ToD triumphiert, ToD strahlt. SoJu ist geschlagen und das Publikum im Erdgeschoss applaudiert. Direkter Blickkontakt zum französischen Star ist nicht möglich. Der sitzt zwei Stockwerke über der Zuschauertribüne im Four-Kings-Game-Room. Dafür flimmert sein Siegerlächeln im XXL-Format über eine Großbildleinwand.
„Magnificante“ tönt es zeitgleich aus dem Pressebereich. Der Caster Olivier, ein Landsmann ToDs, feiert den Erfolg von Frankreichs eSport-Helden. Eingekesselt in einem Pulk von Journalisten bleiben ihm dafür 1,5 Quadratmeter. Es ist Sonntag und der 22-Jährige hat seit dem Start der WC3L-Finals fast ununterbrochen für sein Webradio kommentiert, Stimmenaussetzer inklusive.
Doch seine Leidenschaft für den eSport überwindet körperliche und finanzielle Hürden. Bei Olivier gibt es keine Reisekostenabrechnung, der Franzose bezahlt seinen Hamburg-Trip selber. „Ich liebe dieses Spiel und die Spieler“, sagt Olivier. „Es war für mich einfach unvorstellbar, nicht hier zu sein“. In seiner Heimat sei der eSport nicht so professionell wie in Deutschland und die ESL und GIGA haben ihn fasziniert. 300 Zuhörer verfolgen seinen Stream an diesem Sonntag: Die größte Anzahl seit Start seines Webradios im Januar 2003. Noch bleibt Zeit für den Austausch mit anderen Presseleuten, dann beginnt das zweite Spiel. Olivier zieht das Headset über, startet Waaagh!TV und verschwindet hinter seinem riesigen Laptop. Schon 20 Spiele hat er an diesem Wochenende alleine gecastet. Das Finale zwischen Four Kings und WE ist noch im vollen Gange.Während Creolophus das nächste Match bestreitet, stehen ihm seine Team-Kollegen bei. Nur ToD hat den Spielerbereich schon verlassen und gibt MYM ein Interview. Danach geht er zurück in den Game-Bereich und sucht sich einen Platz abseits seiner Mitspieler. Das ist die Chance für Olivier. Zwischen zwei Matches rennt er in den Four-Kings-Room um ein Autogramm von ToD zu ergattern. Dank seines Presse-Ausweises überwindet er die Securitys.
Doch trotz seiner großen Erfolge ist der 4Kings-Spieler in Frankreich umstritten. Die Weigerung ToDs im Upper-Bracket-Finale gegen WE anzutreten, stößt bei Olivier und seinen Zuhörern auf Unverständnis. Ebenso seine provokative Art. „Wir müssen ihn einfach so akzeptieren, wie er ist“, sagt Olivier schulterzuckend. Auch ToDs Umzug nach China sehen die heimatverbundenen Franzosen kritisch. Doch wenn es um die Verlosung eines Autogramms von ToD geht, lieben die WC3-Fans ihren ausgewanderten Helden wieder: Olivier stellt die Preisfrage auf dem Stream, sofort blinken unzählige IRC-Querys mit der richtigen Antwort auf.Die vielen Stunden Cast haben sich ausgezahlt. NetG-Radio ist zumindest für dieses Wochenende der Nabel der französischen WC3-Welt. Die größte eSport-Seite Frankreichs, eSport-France, kann von diesem Event nicht mit Vorort-Berichterstattung dienen. Deshalb fragen die Franzosen Olivier alles. Der Dauerbrenner des Wochenendes ist natürlich die Deadman-Story. Für den Russen hat Olivier nur ein Kopfschütteln übrig: „Es ist unglaublich, dass er denkt im Recht zu sein“.
„Ohh, ohlala“ tönt es am Sonntagabend noch einmal auf. ToD hat gegen Sky gerade seine erste Map auf dem ganzen Event abgegeben. Die Enttäuschung ist Olivier anzusehen. Der Pressebereich hat sich bereits geleert, doch der Franzose wird casten bis die Lichter ausgehen. Danach geht es dann ab mit dem Bummelzug Richtung Lyon. Das Geld des jungen Franzosen hat nicht gereicht, um die neue TGV-ICE-Verbindungsstrecke zu nehmen. Ein Jahr musste er für dieses Event sparen. ToD wird nach dem Spiel in das von Four Kings bezahlte Flugzeug steigen.

