Wer sich als „Team Fortress 2“-Fan der ersten Stunde bezeichnen kann, der blickt auf einen elfjährigen Leidensweg zurück. So viel Zeit verging zwischen der ersten Ankündigung von Team Fortress 2 und der endgültigen Umsetzung durch VALVe. In der Zeit passierte viel und auch die Art des Spiels änderte sich dramatisch.
Im Jahr 1996 erschufen die drei Freunde Ian Caughley, Robin Walker und John Cook den Quake-C-Patch Team Fortress. Die Modifikation des ersten Quake-Titels setzt vor allem auf den Capture-The-Flag-Modus, jedoch waren schon zu diesem Zeitpunkt die neun Klassen, die es auch heute noch in Team Fortress 2 gibt, enthalten. Auch damals sprachen die drei Entwickler schon von Team Fortress 2. Über das Spiel, dass später eigenständig laufen soll, drangen jedoch wenige Informationen nach außen.
Im Jahr 1998, Half-Life war gerade auf dem Markt erschienen, tritt VALVe an die drei Entwickler heran und verpflichtet sie, für VALVe auf Basis der Half-Life-Engine weiter an Team Fortress 2 zu arbeiten. Hier fällt der Name zum ersten Mal offiziell. Neun Jahre vor dem späteren Release. Um den Fans die Wartezeit zu erleichtern und um der Modder-Community zu zeigen, wie einfach es ist, Mods für Half-Life zu erstellen, wird jedoch erst einmal die bereits bestehende Quake-Mod auf Half-Life portiert. Team Fortress Classic (TFC) war geboren.
Nun machten die Entwickler auch erste Ankündigungen, was man sich unter Team Fortress 2 vorzustellen habe. Bei dem Spiel sollte es sich um einen Multiplayer-Titel handeln, bei den die beiden Teams sich nicht unmittelbar bekriegen, sondern das primäre Ziel das Erfüllen von Missionen sein solle. Unterschiedliche Szenarien wurden bereits präsentiert und wirkten in diversen Videos bereits fast spielfertig. So zeigten zum Beispiel Screenshots und bewegte Bilder ein Team, welches einen Konvoi über einen Brücke begleitet, während ein Engineer des anderen Teams einen Sprengkopf an den Sockeln der Brücke befestigt. Neben Trucks, die man eigenständig bewegen konnte, sollte es auch Hubschrauber und andere Gefährte geben, die einem im Schlachtgebiet absetzen konnten.
Neben dem damals neuartigen Spielprinzip sollte Team Fortress 2 auch eine deutlich optimierte Half-Life-Engine erhalten, die detaillierte Models, größere Level und Gebietsschäden ermöglichen sollte. Teile des optimierten Codes wurden im Juni 2000 unter der Kennung Team Fortress 1.5 veröffentlicht. Dabei handelte es sich eigentlich um ein umfassendes Update für TFC in Form von Verbesserungen am Quellcode und einige grafische Auffrischungen.
In den folgenden Jahren wurde es etwas ruhiger um Team Fortress 2. Zwar drangen vereinzelt immer wieder Screenshots an die Öffentlichkeit, doch großartige neue Ankündigungen oder gar Release-Termine gab es keine. Erst als die Source-Engine das Licht der Welt erblickte erhielt das Spiel wieder mehr Aufmerksamkeit. Bis dahin hatte es jedoch schon einen Platz in der Top-10-Vaporware-Liste des Wired Magazines ergattert. Einer Liste, die Soft- und Hardwaretitel aufführt, die zwar angekündigt, jedoch nie veröffentlicht wurden. Prominentestes Mitglied dieser Liste: Duke Nukem Forever.
Mit Ankündigung und Veröffentlichung von Half-Life 2 und der Source-Engine verschwand Team Fortress 2 jedoch von dieser Liste. Schließlich gestand sich VALVe hinter vorgehaltener Hand ein, dass es schlicht nicht möglich war, die gesetzten Ziele mit der alten Half-Life-Engine, die ja zu großen Teilen noch auf der ersten Quake-Engine basierte, umzusetzen. Gleichzeitig entdeckten User des Steam-Forums im Source-SDK (Software Development Kit) Code-Fragmente, die sie eindeutig Team Fortress 2 zuordneten.
Auch ohne offizielle Ankündigung durch VALVe keimte wieder Hoffnung im Lager der inzwischen in die Jahre gekommen TF2-Jünger auf. Bis zu jener denkwürdigen Pressekonferenz im Juli 2006. Zwar kündigte hier VALVe endgültig Team Fortress 2 an, gab sogar erstmals einen Release-Termin bekannt (Februar 2007; konnte nicht gehalten werden), doch die Fans der ersten Stunde waren enttäuscht. Team Fortress 2 würde ein Comic-Shooter im Stil aktueller Pixar-Filme werden und solle rein gar nichts mehr mit dem ursprünglichen Konzept zu tun haben. Abgesehen natürlich von den neun Klassen.
Im Februar verschob man Team Fortress 2 dann ein letztes Mal und der Oktober wurde als neuer Termin genannt. Dann sollte das Spiel zusammen mit der sogenannten „Orange Box“ erscheinen. Dieses Mal schaffte man es dann auch, diesen Termin einzuhalten. Um das Spiel möglichst optimal und an den neuen Wünschen der Community ausgerichtet zu verkaufen, ermöglichte man Spielern, die bereits im voraus die Orange-Box erwarben, die Teilnahme an einer Beta-Phase. Dabei tat VALVe etwas, was man zuletzt bei der Counter-Strike-Serie komplett vernachlässigte: Man hörte auf die Wünsche der Spieler. So entfernte man zum Beispiel die Friendly Fire-Variable und verbesserte diverse Dialoge massiv. So wurde zum Beispiel der Auswahldialog der Klassen verbessert, so das man nun leichter erkennen kann, welche Klassen wie stark im eigenen Team schon im Einsatz sind.
Nach den ersten Minuten TF2 werden aber die meisten ihre Abneigung gegenüber der gewählten Umsetzung verloren haben. VALVe ist es gelungen, ein richtig gutes Spiel zu entwickeln, dass dem Spieler viele Stunden Spaß bescheren kann. Schade nur, dass es immer noch kein Spiel gibt, dass die ursprünglichen Ideen umsetzt.
Etwas Pech mit dem Release-Termin hatten hingegen die Entwickler von Fortress Forever. Nach dem das Team schon nicht mehr damit rechnete, dass Team Fortress 2 jemals erscheinen würde, machte man sich eigenständig daran, auf Basis der Source-Engine zu entwickeln. So übernahm man fast vollständig das Konzept von TF 1.5 und veröffentlichte die erste spielbare Version knapp einen Monat vor dem endgültigen Erscheinungstermin. So fiel das Interesse an dem kostenlosen Spiel eher gering aus. Fortress Forever stagniert derzeit in den Steam-Statistiken noch hinter Garry’s Mod 9, Zombie Master und Dark Messiah of Might And Magic Multiplayer im hinteren Mittelfeld, während sich Team Fortress 2 mit dem alten Day of Defeat um Platz vier in den Stats duelliert, doch noch immer hinter Counter-Strike 1.6, Counter-Strike: Source und sogar Condition Zero.
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