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Ein Verband, sie zu einen – Teil 2

Wenn diese Frage gelöst wurde, stehen zahllose weitere Aufgaben an. Ein Blick auf die Homepage der FIFA zeigt, dass nicht weniger als 29 Ausschüsse bestehen. So viele werden zwar im eSport zu Beginn nicht nötig sein, es verdeutlicht aber, wie vielfältig die Pflichten eines Dachverbandes sein können. Zunächst sollte für jedes im eSport gespielte Spiel ein Ausschuss gebildet werden, der sich mit der Vereinheitlichung der Regelwerke befasst. Des Weiteren brauchen wir eine Disziplinarkommission, ein Schiedsgericht für Streitigkeiten zwischen Mitgliedern sowie einen Ausschuss, der für die Terminabstimmung zwischen den Veranstaltern zuständig ist. Nicht zuletzt sollte es ein Referat für die Öffentlichkeitsarbeit geben, das Lobbyarbeit bei den zuständigen Stellen betreibt. Klingt nach sehr viel Bürokratie nach dem Motto „Und wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann gründ‘ ich einen Arbeitskreis“, ist aber nötig, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Bei der Besetzung der Ausschüsse sollten wir vorgehen wie die FIFA: Die nationalen Verbände entsenden Vertreter in die Ausschüsse und Kommissionen, so verhindern wir unnötigen Hickhack.

Wachstum im eSport ist nur mit mehr Geld möglich und umgekehrt. Die Haupteinnahmequelle im Sport ist neben Sponsoring der Verkauf der Übertragungsrechte. Die FIFA beispielsweise erzielte durch den Verkauf der Fernsehrechte für die Weltmeisterschaft 2006 1,006 Milliarden Euro, hinzu kamen weitere 432 Millionen Euro für die Vermarktungsrechte. Von den Einnahmen der FIFA gehen knapp 70 Prozent direkt an die beteiligten Mannschaften und Verbände zurück, der Verband fungiert somit als eine Art GEMA, die die eingezogenen Gebühren anschließend wieder ausschüttet. Ein ähnliches Modell ist für den eSport auch vorstellbar. Ein Dachverband wäre der Zusammenschluss aller beteiligten Akteure. Wenn dieser Verband die Vermarktung der Rechte vornimmt, ließen sich weit höhere Einnahmen erzielen als bisher. Vorausgesetzt, das öffentliche Interesse ist groß genug, dass es sich für Übertragungsanbieter wie Fernsehstationen lohnt, die Rechte zu erwerben. Wiederum gilt hierbei: Es funktioniert nur, wenn nahezu alle Organisationen im eSport an einem Strang ziehen. Wir dürfen nicht vergessen: Auch wenn der Sport an sich von der Schaffung eines solchen Verbandes mit den angesprochenen Aufgaben profitieren würde, gibt es immer einzelne Unternehmen oder Personen, für die ein solcher Schritt mit finanziellen Nachteilen verbunden wäre. Bei Turtle Entertainment liegen beispielsweise mit der ESL und ESL-TV die Liga, die Vermarktung und die Übertragung in einer Hand. Bei einem der langfristigen Ziele, nämlich der Etablierung einer Weltmeisterschaft und regionaler Meisterschaften, muss ebenfalls klar sein, dass einigen Veranstaltern damit der Boden entzogen würde.

Für den eSport müssen daher andere Prioritäten gesetzt werden als in konventionellen Sportarten. Wir müssen uns der Tatsache bewusst sein, dass die Strukturen in anderen Sportarten seit Jahrzehnten bestehen, während wir seit gerade einmal einer Dekade von eSport sprechen können. Das resultiert in entsprechendem Wildwuchs, der sich bisher noch nicht aufgelöst hat. Ein starker Weltverband wäre jedoch in der Lage, den gordischen Knoten zu entwirren und für Klarheit zu sorgen. Nicht um der Einfachheit selbst Willen, sondern weil das komplizierte Geflecht aus einer Vielzahl von Organisationen dem Wachstum des eSports im Weg steht. Sponsoren wissen nicht, ob sie gerade die Weltmeisterschaft unterstützen oder nur ein Event unter vielen. Clans oder Spieler können bis auf wenige Ausnahmen (PGS, Toxjq) eigentlich nie wissen, wo sie gerade stehen, denn es gibt keinen einheitlichen Benchmark. Als Fan muss man sich schon richtig gut auskennen, um den vollen Durchblick zu haben. Im Fußball hieß es einst, dass das Spiel sehr einfach sei. 22 Spieler, ein Ball, und am Ende gewinnen immer die Deutschen. Für den eSport muss es möglich sein, Außenstehenden mit einer ebenso simplen Formel zu begegnen. Ein eSport-Weltverband wäre ein Schritt in die richtige Richtung.


