Als nach einem Frag gegen hpx der letzte Däne in den Staub von de_dust2 sank, war sich jeder im Publikum sicher, soeben Zeuge des ersten großen Auftritts einer neuen CS-Macht geworden zu sein. Die Art und Weise, wie mSx und Co. das Spiel stellenweise dominierten, ließ jeden Zweifel schwinden, dass emuLate nur wegen der Schiedsrichterquerelen im Grand Final antreten durfte. „Das war vom Aim her eine der besten Leistungen, die ich bisher auf einem LAN-Event gesehen habe“, musste Kapio nach dem Spiel zugeben. „Aber ich habe bereits nach dem Spiel gegen uns gesagt, dass die das Potential haben, das Turnier zu gewinnen.“
Neben dem Aiming beeindruckte vor allem das Teamplay der Franzosen. „Die haben kaum miteinander gesprochen“, stellte mooN fest. Das Team bewegte sich wie von Geisterhand gesteuert über die Map und schaffte es als T auf dust2 immer wieder, genau dort anzugreifen, wo die fünf sparenden Dänen grade nicht deckten. „Das Team hat einfach alles.“, Jeff ’smeagol‘ Dickens, Caster des Finales, konnte seine Bewunderung für das Team nur schwer verbergen. „Taktik, Teamplay, Aiming. Einfach alles.“ Zu keinem Zeitpunkt hatten die Zuschauer das Gefühl, NoA würde jetzt das Ruder herumreißen. Wie gegen die Deutschen im Achtelfinale.
„Die haben sich wohl einfach extrem vorbereitet“, vermutet Kapio. „Aber selbst wenn man drei Monate krass durchkellert, trifft man nicht automatisch so gut.“ 20 Minuten hatten die Teams vor dem Achtelfinale Zeit, sich für das Spiel warmzumachen. „Und dann kommen die auf den Server und treffen ALLES.“ Selbst roman, der in Deutschland den Ruf eines ausgezeichneten Aimers genießt, konnte seinen Neid kaum unterdrücken. „Den Titel des ‚Gifters‘ bin ich wohl an mSx los“, stellt roman grinsend nach der beeindruckenden Leistung des jungen Franzosen fest.
Die Tatsache, gegen den späteren Sieger aus dem Turnier geflogen zu sein, ändert für das deutsche Team nur wenig. „Wir haben auf inferno mindestens acht Runden verschenkt.“, schätzt mooN. „Die hätten wir echt früh aus dem Turnier werfen können, wenn wir weniger Fehler gemacht hätten“ Was das im Endeffekt hätte bedeuten könnnen, ist den Spieler, auch ohne dass es einer ausspricht, klar: Turniersieg. 55.000 Dollar. Ruhm und Ehre. Insgesamt ist dem deuschen Team allerdings anzumerken, dass sie die Niederlage vom Vortag gut verwunden haben. Und verhaltene Freude darüber, dass ihre Niederlage ohne Mitwirkung der Spielleiter zustande kam. „Wären wir aufgrund einer Schiedsrichterentscheidung aus dem Turnier geflogen, hätte ich mich vemutlich noch mehr geärgert als so“, meint Kapio, als er von den Problemen des gestrigen Abends erfährt.
Diese sind inzwischen schon fast vergessen. Vier Schiedsrichter pro Seite standen während des Finales hinter den Teams und stellten sicher, dass es zu keinem neuerlichen Skandal kam. So sah man auch im Spiel keine Russenducks oder ähnliches Gehoppel, welches am Samstag noch für Aufregung sorgte.
„Ich glaube, die müssen wir im Internet mal wieder auf den Boden der Tatsache zurück holen“, sagte Kapio nach dem Spiel mit einem Lächeln. „Mit Russenducks, CRTs und dem ganzen Kram.“ Unter den gegebenen Bedingungen war die Leistung von emuLate einfach makellos. Jetzt kann die etablierte Counter-Strike-Welt nur noch hoffen, dass emuLate keine neuen Sponsoren findet, die die Reise zur CPL Winter finanzieren. Sonst gibt es dort einen ganz heißen Tanz.