eSport heißt zwangsläufig auch Feiern. Zumindest wirkt es so, wenn man die lustigen Abende nach Turnieren sieht. Die Gewinner zeigen, dass sie es genießen zu gewinnen, die Verlierer sind fair und haben die schmerzliche Niederlage schon fast wieder vergessen und die Presse freut sich auf das ein oder andere kühle Nass, das den so geschundenen Körper nach den Turniertagen wieder fit macht. So auch am Sonntag Abend der e-stars. Nach einem am Ende doch noch spannenden CS-Finale und einem Starcraft-Spiel, das auch irgendwann ohne Emotionen zu Ende gegangen ist, ging es zu einem Pub. Über das Ziel waren nicht nur wir Ausländer unsicher. Insgesamt mussten die zwei Busse mit Spielern, Organisatoren und Journalisten drei Mal wenden und standen am Ende vor einem Eingang, den Bus verlassen sollten wir aber nicht.
Als Problem stellte sich heraus, dass es 23:30 Uhr war und in der Weltstadt Seoul die Bürgersteige zur Geisterstunde hochgeklappt werden. Wild telefonierende Busfahrer, unsicher guckende Dolmetscher, die der Frage nach dem was passiert nur mit Schulterheben antworten konnten und durstige, gelangweilte Journalisten gaben wohl für einen Einheimischen ein äußerst merkwürdiges Bild ab. Der Ami unter uns kam dann wie auch nicht anders zu erwarten auf die glorreiche Idee zu der knapp 100 Meter weiter entfernten Tankstelle zu rennen und für Prozente zu sorgen. Gesagt und getan hatten wir dann auch ein neues Ziel, das in die Navigationsgeräte eingetippt werden konnte.Die gefundene Lokalität stellte sich als Karaoke-/Partyraum heraus, die von einem koreanischen Kellner schnell mit kalten Getränken gefüllt wurde. Was ich schon in den letzten Tagen gelernt hatte, war, dass man das Gesöff der Koreaner in keinem Fall als Bier beschreiben kann. Dazu war der Geschmack zu sehr mit der farblosen Flüssigkeit zu vergleichen, die in Deutschland aus jedem Hahn rinnt. Naja, da die Wirkung nach einer bestimmten Anzahl der Getränke mit dem Namen „Prime Max“, „hime“ oder „Kass“ wie bei einem wirklichen Bier irgendwann eintritt, wurde um die Wette gesoffen.
Ganz vorne dabei waren die Schweden von fnatic, die nach kurzen „Ching, chang, chong“-Spielen entschieden, wer die nächste Flasche in einem Zug leeren muss. Als dann nach einiger Zeit auch der Wettbewerbsinstinkt entstand, sah man eigentlich im Minutentakt Schweden, Chinesen und Koreaner aufstehen, um zu beweisen, dass sie den Drittelliter in besonders kurzer Zeit aus der Flasche in den Magen transportieren können. Archi und f0rest scheinen an diesem Abend dabei ungeschlagen geblieben zu sein.Zuvor hatte der Sonntag unglaublich gut begonnen. Erst um 16:30 Uhr mussten wir uns an der Rezeption treffen und so war der Tag zum Großteil von Fernsehgucken und Schlafen bestimmt. Angekommen im Stadion startete dann sogar recht schnell das CS-Turnier. Für Mark Hoffmann sogar so schnell, dass er es nicht schaffte die interne HLTV-IP aufzutreiben und dadurch eine Aufnahme durch mich zu spät erfolgte. Das Finale war dann sogar ziemlich spannend. Fnatic musste auf der zweiten Map mal wieder einem Rückstand hinterher laufen. Diesmal schafften sie aber sogar drei Runden als CT auf de_dust2. Genug, damit sie am Ende ausgleichen konnten und in der Verlängerung dann die Chinesen von Hacker-Gaming besiegten.
