„ToD ist für mich nicht zu schlagen. Er besiegt reihenweise alle starken Undead-Spieler der Welt, ob Lucifer, FoV, Sweet oder andere, wie zB. XlorD in der WC3L.“ Dennis ‚HasuObs‘ Schneiders Urteil fällt nüchtern aus. Der amtierende EPS-Sieger, dessen Können im Matchup gegen die Menschen in Deutschland gefürchtet ist, sieht für den bevorstehenden Supercup wenig Chancen im Duell mit dem Franzosen. Trotzdem will er kämpfen und ToD wenigstens ein oder zwei Maps abnehmen. Doch was muss er tun, um dem Starspieler gefährlich zu werden?
Der Franzose spielt gegen Untote recht herkömmlich und lässt sich kaum auf Experimente wie Mountain King oder Paladin als ersten Helden ein. Ein ständiger Begleiter ist die Fast-Expansion und der Tier-3-Tech. Seine Flying Machines oder Tanks unterstützt ToD meist mit recht vielen Gryphons. Als zweiten und dritten Helden fügt er seiner Armee in der Regel den Mountain King und den Paladin hinzu. „Ich habe viele Replays von den koreanischen Untoten gegen ToD gesehen, in denen sie oft Gargoyles oder ähnliches gespielt haben“, berichtet HasuObs von seinen Taktikstudien. „Meistens haben sie damit verloren, also werde ich gegen ToD meinen ‚Style‘ spielen, den ich auch gegen die Deutschen anwende.“ Und das heißt bei HasuObs vor allem eines: Viele Destroyer.
Im Matchup gegen die Menschen kommt es dabei vor allem darauf an, den Gegenspieler am Anfang möglichst gut zu stören und somit die obligatorische Fast-Expansion zu verzögern. Die Expansion ganz zu verhindern gelingt dabei meist nicht. Nachdem der Menschen-Spieler sie genügend gesichert hat, macht er sich häufig in die Basis des Untoten auf, um die im Aufbau befindlichen Slaughterhouses abzubrechen und die Economy zu stören. Eine gute Platzierung der Gebäude seitens HasuObs ist somit sehr wichtig, denn bereits in dieser Phase könnte eine Vorentscheidung fallen. „ToD lässt sich meistens im Early Game nicht sonderlich gut harassen, sondern schafft es häufig sogar den Undead zu stören und die Slaughterhouses abzubrechen“, weiß HasuObs zu berichten. „Wenn das passiert, sieht es meistens sehr schlecht aus, da der Human bis zirka 2000 Gold spart und dann anfängt zu pumpen.“
Um sich gegen einen Zeppelin-Harass zu wappnen, baut HasuObs auf Tier 2 immer einen Gargoyle, der den Zeppelin vom Himmel holen kann. Den zu vergessen könne oft das ganze Spiel kosten, so der 19-Jährige. Als zweiten Helden heuert HasuObs meist einen Pandaren Brewmaster oder einen Lich an. Der Untote muss in dieser Phase des Spiels auskundschaften, wieviele Türme der Mensch an der Expansion und der Basis gebaut hat, um den ersten Angriff mit den Destroyern anzusetzen. „Wenn es mehr als acht Stück sind, ist ein Destroyer-Push so gut wie nicht möglich“, urteilt der EPS-Sieger. In diesem Fall gilt es dann für den Untoten seine Armee mit einem dritten Helden zu verstärken und sich auf einen späteren Kampf vorzubereiten. HasuObs rekrutiert, je nachdem was auf Tier 2 gebaut wurde, Lich oder Pandaren Brewmaster und bringt seine Helden durch viel Creepen auf eine hohes Level. Um den Ressourcen-Nachteil nicht zu groß werden zu lassen, versucht der Untote außerdem selbst eine Expansion hochzuziehen. „Wenn man eine Gegen-Expansion errichtet, wird der Human immer versuchen die Goldmine mit seinem Archmage und den Waterelementals zu zerstören“, erklärt HasuObs. „Das sollte man unbedingt vermeiden, sonst verliert man enorm viel Zeit.“
Doch nicht nur die eigene Armee will ausgebaut und verstärkt werden. Genauso wichtig im Matchup gegen die Menschen ist das Wissen über die angestrebte Taktik des Gegners. Denn die Entscheidung ToDs für Tanks oder Flying Machines hat starke Auswirkungen auf das weitere Vorgehen des Untoten. Plant der Mensch mit Tanks einen Angriff auf die Gebäude des Untoten, muss dieser sich im Vorhinein mit Meatwagons und weiteren Gebäuden an Expansion und Basis dafür rüsten. Der größte Vorteil dieser Taktik besteht dabei darin, dass der Menschen-Spieler während der Angriffe mit den Tanks ungestört weitere Expansionen hochziehen kann, denn sein Gegenspieler muss fast all seine Ressourcen auf das Abwehren der Belagerung fokussieren. Das kann dem Menschen im Laufe des Spiels einen entscheidenden Vorteil verschaffen, wenn es immer mehr darum geht, sich weitere Goldquellen zu sichern. Könnte er es sich aussuchen, würde HasuObs trotzdem lieber gegen diese Taktik spielen. „Dadurch, dass die Tanks sich so langsam bewegen, kann man sie meiner Meinung nach besser auskontern als Flying Machines“, argumentiert er. Doch auch dabei ist Vorsicht geboten. „Oftmals täuscht der Human einen Tank-Push nur an und baut vielleicht vier bis sechs Stück, um die Expansion und Basis zu stören. Man baut Meatwagons als Konter und danach kommen dann viele Gyros gepaart mit Gryphons. Dann sind die Meatwagons komplett nutzlos“, erklärt HasuObs.
Neben der reinen Spielstärke sorgt auch ToDs bevorzugte Einheitenkombination für gehörigen Respekt bei dem Deutschen. „Eine Mischung aus Tanks oder Flying Machines mit Gryphons ist sehr schwer zu kontern. Man benötigt einen hohen Panda und muss extrem darauf aufpassen, dass der Human die Undead-Heroes nicht mit einer Kombination aus Bolt, Holylight und Gryphon-Fokus erledigt.“ Gegen seine deutschen Gegner gelingt ihm das immer sehr gut. Im Duell mit dem Franzosen wird HasuObs jedoch nur mit einer einwandfreien taktischen Leistung und der nötigen Nervenstärke etwas bewirken können. Er ist bereits zu erahnen, der Hauch von David gegen Goliath in Leipzig.