Das Internet ist ein recht anonymes Medium. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Leute, die sich etwas intensiver mit „der Materie“ ausseinander setzen, quasi unkenntlich machen. Wobei das nicht immer so war. In den meisten News-Groups im Usenet, sozusagen die Vorläufer der heutigen Foren, haben aus Nettiquette-Gründen immernoch die Auflage, dass nur mit richtigem Namen gepostet werden darf. Das der heutigen „medialen Jugend“ das Usenet höchstens in Zusammenhang mit Datenaustausch bekannt ist und somit eher zu einem aussterbendem Medium gehört, macht aber auf die allgemeine Entwicklung aufmerksam: Das Internet verführt immer weiter dazu, sich zu verstecken. Da beleidigt man einen Chat-Partner ganz im Wissen, dass der Gegenüber ja keine Ahnung hat wer man ist. Selbst Scheinidentitäten sind möglich. Ist die Person am anderen „Ende“ wirklich die, die sie zu sein vorgibt oder ist sie völlig anders? Online-Spiele verstärken dies auch noch; vor allem wenn man Rollenspiele wie World of Warcraft, Dark Age of Camelot, … spielt. Fälle, in denen sich – hauptsächlich labile – Menschen in ihren Onlinecharakteren verloren haben sind weitreichend dokumentiert. Der durchschnittliche Internet-User, der ein wenig googelt und in 1-2 Foren postet ist da zum Glück meist nicht betroffen.
So ist es nicht verwunderlich, dass bei Unterhaltungen von Online-Zockern gerne mal „Wörter“, wie SpawN, Element, oder Blizzard auftauchen, bei denen Außenstehende – sofern sie dem Geschehen überhaupt bis dahin folgen konnten – einen Namen vermutet hätten. Würde man dagegen zum Beispiel „Benjamin von Mulert“ sagen, wäre die Verwirrung vielleicht nicht ganz so groß. Wobei hierbei auch bei den meisten „Insidern“ erstmal die grauen Gehirnzellen anspringen müssen, von wem die Rede ist. Oder hätten doch alle sofort gewusst, dass von paN die Rede ist? Nicht-Spieler hätten zugegebenermaßen sowohl beim richtigem Namen, als auch beim Nickname, die Schulter gezuckt. Doch klingt in den Ohren ein normaler Name einfach „besser“, als merkwürdige Nicks, die manchmal sogar sehr komplex auszusprechen sind.
Es gibt in der Welt so viele Sportarten, klar, dass man nicht jeden Sportler kennen kann. Doch meist reicht bei „offline Sportarten“ die Nennung der Sportart, dass man sich wenigstens ein kleines Bild machen kann. Doch bekommt man beispielsweise „miou“, „sk“ und „Warcraft“ vor den Latz, steht man unwissend im Wald. Mit „Niels Hansen“, „Freiburg“ und „Fussball“ bekommt man vielleicht doch mehr Kopfnicken. Schliesslich kann man hier alles zuordnen: Aha, Name, Stadt, Sportart! Bei „miou“ hört es dagegen wahrscheinlich schon auf, weil man überlegt, ob das jetzt ein Tier oder der Name der neuesten Erdbeerzüchtung ist.
Der sogennante eSport versucht schon lange, als echte Sportart anerkannt zu werden. In der ESL, ist es immerhin schon ab einem bestimmten „Level“ Pflicht, seinen Name und ein Lichtbild in den Account zu packen. Doch noch immer hängt da so ein Nickname dabei, mit dem sich die meisten Personen doch viel einfacher identifizieren lassen. In anderen Sportarten haben auch manche Spieler einen Nick. Allerdings meist nicht selber ausgesucht, sondern „verliehen“ nach seinen Eigenschaften und seinem können im Spiel. Wie „Der Bomber der Nation“, wo man sofort weiss, was Sache ist. Vielleicht schauen deshalb „Außenstehende“ immernoch recht amüsiert auf die Spieler, wenn sie sich mit irgendwelchen Nicks anreden. Wenn es in Richtung anerkannte Sportart weitergeht, ist die Frage danach, wieviel Sinn ein Nickname macht, vielleicht gar nicht so unbedeutend. Wenn man nach Korea blickt, scheint es da zwar irgendwie geklappt zu haben, was man aber vielleicht darauf zurückführen kann, dass viele Namen asiatischer Länder eine tiefere Bedeutung haben, also im Prinzip bereits „Nicks“ sind. Aber die westliche Welt hat so etwas meist nicht.
Die Zeit und die Entwicklung des eSports werden es zeigen, ob Nicknames in Zukunft nur noch in einem Nebensatz erwähnt werden und man die Spieler mit dem richtigen Namen „erkennt“ oder ob es weiterhin „anonym“ zugeht.
Verfasst von Geisterkarle.