Der menschliche Schutzmechanismus der Verdrängung ist auch bei Spielern nicht minder stark ausgeprägt als bei dem Rest der Bevölkerung. So wird die Dramatik des kommenden Samstags einfach ignoriert. Zur Erinnerung: Die CS:S-EPS ist nur eine supported EPS. Mit der Wahl durch die Community im Juli 2006 hat sie zwar die stärkste Legitimation, die man sich nur vorstellen kann. Doch diese Legitimation läuft jetzt, nach zwei Saisons, ab.
Ein Rauswurf von CS:S aus der Riege der Pro-Series Spieletitel ist allerdings nur schwer vorstellbar. Die EPS-Relegation am Ende des Monats ergibt sonst wenig Sinn. Auch von der ESL gab es an vielen Stellen inoffizielle Bekenntnisse zur Fortsetzung. Aber welche Gestalt soll die CS:S-EPS in Zukunft annehmen? Als Supported EPS Titel kommen in der elften Ausgaben C&C 3 sowie BF2142 hinzu. Beide Spiele bekommen diesen Status durch kräftige Finanzspritzen von Electronic Arts. In PR-Deutsch wird so etwas Partnerschaft genannt. Valve ist jedoch nicht Partner der ESL. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass CS:S durch Sponsorenzahlungen als Supported EPS weiterlaufen wird. Auch das Durchführen einer erneuten Community-Game-Wahl erscheint durch die zwei neuen EA-Titel illusorisch. Bleibt also nur noch die Möglichkeit einer festen Pro-Series. Gründe für oder gegen eine Aufnahme der Source-EPS in die Riege der traditionellen Spieltitel gibt es viele.
Eine vollwertige EPS soll sich durch die Kontinuität der Teams und die professionelle Herangehensweise aller Teilnehmer auszeichnen. In diesem Bereich offenbart die CS:S-Szene einige Schwächen. WAVE Gaming konnte in dieser Saison ganze drei Spiele beenden, bevor das Team an internen Streitigkeiten zerbrach. Auch plan-B sah die Ziellinie nicht. Zuviele Strafpunkte besiegelten das vorzeitige Ende. Während letzteres ein kurioses Novum darstellt, für das plan-B sicher in Erinnerung bleiben wird, ist das Problem der vorzeitigen Ausstiege nicht alleine in der Source-Szene präsent. Auch in Warcraft 3 gab es während der Saison zwei Abschiede in die Frührente zu feiern. In CS 1.6 sorgte ein Cheatvorfall dafür, dass nur 15 Teams die EPS X beendeten. Die Vergangenheit zeigt: Immer wieder scheiden Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Gründen aus. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Immerhin: Die zwei Ausfälle in der zweiten EPS-CS:S-Saison waren die einzigen, die bisher im Source-Bereich zu verzeichnen waren. In der Premierensaison hielten alle 16 Teams durch.
Zusammenbrechende Server, riesige Lags zu Rundenbeginn, Nik Adams beim CS-1.6-Public-Spielen – bei CS:S-EPS-Übertragungen der zweiten Saison musste man einiges ertragen. Es ist nicht zu leugnen, dass SourceTV noch immer gravierende technische Mängel hat. Doch im Vergleich zur ersten Saison gab es eine deutliche Qualitätssteigerung der Übertragungen. Im CS:S-Bereich der ESL standen mehr Admins zur Verfügung. Die Versorgung mit SourceTV und Livebots war dadurch nahezu optimal. Ein Pluspunkt, denn eine funktionierende Coverage der EPS ist für die ESL extrem wichtig, um genügend mediale Präsenz zu schaffen und die Geldgeber zufrieden zu stellen.
Unprofessionell hingegen ist die Situation in der EAS. Durch die offensichtliche Unkenntnis viele Clans bezüglich der Aufstiegsregeln konnte der vierte Relegationsplatz durch ein Team aus der zweiten Division eingenommen werden. Alle davor liegenden Kandidaten traten zu spät in die EAS ein, der Aufstieg blieb ihnen so verwehrt. Bei den Source-Spielern muss das Bewusstsein erwachen, dass die gut frequentierte MR12-Ladder nicht das Nonplusultra ist.
Eindeutig für die Erhebung zu einem festen Bestandteil der EPS spricht hingegen der Wettbewerb der zweiten Saison. Teams wie plan-B und evoplay, die personelle Schwierigkeiten hatten und mangelnden Trainingsfleiß an den Tag legten, waren für die Topteams nur Kanonenfutter. Ambitionierte Teams wie BHK und TRIAD haben das etablierte mTw hinter sich gelassen. Auch die Aufsteiger raccoons und dRagonality (jetzt Speed-Link) sorgten für Furore. Die Konkurrenzsituation ist gesund.
Ein klares Votum für den Aufstieg der CS:S-EPS geben die Zuschauer. Die Source-Fans machten aus der Jahrhunderthalle in Bochum ein Tollhaus, während sich attax und n!faculty beim iFNG duellierten. Schon als die beiden Teams in der Vorsaison im großen Finale aufeinandertrafen, begeisterten sie nicht nur die eingeschworenen CS:S-Jünger, sondern zogen auch die Anhänger von WC3 und CS 1.6 in ihren Bann. Zusammen mit der wachsenden CS:S-Spielerzahl in der ESL verdeutlichen diese Geschehnisse nur zu gut: Counter-Strike Source hat sein Nischendasein verlassen. Eine erneute Community-Game-Wahl wäre nur ein weiterer Triumphzug für CS:S, alle anderen Spieletitel chancenlos. Solch eine Farce will sich die ESL mit Sicherheit ersparen. Aber wie es wirklich weitergeht, werden wir erst am Samstag erfahren. Um 13:45 Uhr hat die ESL zur großen Pressekonferenz geladen. Direkt nach readmore.de…