel exklusiv zu verkaufen.

Die Frage ist jetzt, ob der elektronische Sport wirklich das Potential hat, das ihm immer zugeschrieben wird und ob seine Protagonisten über ausreichend langen Atem verfügen, notwendige Entwicklungen über einen längeren Zeitraum zu verfolgen. Dass Geld die Welt regiert, ist bekannt. Ob wir dieses Prinzip zum Vorteil des elektronischen Sports im Sinne der Community nutzen können, wird sich noch zeigen.


Artikel Navigation:

  1. meru890 #1
    Monuschaaf du hast nen approx touch :)

    guter Artikel.
    yokNo__ #2
    Keine Panik ;)
    shxr_6881 #3
    approxschaaf
    CP3 #4
    gut geschrieben - endlich mal wieder n guter artikel (:
    Airwall #5
    sehr guter Artikel
    Benito Juarez #6
    Das die CGS ihre Spiele Exklusiv vermarkten will, ist uns allen klar - das könnte sie aber auch ohne GIGA oder anderen etwaige Medien eine Übertragung von CS zu versauen(!!): die Übertragungsrechte an den Matches in ihrer Liga hätten sie ja eh! - warum also andere schädigen? Das finde ich sehr bedenklich. Diese Ausartungen des Kapitalismus haben mir noch nie gefallen, aber wir wissen ja wo der Autor wirtschaftspolitisch einzuordnen ist.

    Deshalb finde ich diese Geschichte um die Rechte auch auf gut Deutsch scheiße und sehe deine Frage am Ende als bereits beantwortet an, denn dieses Geld wie nicht der Community zugute kommen. Hätte die CGS das wohl der Community im Auge würde sie nicht so aggresiv auftreten und mit dieser Art des An-Sich-Reißens ein Wachstum des E-Sports außerhalb der CGS praktisch stoppen. Auch Valve gibt einen Feuchten auf die Com und sieht in uns doch mehr die Cash-Cow der Zukunft.

    Bei der Sache mit CSP Warsow etc gebe ich dir Recht, dass wäre eine echte Alternative und eine Liga der Clans wäre genauso schön aber leider wie ich finde unrealistisch.

    Trotzdem danke für eine gut gestaltete Meinung auf rm.de, endlich ma wieder :)
    tracer87 #7
    da bringt es jemand auf den punkt... opensource > all! und dann könnte ich als Linux user auch endlich ohne implementation der windows api mitspielen...
    cocor #8
    sehr schöner artikel, stimmt wohl soweit alles an grundaussagen, die du machst
    Monuschaaf #9
    ALTERNATE aTTaX | nito royal schrieb am 08.06. - 21:57:

    Das die CGS ihre Spiele Exklusiv vermarkten will, ist uns allen klar - das könnte sie aber auch ohne GIGA oder anderen etwaige Medien eine Übertragung von CS zu versauen(!!): die Übertragungsrechte an den Matches in ihrer Liga hätten sie ja eh! - warum also andere schädigen? Das finde ich sehr bedenklich. Diese Ausartungen des Kapitalismus haben mir noch nie gefallen, aber wir wissen ja wo der Autor wirtschaftspolitisch einzuordnen ist.

    Deshalb finde ich diese Geschichte um die Rechte auch auf gut Deutsch scheiße und sehe deine Frage am Ende als bereits beantwortet an, denn dieses Geld wie nicht der Community zugute kommen. Hätte die CGS das wohl der Community im Auge würde sie nicht so aggresiv auftreten und mit dieser Art des An-Sich-Reißens ein Wachstum des E-Sports außerhalb der CGS praktisch stoppen. Auch Valve gibt einen Feuchten auf die Com und sieht in uns doch mehr die Cash-Cow der Zukunft.

    Bei der Sache mit CSP Warsow etc gebe ich dir Recht, dass wäre eine echte Alternative und eine Liga der Clans wäre genauso schön aber leider wie ich finde unrealistisch.

    Trotzdem danke für eine gut gestaltete Meinung auf rm.de, endlich ma wieder :)

    Vielen Dank für das Lob, aber eines muss ich richtigstellen :) Dass die CGS das exklusiv gestaltet, ist keine "Ausartung des Kapitalismus", sondern simple Geschäftspolitik.
    hrb #10
    Halleluja, extrem gut geschrieben und dazu noch gut recherchiert und vermittelt. Sehr guter Artikel :)
Nur registrierte und eingeloggte Mitglieder können Kommmentare abgeben.