Vier Weltklasse-Koreaner gegen drei Weltklasse-Koreaner mit Anhängsel. Eigentlich sollte sich die Frage nach dem besseren Team da doch gar nicht stellen. Eigentlich. Denn in Köln wurde die Zuschauer am Wochenende Zeuge davon, wie sich SK Gaming zwei Mal gegen MeetYourMakers durchsetzte und die zwölfte WC3L-Saison gewann.
Dabei waren es diesmal überraschenderweise nicht die Koreaner, die SK den entscheidenden Deut besser machten. Sowohl im Upper-Bracket-Finale als auch im Großen Finale sicherte ein Europäer einen der drei entscheidenden Punkte. Im ersten Aufeinandertreffen am Samstag gelang es dem Deutschen XlorD mit einer überragenden Mirror-Leistung MYM-Spieler Susiria zu bezwingen und einen
wichtigen Zwischenerfolg auf dem Weg zum ersten Meilenstein dieser Finals zu erreichen. Im Großen Finale griff man mit HoT erneut erfolgreich in die Trickkiste, unglückliches Opfer war dabei abermals Susiria.Der 22-jährige Jung-Ki ‚Susiria‘ Oh war dieses Wochenende nicht zu beneiden. Nachdem er bei seinem ersten Einsatz gegen Beijing eSports Team noch mit einer überzeugenden Leistung Landsmann FoV besiegen konnte, lief es danach einfach nicht mehr rund. Sowohl gegen XlorD als auch gegen HoT ging der Führende der Spieler-Statistik dieser Saison als klarer Favorit ins Rennen. Durch den wohl fest eingeplanten Punktgewinn gegen den Nicht-Koreaner im Lineup SK Gamings, lastete ein großer Erfolgsdruck auf Susiria. Zuviel für ihn, wie sich herausstellen sollte.
Im Gegensatz zu MeetYourMakers konnte SK Gaming mit ihrem siebenköpfigen Kader auf diesen Finals aus dem Vollen schöpfen. Und das nutzten sie bis zur Perfektion. Während das Aufgebot MYMs durch die fehlenden Alternativen sehr berechenbar war, lief SK Gaming jedes Mal mit einer angepassten Formation auf. Zuerst wurde Insomnia die undankbare Aufgabe zuteil, im Clanwar gegen World Elite das Opfer für Sky zu spielen. Dann bekamen XlorD und HoT in den zwei Spielen gegen MYM ihre Chance.
Doch die fehlende Vorhersagbarkeit der Aufstellung hat sich nicht nur negativ auf den Gegner ausgewirkt. Die Rotation dürfte auch ein entscheidender positiver Faktor für die Leistung SK Gamings gewesen sein. Einerseits konnten die eingesetzten Europäer immer frei aufspielen, da sie in jedem Matchup als Underdog ins Rennen gegangen sind. Die Starspieler von MeetYourMakers hatten somit in diesen Partien kaum etwas zu gewinnen. Auf der anderen Seite wurde durch die Rotation ein positiver Leistungswille geschürt. Durch das in sie gesetzte Vertrauen dürften die Spieler einen weiteren Motivationsschub bekommen haben: Was könnte den Einsatz und damit den Platz im Team besser rechtfertigen als ein Sieg?
Der Faktor Rotation, gepaart mit einem ausgeprägten Zusammenhalt im Team, spielte am Wochenende eine wichtige Rolle. Auch wenn MYM-Manager Nordahl bestreitet, dass ein oder zwei weitere Spieler für sein Team in Köln von Vorteil gewesen wären, kommt man nicht umhin, das Gegenteil anzunehmen. Allein die Anwesenheit eines weiteren Spielers, der nach verlorenen Maps wieder aufbaut, kann eine positive Wirkung haben. Von der Möglichkeit, den nach der Niederlage gegen XlorD verunsicherten Susiria auszuwechseln, ganz zu schweigen.
Die Größe des Kaders hat aber auch negative Aspekte, vor allem in finanzieller Hinsicht. Und so kündigte Team-Manager reis bereits bei der Siegerehrung an, dass das Team 2008 nicht mit gleichem Lineup auftreten wird und deutete eine Verkleinerung an. Da kann man nur hoffen, dass sich SK Gaming dabei nicht komplett des Rotations-Vorteils beraubt.
