Freitag und Samstag Temperaturen bis zu 28°C. Vorwiegend sonnig mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 65%.
Optimale Voraussetzungen für die Besucher der BlizzCon im kalifornischen Anaheim. Und auch die Teilnehmer der Battle.net Ladder Season 5 Finals dürften sich größtenteils auf das Ausspannen zwischen den Spielen in der Sonne Kaliforniens freuen. Größtenteils. Für Yoan ‚ToD‘ Merlo ist die Frage nach den klimatischen Verhältnissen mehr als nur die nach kurzer Hose, Sonnencreme und Liegestuhl. Bei ihm geht es um Sieg oder Niederlage.
„Für mich ist die Hitze ein entscheidender Faktor“, erklärt ein frustrierter ToD seine bittere Niederlage gegen Moon im Halbfinale der ProGamer League. „Mein Kopf wird dann langsam und schläfrig.“ Dass gerade die Leistungsfähigkeit des 22-Jährigen so stark vom richtigen Klima abhängt, scheint zunächst verwunderlich, sollte der Franzose doch an hohe Temperaturen aus seiner Wahlheimat China gewöhnt sein. Ob er wirklich stärker darunter leidet als andere Spieler oder sich das Hitzeproblem nicht vor allem in seinem Kopf abspielt, ist dabei schwierig zu beantworten. Der Effekt auf sein Spiel ist jedoch schwerlich wegzudiskutieren.
Das beste Beispiel dafür lieferte kürzlich die chinesische ProGamer League. Im gut klimatisierten Studio während der ersten vier Phasen gewann ToD souverän jede seiner Begegnungen. Spieler wie TH000, FoV und Grubby hatten ihm wenig entgegenzusetzen. Den späteren Zweiten Moon besiegte er gleich zwei Mal. Umso überraschender der Einbruch im Halbfinale gegen den Koreaner. Mit drei zu null fegte Moon den Franzosen regelrecht aus dem Saal des chinesischen Einkaufszentrums. Nach dem Spiel hielt ToD seine wie immer undeutbare Miene in die Kamera – mit Schweißperlen auf der Stirn.
Die Bedingungen im Anaheim Convention Center werden also einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Endergebnis des Turniers haben. Denn machen
wir uns nichts vor. Wenn sich am kommenden Wochenende acht Spieler versammeln, um dem amtierenden Champion ReMinD das Schwert abzunehmen, haben lediglich fünf davon realistische Chancen auf den Titel. Und das auch nur im weiteren Sinne. Drei Spieler werden die bezahlte Reise wohl von Beginn an als Vergnügungsfahrt sehen und haben die Karten für das ortsansässige Disneyland sicher schon gebucht. Denn so erfrischend die Teilnahme der Amerikaner KiWiKaKi und Nilknarf auch sein mag, mit den vorderen Rängen des Turniers werden sie nichts zu tun haben. Auch der Koreaner Shy wird die letzten Runden wohl nur als Zuschauer verfolgen. Er zählt zwar zu den stärkeren koreanischen Nachtelfen, für die absolute Spitze reichte es bisher jedoch nicht.Die 10.000 Dollar für Platz eins werden zwischen Moon, Grubby, Creolophus, ReMinD und ToD ausgemacht. Vieles spricht dabei für einen Sieg des Franzosen – und gegen die anderen Anwärter. Der Koreaner Moon hat mit Abstand die meisten Titel 2007 entgegenzusetzen. Jedoch kann er bei den Battle.net-Finals nicht auf das gewohnte koreanische Umfeld zählen, in dem er die meisten seiner Erfolge erringen konnte. Zudem ist Moons Leistung gerade im Double-Elimination-Modus oft wechselhaft, da er sich nicht speziell auf alle seine Gegner vorbereiten kann. Die Form des amtierenden Battle.net-Champions ReMinD ist schwer vorherzusagen. Das Hochdruckgebiet der vorigen Saison scheint jedoch verflogen. Im W3 Summer Grand Prix konnte er zwar Lucifer knapp besiegen, schied aber gegen Sweet deutlich aus.
Auch Grubby scheint noch nicht wieder zu alter Konstanz zurückgefunden zu haben. Beim W3 Summer Grand Prix unterlag er Gegenspieler Lyn deutlich. Seine Statistiken in der PGL gegen Moon waren durchwachsen, ToD musste er sich klar
geschlagen geben. Die Beziehung zu Cassandra scheint trotz anderslautender Beteuerungen seine Leistungen doch negativ zu beeinflussen. Clankollege Creolophus konnte in China noch weniger glänzen. Er gehörte zu den ersten Spielern, die sich aus dem Turnier verabschieden mussten. Zu seiner Verteidigung muss jedoch angeführt werden, dass er sehr unglücklich durch zwei Niederlagen gegen den späteren Gesamtsieger Sky ausschied. Doch auch wenn es sich nur um einen Gewitterschauer handelte, in der Form seines Lebens befindet er sich sicher nicht mehr. Hinzu kommt der von vielen Beobachtern bemängelte fehlende absolute Siegeswillen. Ob die Tatsache, dass es sich wohl um seine letzte ernsthafte Turnierteilnahme handelt, daran etwas ändern wird, bleibt abzuwarten.Sollte das Turnier ohne größere organisatorische Mängel ablaufen und die Halle gut klimatisiert sein, ist Yoan ‚ToD‘ Merlo nach seinen letzten Leistungen als Titelfavorit zu sehen. Wenn die Klimaanlagen des Veranstaltungszentrums den Besucheransturm nicht bewältigen können, wird es darauf ankommen, wie sehr sich der Franzose von der Hitze aus dem Konzept bringen lässt. Für ToD wird es also vor allem ein Kampf mit den Bedingungen – und mit sich selbst.

