Vor wenigen Tagen spielte sich in der Warcraft-III-Welt eine allzu bekannte Szene ab. Ein Spieler, der sich aufgrund fadenscheiniger Umstände ungerecht behandelt fühlt, weiß sich nicht anders zu helfen, als seinen Gegenüber hemmungslos mit Nachrichten zu bombardieren, die sich nicht unbedingt dem Spielgeschehen widmen. Nichts Besonderes – mag der abgehärtete Zocker denken. So wurde doch jeder Spieler der schon mal stärker war als sein Gegner bereits der Nutzung unlauterer Mittel bezichtigt. Auch, sich auf diese Unterstellung anschließende Beleidigungen, sind in den großen Weiten des Internets leider keine Seltenheit. Schlimm genug – doch sind solche Vorfälle wirklich von Leuten zu erwarten, die sich als „eSportler“ bezeichnen? Leute, die eventuell den Anspruch haben Geld mit dieser Tätigkeit, die zum Sport gezählt werden möchte, zu verdienen? Eigentlich nicht – glaubt ein vernünftig denkender Mensch. Doch was sich Friedrich Franz alias „Bam“ am vergangenen Freitag in der NGL-TWO beim Clanwar seines Teams „pod.hama“ gegen „evoplay“ geleistet hat, entzieht sich jeglicher Vernunft.
Zunächst täuschte „FriedrichF“ zwei Disconnects vor, um zu erzwingen, dass sein Spiel gegen „DNA“ im Battle.net ausgetragen wird. Dieser Dreistigkeit folgte ein Chatlog, der jeden rational veranlagten Menschen wütend machen sollte. Den Höhepunkt der Hasstiraden bot ein freundliches:
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Die erste Frage, die sich beim Durchlesen dieser Sprüche eines offenbar geistig Unterprivilegierten stellt (abgesehen von der Frage, wo die besagte Person Englisch gelernt hat): Wer ist „we“? Wen wähnt der Realitätskritiker als seine Unterstützung? Eine kleine Gruppe arbeitsloser Langzeitlangweiler? Die viel wichtigere Frage bleibt jedoch: Wie kann überhaupt ein Mensch, der sich halbwegs mit seiner Heimat verbunden fühlt, einen solchen Rufmord in Kauf nehmen? Das Bild der Deutschen ist in vielen Ländern immer noch eng mit den Geschehnissen des 2. Weltkrieges verbunden. Zumindest diese Generation sollte es doch schaffen, aus der Geschichte zu lernen und sie nicht in dieser negativen Weise zu verbreiten. Personen wie Friedrich Franz schaden nicht nur dem Ruf des eSports sondern auch dem Ruf der Deutschen. Jeder faire und logisch denkende Spieler sollte sich für einen derartigen Vorfall schämen.
Glücklicherweise hat der Clan „pod.hama“ sofort die richtigen Schlüsse gezogen. Alles andere als eine Suspendierung wäre inkonsequent gewesen. Die Entscheidung der NGL hätte sogar härter ausfallen können. Eine Sperre nur für die aktuelle und nächste Saison scheint in Anbetracht dieser Idiotie fast zu wenig.
In erster Linie ist dies ein Appell an alle, die sich an Wettkämpfen im Internet beteiligen. Fairness wird auch dort, wie im „richtigen“ Sport, vorausgesetzt. Oder erwartet ihr von einem Michael Ballack, dass er dem Schiedsrichter nach einer Schwalbe den Hitlergruß entgegnet?
Verfasst von Coldplayer.