Er sollte männlich sein, mindestens einige Jahre eSport-Arbeit auf dem Buckel haben und in der Lage sein, einen Clan zu vermarkten. Ach und prominent wäre gut, zumindest in der „kleinen europäischen Szene“. So könnte die Anzeige nach dem General-Manager des deutschen Franchise der CGS ausgesehen haben. Nach der Ankündigung einer Positionierung in der deutschen Hauptstadt geht in Redaktionen, Szenechannels und ICQ-Fenstern das lustige Rätseln los. Wer ist der Mann, der dem deutschen eSport das Teufelsweib CGS andrehen will?
In Frage kommen im ersten Moment einige. Berlin ist Freaks4U. Doch wer will da seinen Job aufgeben? Jens Enders? Der hat genug zu tun. Michael Haenisch? Ist fest in der NGL ONE und GameSports involviert. Patrick Becker? mousesports ist lukrativer als der Job als GM in der CGS. Cengiz Tuylu? Arbeitet in Köln und wird wohl dem Projekt mousesports auch nicht so schnell fremdgehen. Die bekannte Riege der Berliner eSport-Szene ist also nicht verfügbar. Wenn man sieht, wen die CGS in Großbritannien, Schweden oder den USA verpflichtet hat, dann fällt ein Merkmal immer auf. Die Leute waren prominent. Es waren Spieler, Journalisten oder Manager, die CGS-Franchises übernommen haben, aber alle waren vorher gut bekannt und gaben dem Team ein Gesicht.
In Berlin haben sich unter Freaks4U noch einige andere Personen im eSport engagiert. Da wäre einmal AWP-Legende Jonas ‚Johnny R.‘ Bollack. Nach seiner aktiven Laufbahn bei mousesports hat er ein Praktikum bei Logitech gemacht und arbeitet zur Zeit für SteelSeries. Ob er den Job einfach so für den Ruf aus dem Ausland aufgibt? Unwahrscheinlich. Und dann ist da noch Gurke. Der hat nach der NGL-Germany bei der eSport Bundesliga angeheuert, was er da macht ist unklar und eigentlich ist er bekannt dafür Neues zu versuchen. Ein idealer Kandidat also.
Reicht Gurke aber der CGS? Ist er bekannt genug über die Grenzen des deutschen eSport? Die CGS hat zwar ein Team in Berlin, dieses Team wird aber eigentlich nie in Deutschland aktiv. Am Ende des Monats wird die europäische Saison unter zwei Teams in Birmingham ausgespielt. Danach versucht der Gewinner in der USA die Weltmeisterschaft der CGS zu gewinnen. Ob Gurke mit den nationalen Wettbewerben NGL und ESBL bzw. eSport Bundesliga genug PR um die eigene Person machen konnte, dass er als Kandidat genügt, ist unwahrscheinlich.
Fraglich ist auch, ob der Kandidat überhaupt aus Berlin kommen muss. Er wird nie in Berlin arbeiten müssen und wenn er Pech hat auch nur ein Spiel im Jahre 2007 bestreiten müssen. Deutschlandweit sollte es kein Problem sein einen früheren Spieler zu finden, der Interesse hat sein Gesicht für ein paar Dollar in die Fernsehkameras zu halten, laut zu schreien, wenn die Sirene ertönt und seine Spieler immer wieder zu motivieren. Wenn man sieht, dass sogar HeatoN neuerdings CS:S, FIFA, DoA und PGR beobachtet um seine Topspieler zu finden, kann einen nichts mehr überraschen. Fakt ist, eigentlich gibt es keinen idealen Kandidaten und so kann man nur hoffen das die CGS sich nicht verzockt hat und einen Notnagel holt.