Mit den fragbite-Jungs, GotFrags Chefredakteur jESUIT und Aushilfsbrasilianer bsl musste ich am Sonntag auch eine recht lange Diskussion über den eSport-Award über mich ergehen lassen. Gerade die Jünger des amerikanischen eSports sind der Meinung, dass SK-Gaming wieder klar gewinnen wird, da sie ihre User mit Werbung und Gewinnspielen zu dem Thema überhäufen werden. Ganz heimlich hoffe ich ja immer noch, dass wir am Ende die Glücklichen sind, die zeigen, dass eSport-Deutschland gar nicht so klein ist und man sich gegen die USA und Skandinavien durchsetzen kann. Spätestens bei der Games Convention werden wir es wissen.Was es dann am Montag zu lernen gab, war eSport-Politik. Unser aller eSport-Häuptling Jens Hilgers saß passend in der Mitte der Diskussionsgruppe zur Zukunft des wettbewerbsmäßigen Spielvergnügens und nahm kein Blatt vor den Mund. Einen Weltverband muss es seiner Meinung nach geben. Dafür müssen die großen Unternehmen Zeit und Geld opfern und es darf nicht nur um den Brei geredet werden, sondern es muss ein Bernie Ecclestone gefunden werden, der dafür sorgt, dass an einem Tisch geredet wird und man Lösungen findet und nicht durch gnadenlosen Wettbewerb den eSport totwirtschaftet. In der ersten Reihe der Zuschauerschaft saß Andy Reif, seines Zeichens CEO der CGS. Wieso er in der Diskussion keinen Platz gefunden hat, ärgert mich persönlich. So waren eigentlich alle einer Meinung, die Gesprächsfetzen handelten primär von dem Weg dahin. Da wäre der amerikanische Unternehmer genau der richtige Zündstoff gewesen, um die Fakten mal auf den Tisch zu legen, die hinter dem Rücken der jeweiligen Personen auf solchen Events geflüstert werden.
Nach dem Symposium, das zu einem Großteil auch als Pressekonferenz sehen konnte, folgte die offizielle Pressekonferenz, die wenig mit den Themen der Vorveranstaltung zu tun hatte. Neben mir saß Baschi und ich muss sagen, ich möchte nicht den eMailfluss des League Directors bei TE haben. In der Zeit, in der er die knapp 20 Nachrichten bearbeitet hatte, waren schon wieder fünf neue Mails da. Ähnlich langwierig wie das Abarbeiten seines Postfaches nach einem zweiwöchigen Urlaubs war dann die Vordinnershow. Erst wurden die wichtigen Personen vorgestellt, dann wurden die noch wichtigeren Personen auf die Bühne gerufen und dann durften die wirklich wichtigen Personen noch Reden halten. Als dann fnatic-Chef Sam Matthews auch noch einen Kuchen bekam, guckten an meinem Tisch nicht nur einzelne Leute sehnsüchtig zu den Buffettischen.Auf dem Tisch lagen diesmal nicht nur Chopsticks, sondern auch „richtiges Besteck“. Mit Freude und knurrenden Bauch stürzten wir uns auf die Mischung aus westlichen, koreanischen und japanischen Essen. Stutzig wurden wir nur bei den Nachtischen. Grünliche Quadrate, runde Gummibälle und Kuchen in allen Farben und Formen luden zum Testen ein. Aus sicherer Quelle hab ich gehört, dass sich der ein oder andere fragbite-Redakteur nach dem Essen unwohl gefühlt hat, da das Volumen auf seinem Teller größer war als das seines Bauchs.
Ziemlich unproblematisch, aber hektisch ging es dann heute morgen aus dem Hotel zum Flughafen. Eigentlich sollten wir um zehn Uhr in der Lobby sein, daraus wurde dann aber schon 9:30 Uhr als es an der Tür klingelte. Zuvor hatte uns der Frühstücksmann einfach vergessen. Aus dem Chaos in unserem Zimmer wurden in kürzester Zeit zwei große Koffer und mit dem Taxi ging es Richtung City-Check-In und dann per Shuttle-Service zum Flughafen. Die Begleitperson fragte mich dann direkt, ob ich Craven kenne, hatte er sich doch vor einem Jahr so gut mit ihm verstanden. Als ich ihm erklärte, dass dieser mein Chef ist, war er erfreut und wollte, dass ich ihn doch grüße und er hoffe, dass es ihm gut geht. In mir entwickelte sich zum zweiten Mal das Gefühl, dass ich hier in Herr der Ringe bin und als Frodo den Spuren des alten Bilbo folge. Zum Ende dieser Reise bleibt mir eigentlich nur zu sagen, dass Mark Hoffmann gewonnen hat. Gegen Oskar ins Holm, die Made-in-Brazil-Spieler und auch GotFrag.



