Zu Beginn der Saison konnte man das Lineup von ID Gaming nicht richtig einschätzen. Würde die Mischung aus den beiden wegrationalisierten Mäusen Silver und Blizzard, dem Urgestein Todi, sowie den beiden jüngeren Talenten XaVe und nuY wirklich ein funktionierendes Team werden? Und ist es überhaupt möglich, mit so einem frischen Team einen Platz auf den Finals zu erlangen? Die Kritiker waren skeptisch, nicht zuletzt weil Blizzard schon bei mousesports mit Motivationsproblemen zu kämpfen hatte und auch Silver mit dem Rauswurf bei mousesports einen Schritt zurück machen musste.
Doch die Skepsis konnte dem Erfolg des Teams nicht lange standhalten. Schon am zweiten Spieltag schlug ID Gaming den ehemaligen Finalteilnehmer pod virtual gaming und setzte so ein Ausrufezeichen hinter den Ehrgeiz und Siegeswillen ihrer Mannschaft. Bis auf die Partie gegen mousesports blieb man in den ersten sechs Spielen ungeschlagen. Wie sich herausstellte, sorgte die Trennung von mousesports bei Silver und Blizzard für einen neuen Motivationsschub. Außerdem wurde das Team nach ihren Vorstellungen aufgebaut, weshalb sie eine hohe Verantwortung trugen. Während sie bei mousesports noch Mitspieler waren, übernahmen sie bei ID Gaming die Rolle der Anführer, was sich ebenfalls positiv auf Motivation und der Ehrgeiz ausgewirkt hat.
Einen kleinen Dämpfer erhielt man im Spiel gegen a-Losers, das eigentlich als Pflichtsieg galt. Wie sich nachher herausstellte, stolperte aber nicht nur ID Gaming gegen das zu Anfang unterschätzte a-Losers. Trotzdem war es eine Niederlage, die nicht sein hätte müssen, vor allem nicht, wenn man schon im Vorfeld Teams wie Zykon und hoorai schlagen konnte. Doch Silver und Blizzard setzten mit ihren Jungs die Siegesserie fort und schafften am zehnten Spieltag die Sensation: ID Gaming schlug den deutschen Meister aTTaX.
Etwas unverständlich, dass danach ein Unentschieden gegen starComa und zwei Niederlagen gegen Competo und TBH.eSports folgten. Später wurde bekannt, dass das Training seitens der Spieler eingestellt wurde, denn ID Gaming konnte ihr CS-Team nicht mehr länger bezahlen. Ein weiterer Grund, unter anderem verursacht durch die fehlenden Gehälter, waren interne Streitigkeiten im Team, die dazu führten, dass der bis dato inaktive Fragmaster für nuY einsprang. Durch die Sperre von drei Spieltagen konnte Fragmaster allerdings nur die beiden letzten Spiele bestreiten, die ID Gaming aber beide für sich entschied.
Durch den knappen Sieg gegen Ocrana qualifizierte sich das Team sicher für die ESL Pro Series Finals. Vor dem letzten Spieltag lagen sie noch punktgleich mit pod virtual gaming, die jedoch ihr letztes Spiel gegen mTw erfolglos gestalteten. Durch die Niederlage im direkten Vergleich hätte man die Finals ohnehin verpasst. Trotz dieser erfreulichen Nachricht gibt es einen Wermutstropfen: Durch die finanziellen Schwierigkeiten musste ID Gaming geschlossen werden und fährt nun unter dem Namen Team Xilence nach Köln. Laut Aussage von Silver und Blizzard hatte man sich den Aufenthalt bei ID Gaming natürlich anders vorgestellt, trotzdem will man für die Finals das Training wieder aufnehmen und eine gute Vorstellung abliefern.
Wie gut diese Vorstellung sein kann, bleibt aber fraglich. Auf dem Papier belegt Team Xilence nur den letzten Platz. Zum einen ist Fragmaster erst seit kurzem ein fester Bestandteil des Teams, zum anderen ist schon jetzt klar, dass das Team in dieser Konstellation nicht weiter spielen wird. Diese Tatsache könnte an der Motivation zehren. In der laufenden Saison schlug man zwar aTTaX, dies auf den Finals zu wiederholen, scheint aber unrealistisch. Einzig ein Sieg gegen TBH.eSports, denen es zur Zeit noch an Erfahrung mangelt, scheint im Rahmen der Möglichkeiten.