readmore.de: Im Finale wart ihr in der Situation, dass ihr eine Map in der zweiten Overtime abgegeben habt, die ihr vorher schon fast gewonnen hattet. Wie hast du dein Team wieder motiviert?
Wiktor ‚Taz‘ Wojtas: Das war fast dasselbe wie im fnatic-Spiel. Wir haben dort auf de_nuke verloren und wussten, dass wir auf de_inferno stark sind. Wir waren in der Lage, uns auf das Match zu konzentrieren, dabei alles um uns zu vergessen und das Finale zu gewinnen. Genauso war es gegen NoA. Wir haben eine Map abgegeben, aber auf de_inferno konnten wir die ersten sechs Runden gewinnen. Das war der Moment, als ich dachte: Das ist unser Spiel. Aber kurz darauf fingen wir an, knappe Runden zu verlieren und alte Fehler zu machen. Es ist eine Sache der Konzentration. Ich habe dann versucht meine Mitspieler zu motivieren und gesagt: „Auf gehts Jungs, das ist wie auf der WSVG oder das Spiel gegen fnatic. Das ist unser Spiel und unser Turnier. Auf gehts, lasst und den Sack jetzt zumachen.“
readmore.de: Was ist das für ein Gefühl, vor einem solch großen Publikum zu spielen?
TaZ: Als erstes dachte ich, das Publikum wäre auf unserer Seite. Wenn man dann erkennt, dass so gut wie jeder NoA anfeuert, dann wird es richtig schwierig. Unsere polnischen Fans haben dann so laut angefangen zu schreien, dass wir sie auf der Bühne hören konnten. Aber für mich war das kein Problem. Ich habe mir gedacht, wenn jeder für NoA ist, dann ist jeder Headshot ein Zuschauer. Deshalb habe ich versucht soviele Kills zu machen, wie möglich.
readmore.de: Zu Beginn des Turniers machte es den Eindruck, dass ihr das Turnier dominiert. Hattet ihr vor irgendeinem Team Angst?
TaZ: Wir hatten von Anfang an harte Gegner wie x6tence oder Virtus.pro. Dann haben wir die zweite Gruppenphase gesehen und gedacht: „Oh mein Gott“. Ich wusste, dass es die schwierigste Gruppe war, aber wenn man gewinnen will, muss man alle Teams schlagen. Als erstes haben wir dann MYM geschlagen und dann auch noch die Finnen. Das war ein gutes Gefühl.
readmore.de: Gab es bei der Playoff-Auslosung irgendein Team, gegen das ihr nicht direkt am Anfang spielen wolltet?
TaZ: Mir persönlich gefällt der Spielstil von fnatic auf de_nuke als CTs überhaupt nicht, weil sie sehr aggressiv spielen. Das macht es für uns sehr schwierig, langsam zu spielen und die ganze Map zu kontrollieren. Falls es ein Team gibt, vor dem wir Angst haben, dann ist es fnatic auf de_nuke.
readmore.de: Es ist allgemein bekannt, dass ihr auf Events wie den ESWC wartet, weil das Internet in Polen schlecht ist. Dagegen entwickelt sich die Szene stärker hin zu Online-Events. Ist das ein Problem für euch?
TaZ: Das ist für uns ein großes Problem, weil wir dann einfach nicht richtig konzentriert sind. Es ist immer besser, die Mitspieler in der Nähe zu haben. Dann hat man die Möglichkeit zu schreien und etwas zu verändern, wenn im Spiel irgendetwas nicht stimmt. Bei Onlinespielen kann man immer nur sagen: „Auf gehts, lasst es uns angehen“ und nicht mehr. Man kann nicht zu einem Mitspieler hingehen, ihm auf die Schulter klopfen und direkt sagen: „Los, geh ran“.
readmore.de: Was PGS in diesem Jahr zu etwas Besonderem macht, ist nicht die Leistung auf einem Event, sondern die Konstanz. Es gab vier Turniere, in denen ihr im Finale standet. Warum seid ihr überall so stark?
TaZ: Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung. Wir trainieren viel vor jedem Event. In den letzten zwei Wochen waren wir im Inferno Online in Stockholm. Dieses Mal haben wir auf TFT-Monitoren trainiert, das war nicht sonderlich hilfreich. Es ist einfach nur Hingabe, Erfahrung und das beste Aiming der Welt.
readmore.de: Viele neugegründete Teams haben Probleme mit ihrem Teamplay und dem Positionsspiel. Ist das euer Vorteil, dass ihr schon Jahre zusammen spielt und das beste Aiming habt?
TaZ: Für uns ist das entscheidende das Aiming. Wir glauben einfach an unser Können. Im Spiel sagen wir uns einfach: „Ok Jungs, lasst uns ein paar Headshots machen. Ich sage die Taktiken an und viel Erfolg.“ Ich glaube die Team-Chemie ist ein wichtiger Grund, warum wir so gut spielen. Wir kennen uns schon sehr lange. Vielleicht ist es das.
readmore.de: Es gibt sehr viele Teams, die mit dem Druck vor solchen Events Probleme haben. Wie ist der Druck bei euch? Gibt es da welchen?
TaZ: Natürlich wollen wir immer gewinnen. Wir denken dabei nicht immer daran, das ganze Turnier zu gewinnen, wir wollen immer nur das nächste Spiel gewinnen. Jedes einzelne Spiel und jede einzelne Runde. Wir geben in jeder Runde 100 Prozent. Wir lieben es, die wichtigen Spiele zu spielen. Es wird immer besser, je weiter man kommt.
readmore.de: Viele Leute denken, dass dies das letzte große CS 1.6-Turnier war. Denkt ihr, dass nächstes Jahr CS:Source gespielt wird? Würdet ihr dann wechseln?
TaZ: Ich denke, wenn 1.6 wirklich sterben sollte, würden wir vermutlich zu CS:S wechseln. Ich hoffe aber, dass dies nicht so bald der Fall sein wird.
readmore.de: Stehen in eurem Team irgendwelche Veränderungen an?
TaZ: Wir werden auf keinen Fall wechseln. Wir möchten das Lineup so lassen. Würdest du nicht den Traum leben wollen, wenn du alles gewinnst? Ich denke nicht, dass du zu diesem Zeitpunkt aufhören würdest. Wir sind so ein großartiges Team und wollen zusammen bleiben. Wir möchten noch mehr gewinnen. Wir möchten jedem beweisen, dass wir die Nummer eins der Welt sind.