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  1. sKuLi #1
    interessant aber wird mindestens noch 10 jahre dauern
    XVIII #2
    Endlich mal ein Artikel in dem Lösungsvorschläge gemacht werden statt immer um das Problem drumherum zu reden! Sehr gut!
    AEQUITAS #3
    Der ganze Artikel fasst sehr gut zusammen, was getan werden muss, jedoch bleibt es auch dabei.

    E-Sport ist wie Boxen, weil niemand einen Dachverband akzeptieren würde, vor allem nicht, wenn man sich selbst schon eine gute Position erarbeitet hat. Warum sollte sich Turtle einem Weltverband beugen und zum Beispiel ihre eigenen Übertragungsrechte kaufen?

    So gibt es im Boxen auch vier Weltmeisterschaften, wie auch im E-Sport sind mehrere vertreten. Wie soll man mehrere zu einem verbinden? Gar nicht! Denn einige der Veranstalter würden den kürzeren ziehen und darin liegt die Problematik.

    Warum sollte der ESWC nicht die Weltmeisterschaft sein und die WCG nicht oder warum umgekehrt?

    Es ist im Moment einfacher die Clans unter einen Verband zu bekommen (siehe Deutschland), aber einen Dachverband, der auch noch über allen PRIVATEN Turnieren steht, zu gründen ist eigentlich unmöglich.

    Gleiche Regeln und Strukturen sind da schon deutlich eher zu realisieren, wie zum Beispiel die Rundenzeit oder ähnlichem.

    Wichtig ist aber auch, die jetzigen Turniere erstmal zu professionalisieren. Man hört immer wieder davon, dass Preisgelder bis heute nicht ausgezahlt wurden und da muss man doch erstmal anbacken, als in einer fernen Zukunft zu schwelgen.

    Ich geb dir in allen Punkten recht und würde es auch sehr begrüßen, aber das zu verwirklichen ist wirklich fast unmöglich, das fast, weil nichts unmöglich ist.
    tibuga.de | das kleine hottehue #4
    Naja Dachverbände hin und her, dann sollte das professionelle Verhalten aber ganz unten bei den Spielern und Clans anfangen, sonst bringt das alles nichts.
    Eule11 #5
    Guter artikel sehr n1. nur wie lässt sich das mit der cgs vereinaren, die ne total andere schiene fährt und auch nciht so leicht von ihrem weg abzubringen ist?
    Lawman #6
    Zwar gute Idee um den eSport weiter vorranzubringen. Aber wie AEQUITAS schon sagte, keiner würde diesen Verband akzeptieren. Und wie umstritten so ein Verband wäre, sieht man doch allein schon an unserem Nationalen, dem ESB.
    ReFragErator_8078 #7
    5on5, alle beschießen sich und am Ende gewinnt das deutsche Team.

    Naja, nicht ganz -aber der Artikel ist verdammt toll geschrieben und trifft's imho sehr gut.
    pferd #8
    wieso verdient ein Boxer durch einen Kampf rund eine Million Euro, trotz der vier Dachverbände?

    Du forderst Personen, eher Persönlichkeiten, auf, sich für einen solchen Verband einzusetzen, ich sehe z.B. aus nationaler Sicht Leute wie Hilgers prädestiniert dafür, aber Du schreibst selbst, dass Formate wie ESL-TV unnötig/unprofitabel würden, soll der gute Mann also aus Sportlertum oder Ehre seine Frima aufgeben, damit er sich vollkommen dem Weltverband verschreibt...

    Ich glaube nicht, dass eSport so eine Massensportart sein kann und auch nicht sein will; schau Dir Skateboarding - das ist für mich noch das beste Beispiel, weil dort Leute aus Spaß an der Sache begannen und später davon leben (konnten) - an, soweit ich weiß gibt es dort auch keinen Dachverband, sondern ordnet sich einem anderem unter, aber sag mir bitte einen Dachverband, der uns als eSportler haben will oder den wir haben wollen würde, formulier es, wie Du magst...
    JOELAESSIG #9
    der esport muss sich weiter entwickeln und das in verschiede richtungen. ein dachverband wüde das unmöglich machen.

    ihr wollt den esport zu früh zu professionel machen
    tamtamtam #10
    Der Artikel ist perfekt!
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