An einer Colaflasche hält sich Daniel ‚XlorD‘ Spenst fest und versucht zu verstehen, was vor einigen Minuten schief gelaufen ist. Im Replay sucht er seine Fehler, die er in der Partie gegen den Unbekannten Luzifer begangen hat. Als einer der Presseleute ihn nach einem Interview fragt, zeigt er mit einem starken Kopfschütteln, dass er zur Zeit mit niemandem reden will. Er, das große Talent im Pool deutscher Warcraft-Spieler, hatte seine Chancen auf ein Ticket zum Grand Final nach Seattle eben gerade erheblich geschwächt und muss sich jetzt durch das Lower-Bracket kämpfen. Zum Verhängnis wurde ihm dabei das Duell gegen die Orcs, das er als Untoter so fürchtet.
Minuten später redet er mit seinem Vater, der ihn zu vielen Turnieren im Inland
begleitet. Der jüngste deutsche Topspieler, der im SK06-Team groß wurde und im Gegensatz zu seinen früheren Teamkameraden, wie Thurisaz oder Eric, nicht durch große Worte, sondern plötzliche Leistungen auf Weltniveau aufgefallen ist, kämpft sich in Berlin dann durchs Lower-Bracket und ist einige Spiele später schon wieder viel zuversichtlicher. Im Turnierverlauf kommt es dann erneut zum Duell mit Luzifer. Diesmal spielt XlorD Human und gewinnt klar. „Mein Vater versucht mir immer Taktiken gegen Orcs beizubringen, aber die funktionieren sowieso nicht. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich dann manchmal die Rasse wechseln muss“, erklärt er später und fügt noch schnell hinzu: „Genauso wie eben Protois. Er hat es vorgemacht und ich mache es ihm nach.“Es wirkt fast so, als hätte XlorD in dem ruhigen, unspektakulären Spieler von mTw ein neues deutsches Vorbild gefunden. Dabei kennt man international eher den Spieler aus dem Hause SK Gaming. Durch Siege gegen Topstars in der WC3L hat er sich einen Namen gemacht und viele Leute von sich überzeugt. So ist es auch kein Wunder, dass andere Teams ihn von SK abwerben wollen. Dabei gibt XlorD ganz ehrlich zu, dass er mit seinem Hobby in der nächsten Zeit auch wirklich Geld verdienen möchte. Etwas, das ihm SK bisher scheinbar noch nicht bietet. In der Szene rätselt man schon, ob er nicht bei dem europäischen Spitzenteam Four Kings den Posten des Top-Undeads übernehmen könnte. Nach dem Abgang des Koreaners FoV fehlt dieser dem Team noch und auch das ist einer der Gründe, wieso die Spieler um ToD und Grubby in den letzten Monaten nicht mehr an die Erfolge früherer Zeiten anknüpfen konnte. FuRy ist einfach nicht auf dem Niveau, auf dem 4K gerne spielen würde. Ein kleiner, schmächtiger Deutscher mit viel Potential würde da genau ins Konzept passen.
Aber auch andere deutsche Teams schielen auf die Verpflichtung von XlorD. Zwar spricht er nicht gerne laut über das Interesse an seiner Person, aber ein kleines
Lächeln geht über sein Gesicht, als er sagt, dass mTw mal wieder angefragt und ihm einen größeren Geldbetrag für seine Dienste angeboten hat. Aber nur mit Geld kann man ihn nicht kaufen. „Es muss einfach alles stimmen“, gibt er selbst zu. Was er damit umschreibt, sind die Möglichkeiten in dem Team zum Einsatz zu kommen und sich weiterentwickeln zu können. SK kann ihm mit dem Einkauf der Koreaner Lyn, ReMinD und SoJu einen Einsatz in der WC3L in jedem Spiel nicht mehr garantieren, die Asiaten eignen sich auch nicht als gute Trainingsparter. „Der Ping verhindert einfach gute Bedingungen und es ist auch schwer sich zu verständigen“, erklärt er zu den Bemühungen, sein Matchup gegen Orc mit Teamkamerad Lyn zu verbessern.Auf der WCG versucht XlorD gerade wegen der Probleme gegen diese eine Rasse auch keine zu großen Erwartungen zu schüren: „Wenn ich unter die Top16 komme, bin ich zufrieden.“ Dabei hat er eine gute Gruppe erwischt und kann sich dort bei normaler Leistung auf den ersten Platz spielen. Der schwerste Gegner sollte der Schweizer HasuHasi sein. Der Italiener DeVilMaZ und der Slowene tine sind klare Underdogs. Die Spieler aus Martinique, Peru und Argentinien wahrscheinlich noch nicht mal gute Trainingspartner. Dann geht es mit dem Gruppensieg in der Tasche gegen den Zweiten der Gruppe G. Hinter Creolophus sollten der Russe swift und der Pole sLh die Sache unter sich ausmachen. Auch wieder ein guter Gegner für den jungen Deutschen, der mit einem Sieg schon unter den besten Acht wäre. Dann warten wahrscheinlich die Orcs Grubby, Fly100%, Lyn oder der Nachtelf SoJu. Gerade durch die große Wahrscheinlichkeit eines Orcs im Viertelfinale wird ein Weiterkommen hier schwer. Aber vielleicht hat XlorD sein Spiel gegen Orc bis dahin ja im Griff bekommen und aus den Problemen des National Finals gelernt. Dann wäre er im Halbfinale und so unter den vier besten Spielern des Turnieres – und der Geldregen könnte beginnen.

