Dass die Welt der Schönen und Reichen manchmal nicht so funktioniert, wie sich der Durchschnittsbürger das vorstellt, haben wir in den letzten Tagen bei Paris Hilton gesehen. Doch nicht nur in den Staaten gibt es eine Paris, in der deutschen EPS heißt sie nur Philipp „PHILIPP“ Reitzmann und spielt bei 360eSports. Der Vergleich mag vielleicht dahingehend hinken, dass erstere wegen Drogenkonsum und Trunkenheit am Steuer verhaftet wurde, letzterer hingegen nur in der höchsten deutschen „Flameklasse“, der MR12-Ladder, tätig wurde. Doch was war vorgefallen?
Die ESL-Fairplaywochen sollten ab dem 1. Juni das Zeitalter der sozialen Friedfertigkeit in allen Bereichen der ESL garantieren. Angekündigt von Master-Admin OmcD, umgesetzt von den fleißigen Schergen, erhielten viele Spieler für den sonst üblichen, rüden Umgangston einmonatige Sperren. Eine an sich sinnvolle Aktion begann. Beispielhaft wurden Spieler gesperrt, die ihren Gegner als „Affen“ bezeichneten, einer der Spieler hatte in seiner ESL-Beschreibung sogar das englische Universalschimpfwort „faggot“ stehen. Prompt hagelte es eine vierwöchige Sperre. Die Umsetzung war durchgehend konsequent.
Zurück zu Paris: In einem gewöhnlichen Ligamatch mit knapp 30 Zuschauern starb besagter PHILIPP im Eifer des Gefechtes zwischen den Zügen. Etwas ärgerlich, hatte er sich für dieses emotionsgeladene Spiel doch so viel vorgenommen. Er verschaffte seinem Ärger Ausdruck: „Du dummer Hurensohn“, lasen die erschrockenen Zuschauer, zumal viele wussten, wie hart die ESL in Sachen Beleidigungen in den letzten zwei Wochen durchgegriffen hatte. Seitens der Teilnehmer folgte das übliche Prozedere: Screenshot, Supportticket, Basta. Eine solche Beleidigung wollte niemand auf sich sitzen lassen. Was nun kam, scheint auf ein Neues manch willkürliche Entscheidung der ESL zu belegen. Zur Erinnerung: Sagte der mittlerweile abgetretene Kommentator MadDog auf den letzten Finals noch, dass EPS-Spieler härter bestraft werden müssten. Der bürokratisch hoch aufwendige Prozess zog sich also in die Länge. Das bereits am Samstag eingereichte Supportticket wurde weitergereicht, verschoben, verzögert…
Am frühen Donnerstagabend folgte nach langer Beratung nun die Stellungnahme. Wohl überlegt formuliert, haarsträubend für die Betrachter. Der Spieler wird nicht gesperrt und nur verwarnt. Die ESL katapultiert sich damit zurück in die Steinzeit, schließlich sollte gleiches Recht für alle gelten. Sich eine solche Szene in einem EPS-Match vorzustellen, undenkbar wären die Konsequenzen.
Man mag es ihm gönnen, die Qualität der Finals wird somit ebenfalls hoch gehalten. Wer will schon ein uneingespieltes 360eSports nach einer tollen Saison auf den Finals verrecken sehen?
Nur die Gerechtigkeit, die bleibt leider vollends auf der Strecke. Dann hat der Profispieler wohl doch mehr zu sagen, als der 0815-User. Die tolle Idee der Fairplaywochen wird so mit einer einzigen Aktion zur Farce. Fragt man sich doch glatt, warum die gute Paris nun doch wieder im Gefängnis sitzt, PHILIPP hingegen weiter fleißig die Maus schwingt.
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Darüber hinaus wurde der Artikel nach Eingang der abschließenden Support-Antwort in seinem Inhalt überarbeitet.